Die Macher: Wes Craven

Nachdem wir uns in der vergangenen Woche ausgiebig auf unseren alten Freund Freddy Krueger fokussiert haben, widmen wir uns heute dem Mann, der hinter all dem stand: dem Regisseur und Drehbuchautor Wes Craven.
Wie bei so vielen Karrieren begann auch seine nicht mit dem Verfolgen einer klaren Linie, sondern befand sich gerade in der Anfangszeit immer wieder auf Abwegen. Besonders abwegig erscheint dabei im Nachhinein, dass er in einer streng christlichen Gemeinde aufwuchs, in welcher Filme verboten waren, sodass er seine ersten Kinofilm erst gegen Ende der Schulzeit sah. Anschließend wollte er zunächst Künstler werden. Als das – wie bei so vielen mit diesem Plan – nichts wurde, arbeitete er als Englischlehrer an einem College. Während dieser Zeit geriet er, erneut eher zufällig, näher in den Bereich der Fotokunst und des Films. Bald darauf fand er sich als Sound Editor bei verschiedenen eher unbekannten Produktionen wieder. Doch auch diese Beschäftigung hielt ihn nicht lange. So verließ er diesen Job, um für einige Zeit einer lukrativeren Beschäftigung nachzugehen, zu der er sich erst äußerte, als er bereits durch Horrorfilme berühmt geworden war: dem Drehen von Hardcore-Pornofilmen (das Fehlen eines Links an dieser Stelle sollte selbsterklärend sein, aber abgesehen davon waren alle Filme unter einem Pseudonym gedreht und sind heute nicht mehr nachverfolgbar).

THE LAST HOUSE ON THE LEFT (1972)

Nach diesem etwas holprigen Beginn seiner filmischen Karriere, gelang es ihm 1972 seinen ersten Langfilm außerhalb des erwähnten, einschlägigen Genres zu drehen. Mit dem, mittlerweile zum Kultfilm avancierten, Rape & Revenge-Films über die elterliche Rache an den Vergewaltigern und Mördern ihrer Töchter, gelang Craven ein erster Achtungserfolg. Auch wenn Kritiker den Film, wenig überraschend, wegen seiner Darstellung von Gewalt größtenteils ablehnten, spielte er ein Vielfaches seiner Produktionskosten ein. Leider war das nicht nur positiv für den armen Regisseur. Da er davon ausgegangen war, dass der Film vor allem in wenigen kleinen Kinos spielen würde, war er überhaupt erst dazu bereit gewesen, solch drastische Gewalt darzustellen, im Glauben, seine Familie und Freunde würden es nicht mitbekommen. Leider geschah genau das und nach der anschließenden, landesweiten Kontroverse entschied er sich, den Bereich des Horrors wieder zu verlassen.
Als Randnotiz: in Deutschland war die Originalfassung des Films über mehrere Jahrzehnte verboten. Alleine für eine Freigabe ab 18 waren elf Minuten des Films entfernt worden.

THE HILLS HAVE EYES (1977)

Nach dieser negativen Erfahrung eines überraschenden Erfolgs widmete Craven sich zunächst anderen Projekten, die jedoch durchweg erfolglos blieben. Dazu gehört der Film THE FIREWORKS WOMEN, welcher sowohl von Kritikern, als auch von der Öffentlichkeit weitestgehend ignoriert wurde. Auf Anraten eines Freundes versuchte er sich dann doch an einem Horrorfilm, dessen Handlung in der Wüste angesiedelt war – da dort keine teuren Drehgenehmigungen vonnöten waren. Das Ergebnis war ein weiterer Klassiker des Genres, über eine Familie, die in besagter Wüste von mutierten Kannibalen gejagt wird. Dieser Film war nicht nur ein noch größerer Erfolg als THE LAST HOUSE ON THE LEFT, sondern etablierte Craven auch als Horrorregisseur. Zudem hatte er ein Projekt gestartet, welches ihn bis nahe an das Ende seines Lebens beschäftigen würde. Im Laufe der Jahre würde er 1985 ein Sequel drehen, sowie mit MINDRIPPER einen dritten Teil der Reihe produzieren. Bei der Neuverfilmung 2006 war er als Produzent beteiligt und schrieb für das darauf folgende Sequel das Drehbuch.

