Interview mit Hans Hernke von THE PERFECT HOUSE

Wenn Anfang Oktober 2011 THE PERFECT HOUSE veröffentlicht wird, ist nichts so wie es normalerweise ist.
Nicht nur, dass der Film gleich drei Geschichten enthält, entscheidend ist, dass er zunächst weder per DVD noch per Kino zu erscheint, sondern zunächst ausschließlich per Internet, genauer gesagt Facebook.
Das Review lest ihr hier noch vor der Start, aber zunächst haben wir Darsteller, Produzent und Regisseur Hans Hernke auf den Zahn gefühlt.

Mick: Hans, THE PERFECT HOUSE erscheint am 1. Oktober als der erste Film, der auf Facebooks Videoplattform gezeigt wird. Kannst du uns etwas mehr über die ganze Situation erzählen.
Was muss man tun um den Film zu sehen und was wird es kosten?<!

Hans:Als Facebook ankündigte eine Video-On-Demand-Plattform einzurichten, fand unser Haupt-Regisseur / Produzent Kris Hulbert sofort einen Weg um sie zu kontaktieren.
Der Besitzer von FlickLaunch, Craig Tanner und Kris hatten ein sehr gutes Gespräch und es wurde ein Deal geschlossen, dass THE PERFECT HOUSE der erste Indie-Film werden würde, der dort Premiere feiert und auch dort vertrieben wird. WELTWEIT!
Alles was man tun muss, ist auf die THE PERFECT HOUSE Fan-Seite oder die FlickLaunch-Seite zu gehen und den Film für 5 Dollar (ca. 3,50 €) zu schauen – 7 Tage lang. Wenn man das tut, zeigt man es auf seiner Facebook-Pinnwand und alle Freunde sehen, dass man  THE PERFECT HOUSE schaut. Wenn sich die Freunde ebenfalls dafür interessieren, können sie auf den Link klicken und ebenfalls den Film schauen. Wir hoffen, dass dadurch ein Domino-Effekt entsteht und der Einkommens-Strom konstant bleibt, wenn jemand den Film sieht.

Mick: Eine Sache, die mir auffiel, als ich den Film gesehen habe, war eine Menge Gewalt. In Deutschland beschweren sich die Fans immer wieder über stark geschnittene Filme. Wird THE PERFECT HOUSE Uncut sein?
Hans: Ja, hier und da kann der Film sehr intensiv und brutal sein. Macht euch keine Sorgen in Deutschland und anderen Teilen der Welt. THE PERFECT HOUSE kommt Uncut zu euch, wenn er am 1.10 auf Facebook erscheint. Ich bin sicher, die DVD-Veröffentlichung Anfang 2012 wird ebenfalls Uncut sein. (Hans‘ Optimismus in Ehren, aber leider wird dort die FSK noch ein Wort mitreden müssen – Anm. d. Verf.)
Es werden dort auch jede Menge Bonus-Features enthalten sein.

Mick: Der Film enthält 3 Kurzgeschichten, die alle innerhalb mehrere Jahrzehnte in diesem perfekten Haus spielen. Die Idee erinnerte mich an HAUS DER STUMMEN SCHREIE mit Demi Moore und Cher. Das war zwar kein Horrorfilm, aber hatte das Konzept irgendeinen Einfluss auf THE PERFECT HOUSE.
Hans: Gute Frage Mick. Der Demi Moore – Film hatte aber gar keinen Einfluss auf die Entstehung von THE PERFECT HOUSE. Im Grunde entstand er so, dass Kris, Randy [Kent], Andrea [Vahl] und ich uns das erste Mal trafen um einen Horror-Kurzfilm namens DINNER GUEST zu besprechen, der in diesem Haus spielen sollte. Randy hatte diese Idee:  „Was wenn es in diesem Haus noch weitere Geschichten zu erzählen gäbe?“ So entwickelten sich daraus die Geschichten dieses perfekten Hauses.

