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Posted 17. September 2017 by Mick in Specials
 
 

Die Evolution eines Horrorfilm-Covers

Vielleicht kennt ihr schon unseren Artikel Die Lügen der Cover. Heute soll es um ein bestimmtes Cover gehen, das einen fragwürdigen „Werdegang“ hatte.

Als 1978 I SPIT ON YOUR GRAVE erschien, ahnte wohl noch niemand, wie beliebt das eigentlich simple Cover in der Zukunft sein würde.
Das Bild zeigt passend zum Film eine spärlich bekleidete Frau von hinten, deren Kleidung zerrissen ist, die blutet und ein Messer in der Hand hält.
Das ist wenig konkret, verspricht aber viel.

Fast 40 Jahre später hat sich das Motiv verselbständigt, bleibt in seinen Grundzügen aber häufiger Gast im Horrorgenre. Zeit um einen Blick auf die Evolution jenes berühmten Plakats zu werfen.

Beginnen wir mit dem offensichtlichen.
Es liegt auf der Hand, dass für das Remake von I SPIT ON YOUR GRAVE eine sehr vergleichbare Motivwahl getroffen wurde. Lediglich der Hintergrund wurde durch eine weiße Fläche ersetzt…so weit so gut.

Ebenfalls nicht abwegig: Teil 2 und Teil 3 erhielten Cover, die wiederum an das Remake erinnern. Wieder Frau von hinten, gräulicher Farbton, gleiche zerrissene Kleidung, Wunden, Rachewerkzeug.
Nicht eben kreativ, aber kann man so machen.

Ab hier wird es aber interessant.
Viele Schauspieler erfahren in ihrer Karriere Typecasting. Schwarzenegger macht Action, Tom Hanks ist der Gute, Christopher Lee war meist der Böse.
Sarah Butler, die in Teil 1 und 3 die Hauptrolle spielte, erfährt nun eine besondere Form des Typecasting. Egal, welche Rolle sie annimmt, auf den (deutschen) Covern ist sie wieder Jennifer Hill aus I SPIT ON YOUR GRAVE.

Erkennt ihr die Ähnlichkeit? Inhaltlich sicher nicht.
TERROR Z ist Zombie-Horror, THE SECRET ein Thriller, mit Rape&Revenge haben beide nichts am Hut und trotzdem hat ein (hust) smarter Designer Frau Butler den gleichen zerrissenen Fummel auf den Leib gemalt.

Aber warum aufhören, wenn sich das Gezeigte bewährt?
Man braucht keine I SPIT ON YOUR GRAVE, man braucht keine Sarah Butler, um vergleichbare Cover zu basteln, wie SOME KIND OF HATE und SORORITY PARTY MASSACRE zeigen.

Aber irgendwann ists auch gut und neue Ideen müssen her. Kein Problem: man zeigt einfach mal jemand von VORNE (abgefahren, oder?)
Ansonsten will man den treuen dummen Käufer nicht überfordern. Weiß auf weiß, etwas Blut, zerrissene Klamotten, Waffe…aber um fair zu bleiben: inhaltlich kommt es RACHE – BOUND TO VENGEANCE zumindest Off-Screen zu Vergewaltigungen und das Wort „Rache“ ist sogar im Titel.

Wie es der Titel dieses Artikels aber schon sagt, es geht um Evolution, es geht um Weiterentwicklung, nicht um Stagnation.
Was tut man aber als „Künstler“, wenn entweder das handwerkliche und geschmackliche Repertoire beschränkt ist oder man vom Boss immer wieder genötigt wird „dieses eine coole Cover“ zu imitieren? Klar, egal um welchen Film es sich handelt, das System aus Weiß, roter Schrift, kaputtem Shirt, nacktem Arsch, Blut und Waffe hat sich bewährt und könnte zur Not auch in einem Pipi Langstrumpf – Film angewandt werden (als Titel würde sich PIPI – REVENGE OF THE STRAPSGIRL anbieten)….oder auf Filme wie BLOOD BROTHERS und VICTIM, denen das beste Cover der Welt nicht helfen könnte.

Victim

 

Allerdings ist hier tatsächlich eine Wandlung zu erkennen. Optisch dürfte jeder schnell wissen, wie der Hase läuft, war bislang aber eine junge Frau am Drücker, die selbst im Begriff war Gewalt auszuüben, sind die Damen nun wieder in der klassischen Opferrolle.

Und dann gibt es noch GEFESSELT…sogar zwei Mal.
Vermutlich waren einfach noch ein paar Bilder vom Fotoshoot übrig, die Schrift ist sogar 1:1 die gleiche.
Weil hier der zerrissene Fummel ganz abgelegt wurde, hatte man wohl Angst, dass trotz aller anderen Trademarks niemand versteht, in welche Richtung der Film geht und durch einen Hinweis nachgeholfen.
„Im Stil von I SPIT ON YOUR GRAVE“. Wirklich?
Mit genügend Fantasie mag man den psychologischen Home Invasion – Streifen GEFESSELT – LIEBE. EHRE. GEHORSAM. noch etwas Nähe unterstellen, GEFESSELT – WAKE IN FEAR geht noch weiter auf Distanz und auch die beiden GEFESSELT-Filme haben so gar nichts miteinander am Hut.

Fast unnötig zu erwähnen, die meisten dieser Coverbilder finden sich NICHT im Film wieder und das war auch schon 1978 so.

Und die Moral des Ganzen: Cover sind Lügner und (manche) Coverdesigner…aber lassen wir das.

 

 

 

 

 

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