Gedanken zu THE WALKING DEAD – Staffel 6

Wenn es euch geht wie mir, sitzt ihr heute Abend mit langem Gesicht vorm Fernseher und schaut um kurz vor 9 mal bei Fox vorbei, nur um festzustellen, dass THE WALKING DEAD tatsächlich in der Halbzeitpause ist. Für Fans der Serie ist nun bis Februar der Beißer-Blues angesagt. Dabei war Staffel 6 für mich bisher eine echte Hassliebe, was mir nach dem – wie ich fand – starken Vorjahr umso mehr auffiel.

Ich verfolge THE WALKING DEAD seit der ersten Folge, frage mich offen gestanden aber manchmal warum, denn vieles wirkte dieses Jahr schlampig inszeniert und nicht nachvollziehbar:

Achtung SPOILER:

Sinnlose Entscheidungen und Planlosigkeit

Stehen Beißer inzwischen unter Artenschutz oder warum musste man sie aus dem alten Steinbruch befreien? Es wäre also nicht denkbar gewesen das ganze untote Pack in dem Loch zu verschütten oder abzufackeln?
Und wenn ich es nicht geschafft habe in einem Gefängnis sicher zu sein, bin ich es vermutlich auch hinter einem Wellblechzaun nicht. Aber natürlich war man mehr damit beschäftigt den Rasen zu mähen oder Kekse zu backen, statt wenigstens eines der Häuser frühzeitig zu verrammeln, dass weder lebende noch tote Leute im Ernstfall hinein kommen.

Wir sind super, ihr seid dumm

Ich weiß nicht, wie die Menschen in Alexandria vor der Ankunft Ricks überleben konnten, aber es muss ja ganz gut funktioniert haben. Seitdem geht die Stadt den Bach runter, Tote stehen vor und hinter dem Zaun, die Hälfte der Bevölkerung dürfte hinüber sein und trotzdem feiert man Rick als käme er aus Nazareth.
Rick Grimes, der mit einem hirnrissigen Plan zwanzigtausend Beißer durch die Straßen treibt und sich dann wundert, wenn die plötzlich zu Besuch kommen. Rick Grimes, der sich gegenüber den Bewohnern von Alexandria Oberlehrerhaft aufspielt, als wäre an denen die Zombieapokalypse vorbeigegangen.

Belanglose, aber hochtrabende Dialoge

„Ich werde in die Stadt zurückgehen“
„Ich komme mit dir“
„Nein, diese Leute brauchen dich hier“
„Du hast alleine keine Chance“
„Aber du bist der Anführer denn sie brauchen“
„Es ist gefährlich“
„Nicht, wenn ich aufpasse“
….
Das kann ewig so weitergehen und auch wenn dieser Dialog erfunden war, ist die belanglose Wahrheit nicht weit entfernt.

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Mehrfrontenkampf

Nicht nur Glenn war einige Folgen lang verschwunden, man hat es sich inzwischen angewöhnt einen oder eine kleine Gruppe Protagonisten pro Folge in den Vordergrund zu stellen. Das wäre grundsätzlich OK, das war auch schon immer so, wird in dieser Staffel von THE WALKING DEAD aber immer extremer, denn das Schicksal der anderen Kollegen wird zeitweise völlig ausgeblendet.
Dagegen ist ebenfalls nichts zu sagen, wenn man als Beobachter davon ausgehen kann, dass man an der anderen Front nichts verpasst. Wenn man aber den armen Glenn 3 Folgen lang unter dem Müllcontailer liegen lässt, ohne wenigstens mal einen Blick zu riskieren ist das schwach.

Skurriles und Sinnloses

Ich weiß nicht, wie man diesen Programmpunkt sonst bezeichnen soll, aber denken wir mal an die Folge in der Daryl mit diesem Pärchen (das sich im Zweiminutentakt als Freund bzw. Feind outet) in dem Waldbrandgebiet unterwegs ist. Die drei werden von einer Gruppe Männer verfolgt, locken einen von ihnen in die Nähe eines -schlecht versteckten- Beißers, der den Gegner prompt beißt. Ein anderer Bösewicht kommt dazu, man beschließt den Arm abzuschlagen, diskutiert fröhlich über den Verbleib der nun nicht mehr gebrauchten Armbanduhr, säbelt den Unterarm runter und zieht seiner Wege als wäre nichts gewesen. Ob der nun einarmige wenigstens noch ein Pflaster auf seinen Stumpf bekommen hat oder abends schon wieder Volleyball spielen konnte, ist nicht überliefert, aber das war die unkomplizierteste Amputation, die es je gab.

Ein anderes Beispiel ist die Streiterei zwischen Morgan und Carol während die Herde Alexandria überrollt. Wenn man als kreativer Kopf einer Serie nicht genügend Spannung aus der Tatsache ziehen kann, dass tausende Zombies vor deiner Tür stehen, sondern banale Nebenkriegsschauplätze aufmachen muss, hat man jedenfalls seinen Job nicht getan.

the walking dead daryl

Möchtegernspannung

Ich will nicht behaupten gewußt zu haben, ob Glenn tot ist oder nicht, denn es wäre längst an der Zeit, dass mal wieder einer der großen Namen geht. Aber mit jeder Minute, die wir NICHT wussten was passierte, wurde die Sache klarer. Schlimmer noch, während wir vor den Bildschirmen auf eine Nachricht von Glenn hofften, waren wir so abgelenkt, dass wir nicht einmal merkten, dass uns TWD in der Zwischenzeit mit haarsträubenden Belanglosigkeiten fütterte.

Nervige Kinder

Kinder sind für diese Welt nicht gemacht, lasst sie zurück!
Wie viel Zeit habt ihr damit vergeudet in Staffel 2 Sophia zu suchen? Wie oft war Carl genau am falschen Ort?
Und nun Ron und Sam. Der eine verkriecht sich in seinem Zimmer, faselt von Monstern und wird – wenn man die letzte Szene richtig deutet – noch mächtig Ärger machen. Der andere braucht dringend einen Frisör und liefert sich mit Carl den am schlechtesten choreographierten Fistfight der TV-Geschichte. Ja, die beiden sind Halbwaise und die Mama schäkert mit dem Mörder ihres Vaters, das erklärt vielleicht die Auffälligkeiten, aber das ist nichts was ein Satz heißer Ohren nicht heilen kann. Reißt euch verdammt noch mal am Riemen!

Wiederholungen

Wir sind allmählich an dem Punkt, wo THE WALKING DEAD noch immer unterhält, aber nichts neues mehr bieten kann. Das wird spätestens dann deutlich, wenn sich unsere Helden in den letzten Minuten wie schon in Staffel 1 einen Beißer-Mantel bauen und durch die Reihen der untoten wandeln. Übrigens: Nicht etwa mit einer Waffe in der Hand (sicher ist sicher), sondern händchenhaltend.
OK, das ist nur eine Szene, aber symptomatisch für den Ablauf. Mit Überraschungen ist nicht mehr zu rechnen. Konflikte ergeben sich aus den Zombies, anderen Überlebenden und gruppeninternen Zwists. Alle Varianten wurden inzwischen unzählige Male durchgekaut.

 

Soweit zur Kritik. Damit wir uns nicht falsch verstehen, wenn es im Februar weitergeht, werde ich neugierig am Bildschirm hängen. Trotzdem wäre es schön, wenn vor allem die Autoren um Showrunner Scott Gimple ihren Job ordentlich machen würden.

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