Interview mit Dominik Hartl (ANGRIFF DER LEDERHOSENZOMBIES)

ANGRIFF DER LEDERHOSENZOMBIES klingt nicht nur nach Spaß, Dominik Hartls Film bietet auch genau das. Wir haben uns den jungen Regisseur geschnappt und nachgehakt, wie es zu der Zombie-Komödie kam und was sich in der österreichischen Szene tut…und der hat bereitwillig geantwortet.

Thrill & Kill: Dominik, wie und warum kommt man denn auf einen Namen wie ANGRIFF DER LEDERHOSENZOMBIES?

Dominik Hartl: Der Name war lustigerweise von Beginn an da, bevor es noch ein Buch gab. Wir haben mehrmals darüber diskutiert ihn zu ändern, aber er hat immer für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Das haben wir vor allem bei den ersten Clips gemerkt, die wir aus Promo-Zwecken schon Jahre vor dem eigentlichen Film auf Youtube veröffentlicht haben – die wurden ziemlich schnell viral. Wir mussten den Titel dann aber eine zeitlang doch ändern und zwar als wir in England den Hauptdarstellern gecastet haben. Die Casterin dort meinte, dass sie mit so einem trashigen Titel an keinem Agenten vorbei kommt, deshalb haben wir ihn für diese Zeit als „Alpine Zombie Project“ auf imdb gelistet.

T&K: Mir fällt auf, dass Österreichische Filme gerne die Herkunft betonen, statt so zu tun, als würden sie beispielsweise in den USA spielen. Im Horrorbereich denke ich da auch an die Kollegen Marvin Kren oder Andreas Prochaska.
„Lederhosenzombies“ klingt auch heimatverbunden. Denkt man über so etwas bewusst nach oder passiert es einfach?

Dominik Hartl: Ich glaube es ist ein bisschen von beidem. Ich finde es jedenfalls immer seltsam, wenn hiesige Filme versuchen ihre Herkunft zu verbergen, oder gar so tun als wäre man irgendwo in den USA. Damit verprellt man glaube ich sowohl das heimische wie auch das internationale Publikum. Ich denke, dass vor allem im Genre-Film, wo man ja ziemlich genau weiß was einen erwartet, so etwas wie Lokal-Kolorit viel dazu beitragen kann einen Film eigenständig und gerade auch für ein internationales Publikum interessant zu machen.
Mit Heimatverbundenheit hat das aber wenig zu tun – es geht mehr darum zu wissen wovon man erzählt und wie man die Charaktere richtig porträtiert, also letztendlich um so etwas wie Authentizität, wenn man in den eigenen Gefilden dreht.

T&K: Man hat den Eindruck, dass in Österreich generell eine höhere Bereitschaft da ist, in fantastisches Kino zu investieren als in Deutschland. Wie einfach ist es Leute aufzutreiben, die –wenn man imdb glauben kann – über 2,5 Mio € für einen Zombiefilm in die Hand nehmen?

Dominik Hartl: Die Zahl auf imdb stimmt tatsächlich und in Österreich wird zur Zeit sehr viel fantastisches Kino gefördert. Mein Eindruck ist, dass sich die Förderer breiter aufstellen wollen und merken, dass es sowohl von den Filmemachern wie auch vom Publikum immer mehr Nachfrage gibt.
Die Finanzierung hat aber trotzdem fast fünf Jahre gebraucht und war schlussendlich auch nur deshalb möglich, weil wir in Italien, in Südtirol, gedreht haben, wo es eine sehr hoch dotierte regionale Filmförderung gibt.

T&K: ANGRIFF DER LEDERHOSENZOMBIES enthält viele Outdoor-Szenen, die zudem im Schnee spielen. Ist das eine besondere Herausforderung?

