Interview mit Adam Rehmeier (The Bunny Game)

Am 15. Juni wurde von den Östereichern Illusions Unlimited endlich Adam Rehmeiers umstrittenes Debüt THE BUNNY GAME veröffentlicht.
Für uns eine gute Gelegenheit, um mit Adam über den Film, Handgreiflichkeiten mit seinem Hauptdarsteller, Parallelen zu PRETTY WOMAN und seine Zeit in Deutschland zu sprechen und dabei festzustellen, dass wir es hier keinesfalls mit einem Psychopathen sondern einem verantwortungsbewussten Künstler zu tun haben.

Mick: Adam, zunächst eine einfach Frage: Warum zur Hölle dreht man einen Film wie THE BUNNY GAME?

Adam Rehmeier: Ich weiß nicht, ob ich bezüglich THE BUNNY GAME jemals eine Wahl hatte. Der Film entwickelte sich über viele Jahre durch Fotoshoots mit Rodleen Getsic. Der Charakter und die Situation begannen durch unsere Kunstprojekte und musikalische Improvisationen Form anzunehmen.
Der Fokus lag immer darauf, den Film in der Realität geerdet zu lassen, nicht den einfachen Ausweg zu nehmen, nicht hässliche Dinge schön aussehen zu lassen. Es war keine Option die Gewalt zu stilisieren. Sie musste hart und verstörend sein, um den Leuten unter die Haut zu gehen.
Wir gingen alle in diesen Film und erwarteten ein bestimmtes Erlebnis, wenn auch ein negatives.
Es war für niemanden angenehm, es war recht unbequem. Wir befreiten uns selbst von den Sicherheiten eines größeren Films. Es gab meist nur mich und die Schauspieler in der Wüste. Aus dieser gebündelten Energie entstand THE BUNNY GAME. Es ähnelte dem Vorgang ein Monster zu erschaffen und dann das Monster die Kontrolle übernehmen zu lassen. An einem bestimmten Punkt waren wir nur noch Wärter für das Monster.

Mick: Der Film hat ja eine einfache Geschichte, fühlt sich aber künstlerisch an. Gibt es etwas unter der Oberfläche, was wir im Auge behalten sollten?

Adam: THE BUNNY GAME ist einer der Filme, wo mehrmaliges Anschauen dem Publikum mehr und mehr preisgibt. Ich erfahre jedes Mal etwas neues und natürlich kenne ich ihn sehr gut…Frame für Frame.
Ich denke, da ist etwas unter der Oberfläche, aber ich glaube es ist eher etwas, was man fühlen kann, statt es zu sehen. Es gibt eine nicht zu verleugnende Negativität; eine die hin und wieder elektronisches Equipment kurzschließt. Die Tapes auf denen der Film gedreht wurde, fühlen sich sogar eigenartig an, wenn man sie in der Hand hält.
Während der Nachproduktion explodierten diverse Computerbatterien während ich den Film schnitt. Material von BUNNY GAME hat Websites zum Absturz gebracht, DVD Spieler gecrashed und einen Fernseher gekocht (Und das sagt er uns, nachdem wir das Presseexemplar auf unseren PCs geschaut haben… – Anm. der Redaktion).

Mick: Der Film wurde in Großbritannien verboten und hatte ein Problem damit ein deutsches Synchronstudio zu finden. Hast du mit diesem Ärger gerechnet? Interessiert dich so etwas?