A NIGHTMARE ON ELM STREET (1984)

Etabliert als Horrorregisseur folgte Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre eine Reihe positiv aufgenommener Horrorfilme, die jedoch nicht an vorherige Erfolge anknüpfen wollten. Auch mit dem Drehbuch zu A NIGHTMARE ON ELM STREET schien er zunächst kein allzu erfolgversprechendes Projekt zu verfolgen. Nicht nur rieten ihm zahlreiche Freunde im Filmgeschäft von der Idee ab, sondern das Drehbuch wurde wieder und wieder abgelehnt, bis es von Bob Shea akzeptiert wurde, dem Gründer und Leiter eines unabhängigen Filmstudios. Der Rest ist Filmgeschichte: mit der Story um den Kindermörder Freddy Krueger, der seine Opfer in ihren Träumen erlegt, schuf Craven eine der prägenden Figuren des Horrorgenres, welcher mit zahlreichen Fortsetzungen mit zu den erfolgreichsten Franchises gehört. Zum Unglück für die Reihe entschied er sich, trotz des immensen Erfolgs des ersten Teils, nicht mehr am zweiten mitzuarbeiten, da er das Drehbuch für furchtbar erachtete – und nicht ganz falsch damit lag. Dennoch konnte er sich nie ganz von der Reihe trennen und nahm immer wieder als Produzent und Drehbuchautor an späteren Produktionen teil. Mit dem Film WES CRAVEN’S NEW NIGHTMARE (1994) erschuf er als Produzent, Drehbuchautor und Regisseur ein selbstreferentielles Denkmal, sowohl für sich, wie auch für die NIGHTMARE-Reihe.

SCREAM (1996)

Von nun an folgten beinahe im Jahrestakt neue Filme von Craven, welche zwar größtenteils erfolgreich waren, jedoch nicht für sich beanspruchen können, das Horrorgenre langfristig bereichert oder beeinflusst zu haben. Deutlich erkennbar ist dabei die Entwicklung von Craven selbst, welcher nach den ernsten, brutalen Schockern seiner Anfangsjahre mehr und mehr komödiantische Aspekte in seine Horrorproduktionen fließen ließ. Erwähnenswert sind dabei vor allem SHOCKER (1989) und VAMPIRE IN BROOKLYN (1995) mit Eddie Murphy – einem Schauspieler den man nun wirklich nicht allzu oft in diesem Genre antrifft.

Mit SCREAM gelang Wes Craven dann aber der nächste – und auch letzte – große Wurf seiner Karriere. Ausgestattet mit schwarzen Humor, in der er sein intimes Verständnis des Genres nutzte, bricht nicht nur der erste Teil der Reihe durch die sogenannte Vierte Wand, indem der Film permanent humoristisch sich auf sich selbst und die Regeln des Horrorfilms bezieht. Der düstere Humor, die glaubhaften Charaktere (zumeist Teenager und starke weibliche Rollen), sowie die überraschenden Plottwists sorgten Mitte der 90er zu einer Neubelebung des bereits tot gesagten Horrorgenres. Es folgte eine ganze Reihe von Teenager-Slasherfilmen, von DÜSTERE LEGENDEN bis zu ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST. Craven sollte im Anschluss an diesen kommerziell größten Erfolg seiner Karriere auch die Regie für alle drei Fortsetzungen übernehmen, welche allesamt ebenfalls sowohl von der Kritik gelobt wurden, wie an den Kinokassen Erfolge erzielten.

Scream

Da ist es beinahe passend, dass der letzten Teil der Reihe, SCREAM 4 (2011), auch der letzte Film werden sollte, den Craven drehte, bevor er 2015 im Alter von 76 Jahren einem Hirntumor erlag. Das Genre und das Publikum wird ihn noch lange vermissen.

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