Dominik Hartl: Der Drehblock am Jaufenpass, in über 2000m Seehöhe, war eine riesen Herausforderung. Wir haben dort vier Wochen lang außen gedreht, dreieinhalb Wochen davon in der Nacht! Das Wetter hat selten mitgespielt, wir hatten bis zu -20° Celsius und fast jede Nacht einen Schneesturm. Das war meine größte Angst, dass wir zu viel Schnee haben, und so ist es dann auch gekommen. Das wichtigste Utensil unseres Ausstattungs-Teams waren die Besen und Schaufeln. Sie mussten ständig das Set vom Schnee befreien – oft von einem Take zum Nächsten. In einer Nacht hatten wir so heftigen Schneefall und Wind, dass die Schauspieler die Augen nicht mehr öffnen konnten. Das war die einzige Nacht in der wir den Dreh auch kurz unterbrechen mussten. Wir konnten es uns nämlich nicht leisten nicht zu drehen.

T&K: Wenn ich mir deinen Lebenslauf anschaue, entdecke ich da neben Horror auch andere Genres. Dein erster Langfilm BEAUTIFIL GIRL ist als romatisches Drama deklariert und auch die vorangegangenen Shorts bieten etwas von allem. Wo fühlst du dich am wohlsten bzw. veränderst du je nach Genre deine Arbeitsweise?

Dominik Hartl: Meine persönlichen Lieblings-Genres sind Horror und Komödie – dort möchte ich auch richtig gut werden. BEAUTIFUL GIRL war eine Auftragsarbeit, die ich aber zu einem sehr persönlichen Projekt gemacht habe. Das war ein völlig gegenteiliges Arbeiten als bei den Lederhosenzombies, weil es viel nuancierter inszeniert werden musste und die Hauptdarstellerin war ein 15-jähriges Mädchen die natürlich kein Profi war. Das war ein sehr lehrreicher Dreh für mich und ich bin wahnsinnig froh, dass ich die Gelegenheit hatte zu zeigen, dass ich auch so einen Film machen kann – ansonsten wäre ich ja nur der Rabauke mit den Lederhosenzombies.
Insofern glaube ich, dass ich noch gar nicht so etwas wie eine spezielle Arbeitsweise habe – ich versuche mich auf jedes Projekt neu einzulassen und hoffe, dass ich die jeweiligen Erfahrungen gut im nächsten Film wieder einbauen kann.

T&K: Deinen Kurzfilm SPITZENDECKCHEN  (VIENNA WAITS FOR YOU) habe ich vor einigen Jahren zufällig gesehen und fand den aufgrund der Story ebenfalls wirklich gelungen. Ist daran zu denken, den irgendwann als Langfilm zu sehen?

Dominik Hartl: Das stand tatsächlich einmal im Raum, es gab sogar einen Produzenten der sich dafür interessiert hätte, aber weder ich noch die Autorin haben das weiter verfolgt. Wahrscheinlich waren wir schon in die nächsten Projekte verwickelt, als der Film rauskam. Mir geht es ja ehrlich gesagt immer so, dass  wenn ein Film endlich fertig ist, ich schon nur mehr an den nächsten denken möchte, damit ich all das was mir am vorherigen nicht gefallen hat besser machen kann.

T&K: Was steht als nächstes an?

Dominik Hartl: Ich drehe im Sommer einen Teen-Slasher. Wir schicken eine ganze Klasse auf Matura-Reise nach Kroatien. Das ist ein Riesending in Österreich: 30.000 Jugendliche fahren jeden Sommer nach der Matura (Abitur) in riesige Ressorts am Meer um eine Woche lang zu feiern bis der Arzt kommt. In unserem Film wartet dort aber ein Killer auf unsere Klasse. Es ist das perfekte Setting für so einen Film. Das wird aber auch eine ziemliche Herausforderung: es gibt ein riesen Ensemble an jungen Darstellern und wir drehen einen Großteil des Films während einer dieser Veranstaltungen, umgeben von tausenden betrunkenen 18jährigen…

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