Clickbait – viel Lärm um Nix

„Diese 10 Horrorfilme müsst ihr gesehen haben, bei Nummer 12 habe ich mir in die Hose gepullert“

So oder so ähnlich lauten Überschriften, die die Massen verleiten sollen, auf den Link zu klicken, hinter dem dann meist eine unmotivierte Liste der ersten 10 Filme steckt, die über die Suchbegriffe „Horror“, „Hose“ und „Pullern“ bei google auftauchen.

Der Autor ist vom Fach, was so viel bedeutet, dass er die Grundschule besucht hat und mal in der Geisterbahn war. Auf dem gleichen Jahrmarkt muss ihm auch der Schreihals aufgefallen sein, der mit den Worten: „Jetzt hier dabei sein… Gewinne, Gewinne, Gewinne…3 Lose, ein Euro“ für Aufmerksamkeit gesorgt hat.
Was für die Kirmes gut ist, muss fürs Internet nicht schlecht sein und so nennt man die Scheiße heute Clickbait.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: jede Seite freut sich über Clicks. Sei es um Werbekunden zu gewinnen oder auch nur weil es dem Ego gut tut, dass jemand das wahrnimmt, was man oft mühsam zu Papier brachte. Wir sind da keine Ausnahme.
Die Frage ist nur, ob man dazu am Rande der Fake-News kratzen muss.

Es sagt aber nicht nur viel über die Seite selbst, wenn sie sich einer (verlogenen) Marktschreiermentalität bedient, sondern auch über Werbekunden und die Menschen, die darauf klicken und den Unfug noch über Facebook und Co. verbreiten.
Wie willst du eine Seite ernst nehmen, die darüber berichtet, wie verfickt gruslig ein Schinken ist….der noch nicht mal gedreht wurde? Und was sagt es über dich, wenn du das glaubst?

Dumm klickt gut!

 

Wer aber nicht mehr drauf hat, als dicke Buchstaben und alle zwei Wochen von einem anderen „brutalsten Film des Jahrtausends“ quasselt, dessen Uraufführung angeblich die Kotztüten- und Defibrilatorenindustrie ankurbelt und damit nur beweist, dass er unkommentiert und undurchdacht die inzwischen üblichen reißerischen Sätze der Film-PR nachplappert, sollte mit Eiern beworfen werden…faulen Eiern.

Wer nun sagt, dass ich wie ein bitterer Schreiberling klinge, der offenbar mal wieder richtig durchgeklickt gehört, irrt sich. Ich freue mich über jeden vernünftig recherchierten, anständig formulierten und meinetwegen auch gemäßigt beworbenen Beitrag der vermeintlichen „Konkurrenz“.

Geben wir uns keiner Illusion hin: die Menschheit glaubt, dass „Bauer sucht Frau“ eine sinnvolle Freizeitgestaltung ist und McDonalds gesundes Essen verkauft, also werden ein paar erboste Zeilen nichts ändern.
Schade ist es trotzdem, denn während WWW und Facebook-Gruppen mit Dummbeutel-Journalismus überquellen, der für nichts gut ist, außer falsche Erwartungen zu schüren (die zwangsläufig in Enttäuschung münden), sind es gerade im Horrorbereich oft die kleineren Seiten, die ihr Handwerk verstehen und sich ohne viel Theatralik zu Wort melden.

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