Adam: THE BUNNY GAME ist eindeutig nicht für alle Zuschauergruppen gedacht. Ich sagte immer, dass es ein Film für echte Horrorfans ist, für Neugierige und für Leute mit starkem Herz und Verstand. Ich ging auch verantwortungsbewusst mit dem Film um was öffentliche Vorführungen angehen, weil ich denke er sollte nie einem Publikum gezeigt werden, wo Minderjährige anwesend sind.
Ich nahm den Film sogar von einem Festival, weil man mir nicht garantieren konnte, dass jeder im Publikum über 18 sein würde.
In Großbritannien wollten wir eine „ab 18“ Freigabe, was ich sinnvoll gefunden hätte. Offensichtlich sah die BBFC (quasi die britische FSK – Anm. d. Verfassers) das anders. Sie sagten, der Film erotisiere Gewalt, was meiner Meinung nach nicht stimmt. Ich sehe den Film als eine moderne Variante eines warnenden Märchens, angelegt in der Realität. Natürlich gibt es dort echten Sex und echte Gewalt, aber es ist ein Kind für reife Erwachsene nicht Kinder.
Ich denke es ist für die Gesellschaft schädlicher solchen Müll wie Gary Marshalls PRETTY WOMAN auf dem Family Channel zu zeigen: ein Film wo eine Prostituierte mit dem reichen Mann ihrer Träume endet.
Die große soziale Akzeptanz von Eltern, die ihre Kinder ein märchengleiches Herangehen an Prostitution sehen lassen ist für mich verstörender.

Ich weiß, dass Illusions Probleme hatte eine Synchronisation für Deutschland zu finden, was zu THE BUNNY GAME passt. Es sieht so aus, als spalte der Film sowohl das Publikum, wie auch Profis in der Filmindustrie. Es ist lächerlich, dass sie solch einen Aufwand hatten ein Synchronisationsstudio zu finden, aber ich finde es super, dass sie am Ball blieben und nicht aufgaben. Es ist ein Beleg für ihre Unterstützung des Films und ich liebe jeden, der nicht aufgibt und sich nicht von der drohenden Zensur einschüchtern lässt.

Mick: THE BUNNY GAME ist dein erster abendfüllender Film als Regisseur und auch der erste für die Hauptdarsteller Rodleen Getsic und Jeff Renfro. Oft zeigt sich die mangelnde Erfahrung, aber in diesem Fall ist nicht nur das Schauspiel, sondern der ganze Film sehr intensiv.
Wie hast du die anderen kennengelernt?

Adam: Ich lernte Rodleen vor 10 Jahren im Fairfax District in LA kennen. Ich habe einige ihrer musikalischen Auftritte gesehen und war beeindruckt von ihrem Gesang und ihrem Gitarrenspiel. Sie ist eine tolle Musikerin. Wir hatten einen gemeinsamen Freund, so dass wir uns immer mal wieder bei Partys und Shows über den Weg liefen. Irgendwann begannen wir zusammen Fotos zu schiessen und entweder in meinem kleinen Haus in den Hollywood Hills oder oben an der Küste in La Conchita, wo sie lebte Musik aufzunehmen.

Jeff Renfro und ich traffen uns 2002 am Set des Films NORTHFORK von den Polish Brothers. Wir drehten in Montana im Glacier National Park. Ich war der Regisseur der 2nd Unit und Renfro war der Honeywagon Fahrer (der Typ, der für die mobilen Toiletten zuständig ist). Es ist eine eigenartige Geschicht, aber am sechsten Drehtag gerieten Jeff und ich in einen Streit wegen eines Missverständnisses. Es war echter Höhlenmenschen-Kram. Er dachte ich hätte ihn dumm angesehen oder so und er kam rüber und griff mich an. Ich war nur ein Kind. 25 Jahre alt. I hab mir fast in die Hose gemacht, als dieser Lastwagenfahrer ankam und mich durchschüttelte. Es war eine ziemliche Szene. Wir mussten uns dann die Hände schütteln und so weiter. Er hinterließ einen bleibenden Eindruck bei mir. Als 6 Jahre später das Casting lief, dachte ich daran, wie er mich durchgerüttelt hatte und entschied ihn anzurufen und zu sehen, ob er Interesse hat.

Mick: Warum dauerte es so lange bis du deinen ersten Film gedreht hast. Was war / ist dein vorheriger Beruf?

