Classic-Review: SHINING (1980)

 

 
Overview
 

Darsteller: Jack Nicholson, Shelley Duvall, Danny Lloyd
 
Regie: Stanley Kubrick
 
Drehbuch: Stanley Kubrick, Diane Johnson
 
Länge: 115min
 
FSK: ab 16
 
Land: USA
 
Veröffentlichung: 1980
 
Verleih / Vertrieb: Warner
 
Bewertung
10.0
10.0/ 10


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1
Posted 27. Dezember 2016 by

Ich weiß was ihr denkt….und ihr habt Recht: braucht es wirklich ein Review von SHINING?
Vielleicht nicht, denn es gibt bereits unzählige (was aber für alle Klassiker gilt) und dazu mit ROOM 237 sogar einen eigenen Film, der sich mit den Hinter- und Beweggründen auseinandersetzt.
Nun, es sind die Weihnachtsfeiertage, ich sitze hier an meiner alten Schreibmaschine in der Hotellobby und mir will nichts anderes einfallen als auch meinen Senf zu diesem Klassiker abzugeben.

Dass SHINING ein Klassiker ist, dürfte wohl niemand anzweifeln, nicht einmal Stephen King, der bekanntermaßen die Romanvorlage schrieb und mit der Adaption durch Stanley Kubrick alles andere als glücklich war. Aber anders als Filme, die Klassiker genannt werden, trat dieser keinen Trend los, er erfand keine neuen Elemente und beeinflusste auch andere Werke nicht merklich.
Denn Haunted House – Filme und Streifen um paranormal begabte Menschen gab es schon früher (wenn auch nicht in riesigen Hotels) und der unterkühlte Stil des 1980 produzierten Films passt eher in die 70er, als die oft lockeren Horrorfilme der 80er. Es ist also eher so, dass Kubrick als Abgesang einer Epoche zu sehen ist, als deren Anfang.

Story:
Jack Torrance soll den Hausmeisterjob im Overlook Hotel übernehmen. Das Besondere: das gewaltige Hotel steht in den Wintermonaten leer, nur Jack seine Frau Wendy und Sohn Danny leben mit ihm in der bald eingeschneiten Anlage.
Während Jack nebenbei versucht einen Roman zu schreiben, erkundet Danny auf seinem Dreirad die Hotelflure. Doch der Junge hat eine Begabung, die sich das Shining nennt. Er kann die Geister der Verstorbenen sehen, die sich noch immer dort aufhalten und bald auch Vater Jack in den Wahnsinn treiben.

Schon in einer der ersten Szenen wird Jack vom Manager vor der Einsamkeit des Overlook gewarnt, die einen früherem Hausmeister um den Verstand brachte und auf der Fahrt dorthin spricht die kleine Familie über die Donner-Gruppe, jene Siedler die im Winter in einen Schneesturm gerieten und aus der Not zu Kannibalen wurden.
Der Grundstein ist also schnell gelegt und als Zuschauer fühlt man sich bereits unwohl, bevor irgendetwas zu sehen ist.

Musik, Schauspiel, Kamerafahrten sind die Zutaten mit denen Stanley Kubrick Spannung und Atmosphäre aufbaut und natürlich war Kubrick nicht irgendein Regisseur, sondern ein Meister seines Fachs. Er gönnt sich hier die Zeit die es braucht und manche Szene wirkt auf den ersten Blick und im Vergleich zu modernen Filmen sogar länger als nötig. Vielleicht fehlt aber genau deswegen vielen modernen Filmen die nötige Stimmung…

Nichtsdestotrotz setzt auch Kubrick zunehmend auf optischen Horror und lässt sogar ganze Flurbereiche im Blut versinken. Trotzdem wirkt sein Vorgehen immer kalkuliert und es gelingt ihm aus der Romanvorlage etwas Eigenes zu kreieren.
Aber auch Kubrick hatte keine übermenschlichen Fähigkeiten hat und während man SHINING attestieren kann, dass es mehr zu entdecken gibt, als ein flüchtiger Blick verrät, stehen sich die zahlreichen Theorien, die sich um ihn ranken, teilweise gegenseitig im Weg.

Auch Stephen Kings Unzufriedenheit ist nachvollziehbar. Der hatte im Buch selbst Analogien, wie die immer unter Druck stehende Heizungsanlage (ein Hinweis auf Jacks Geisteszustand), die Kubrick nahezu vollständig ignoriert.
Oder nehmen wir Koch Hallorann, der zwar Danny über das Shining aufklärt, aber danach faktisch keine Rolle mehr spielt. Zwar sehen wir ihn immer wieder, er reist sogar durchs ganze Land, um Danny zu helfen, hat dann –anders als im Buch- aber keine Funktion außer zu sterben.

Aber im Gesamtkontext sind das Kleinigkeiten und wenn man nicht Stephen King himself ist, gibt es kaum einen Grund SHINING abzuwerten. Glücklicherweise muss man sich als Fan auch nicht zwischen Roman und Film entscheiden, sondern beiden eine Chance geben.
Die 1997 erschienene Neuadaption von Mick Garris ist übrigens deutlich näher am Buch, auch weil Mr. King selbst das Drehbuch verfasste. Das Ergebnis ist für eine TV-Miniserie anständig, aber kein Meilenstein.

Natürlich muss noch ein Wort über die Schauspieler verloren werden. Shelley Duvall, Jack Nicholson und Danny Lloyd tragen hier die Hauptlast. Lloyd ist der typische Kinderdarsteller, der sich bald aus der Branche zurückzog, Duvalls Darstellung der Wendy zog einige Kritik auf sich, weil ihre Figur eine schwache Person ist, letztlich spielt sie ihre Rolle aber glaubhaft. Die „Goldene Himbeere“ für die sie (ebenso wie Kubrick) als schlechteste Darstellerin nominiert war, ist jedenfalls maßlos überzogen.
Star ist aber natürlich Jack Nicholson, der den Bösewicht mit einer Leichtigkeit spielt, wie es eigentlich nur Jack Nicholson kann.

Fazit: SHINING ist ein wahrer Klassiker und rangiert auf imdb.com verdientermaßen in den 100 besten Filmen aller Zeiten.

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