Adam: Ich denke, ich hatte noch nie eine Verbindung zu Zeit, daher mag es lange erscheinen meinen ersten Film zu drehen, nachdem ich schon seit 13 Jahren in der Filmindustrie arbeite, aber ich war ziemlich beschäftigt als Regisseur, 2nd Unit Regisseur, Dokumentarfilmer und Kameramann. Ich habe an hunderten Projekten mitgearbeitet und für viele Jahre war ich damit beschäftigt Musik in meinem Haus aufzunehmen, manchmal 30 Songs am Tag. Wenn ich nicht arbeitete, schrieb ich Geschichten, Musik oder zeichnete kaputte Bilder. THE BUNNY GAME ist ein persönliches Projekt. Für mich ging es darum, was ich alleine tun konnte, ohne Crew, ohne Regeln. Ich arbeitet in so vielen Projekten, wo kein Leben in der Entstehung existiert: alles ist überplant, die Crew läuft auf Autopilot.
THE BUNNY GAME sollte diese Elemente aus der Gleichung herausnehmen und ich wollte für jeden Aspekt des Entstehungsprozesses verantwortlich sein. Es war eine wunderbare Lernerfahrung. Besonders, nachdem die Postproduktion abgeschlossen war und es darum ging den Film zu verkaufen. Die fantastische Vertrieb den wir mit Njuta, Illusions Unlimited und Autonomy Pictures bis jetzt haben, ist aufregend.

Mick: Dein nächster Film heisst JONAS, so wie eine Figur in THE BUNNY GAME. Kannst du dazu mehr sagen?

Adam: JONAS ist eine Charakterstudie über einen Mann, der in seinem Leben an einer Kreuzung steht. Nachdem er auf mysteriöse Weise am Strand angespült wird, lässt Jonas seine sündenhafte Vergangenheit hinter sich und wird in die Stadt der Engel geführt. Intuitiv klopft er bei denen an, die eine kräftige Botschaft gebrauchen können.

Ich drehte den Film mit meinem Freund Gregg Gilmore, den ich kenne, seit ich ihn vor mehr als 10 Jahren für einen Kurzfilm namens HENRY & MARVIN gecastet habe. Fans von THE BUNNY GAME, die etwas wirklich schreckliches in JONAS erwarten, könnten etwas überrascht sein, da er fast am anderen Ende des Spektrums des Manischen und der negativen Energie aus THE BUNNY GAME steht. Es ist mir wichtig klarzustellen, dass der Film ein benötigtes Gegengewicht zu THE BUNNY GAME darstellt. Eine gegenteilige Erfahrung. Ich denke es ist ein Ergänzungsstück zu THE BUNNY GAME.

Mick: Als wir uns das erste Mal trafen, hast du mir erzählt, dass du eine Weile in Deutschland gelebt hast. Was kannst du dazu sagen?

Adam: Ich war 18 als ich in Deutschland lebte. Es ist heute alles verschwommen. Da gab es eine Menge Bier und Wein und Flammkuchen und Zigaretten und Bier und Honigschnaps und Döner und Bier und Offenburg und Züge und Bier und Reeperbahn und Bier und Sylt und Schrimps und Bier!

Mick: Gibt es deutsche Horrorfilme, die du magst oder die dich sogar beeinflussten?

Murnau’s NOSFERATU ist fantastisch, aber ich würde nicht sagen, dass er mich beeinflusst hat. Ich bin ein großer Fan von Werner Herzog, besonders von AUCH ZWERGE HABEN KLEIN ANGEFANGEN. Er haut regelmäßig tolle Filme raus. Ich bin von seinem Gesamtwerk begeistert. Es wäre toll eines Tages in irgendeiner Weise mit ihm zusammenzuarbeiten. Wenn wir über Horrorfilme reden, bin ich ein größerer Fan des italienischen und amerikanischen Horrors, besonders der 70er und 80er Jahre. Einige meiner Favoriten sind: CANNIBAL HOLOCAUST, VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT, DER KETTENSÄGENKILLER, TOURIST TRAP, CHOPPING MALL, DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER und ERASARHEAD.

Mick: Danke für das Interview!

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