Mick: Worum geht es in den Geschichten? Was macht jede zu etwas Besonderem?
Hans: Die erste Geschichte handelt von einer Familie, die im Keller Schutz vor einem mächtigen Sturm sucht. Man lernt diese Charaktere und ihre Motive schnell kennen. Die Gewalt und Intensität dieser Geschichte geht zurück auf Hitchcocks Stil von Horrorfilmen.
Die zweite Geschichte handelt von John Doesy, der unschuldige Leute kidnapped und sie in Käfigen im Keller gefangenhält. Eines seiner Opfer, eine junge Frau ließ er 5 Jahre lang am Leben. Sie ist Zeuge der Folter und der Morde, die John Doesy an seinen Opfern ausübt. Eine Hintergrundstory wie John Doesy zu dieser sadistischen Person wurde, ist für ein Prequel geplant. Die Intensität und Brutalität der Story erinnern an die Horrorfilme der 70er und 80er, mit einer Portion schwarzem Humor.
Die letzte Geschichte beschäftigt sich mit einem älteren Mann, der eine Familie von nebenan zum Abendessen einlädt, aber mit anderen Plänen als einem guten Essen. Können einfache Dinge wie die vergessene Rückgabe eines Gartenwerkzeugs eine Person durchdrehen lassen…das findet man in dieser Geschichte heraus. Hier erinnern Intensität und Gewalt an aktuelle Horrorfilme. Die Geschichte gibt Vollgas und wird nicht langsamer.
Alle Geschichten sind verbunden mit einer „Immobilienstory“, in der ein junges Pärchen mit einer seltsamen Maklerin das Haus besichtigt, aber schnell den Schrecken erkennt, der von den früheren Besitzern ausgeübt wurde.

Mick: Auf imdb.com liest man, dass das Budget 150.000$ war. Was ist das Teuerste, wenn man einen Film wie THE PERFECT HOUSE dreht?
Hans: Unser Budget startete mit 5.000$ und wuchs ganz plötzlich an. Eigentlich wollten wir den ganzen Film in Los Angeles drehen, aber es war schwer dort einen geeigneten Keller und ein Haus zu finden, das dem Look und den Bedürfnissen dieser Produktion entsprachen. Kris Hubert entschloss sich den Film in Buffalo, NY im Haus seines Großvaters zu drehen (dem Haus, dass er ohnehin im Kopf hatte, als er das Drehbuch schrieb). Die Hauptdarsteller und -crew wurden von LA nach Buffalo geflogen, die restlichen Beteiligten waren alles talentierte Leute aus Buffalo. Das Budget wurde größer und größer, immer mehr Dinge kamen dazu, die das Budget vergrößerten. Ersparnisse, zweite Hypotheken und Kredite machten den Film möglich. Die Ausgaben während der Nach-Produktion wurden sehr teuer. Wir wollten einen echt guten Sound für den Film und fanden Digital Dreams in Burbank, Kalifornien.
Sie haben einen tollen Job mit dem Film abgeliefert und haben einen Dolby Surround Sound eingefügt. Das war teuer, aber jeden Penny wert. Die visuellen Effekte wurden von LIT Post in Hollywood gemacht. Das war ebenfalls eine teure Investition, um die VFX gut aussehen zu lassen.

Mick: Du bist nicht nur einer der Produzenten, sondern auch einer der Darsteller. Was noch?
Hans: Ich hatte einen Dreifach-Job. Viele von uns fuhren zweigleisig. Am Set war ich der 1. Regieassistent und Produzent. Während ich die Szenen für meinen Charakter filmte, gab ich diese Aufgaben an den zweiten Regieassistenen William Robertson weiter. Ich wollte meinem Charakter hundertprozentige Aufmerksamkeit zukommen lassen. Der Charakter des männlichen Opfers war eine emotionale und physische Achterbahnfahrt. Nachdem ich mit dem Dreh fertig war, wurde ich wieder zum 1. Regieassistenten und Produzenten um die Dinge in der Bahn zu halten.

Mick: Du spielst das männliche Opfer in der zweiten Episode und kriegst ziemlich in den Arsch getreten. Wie lustig war das?
Hans: Es war eine ziemlich fordernde Rolle, aber die Herausforderung war auch viel Spaß. Am Abend bevor wir die Folter-Szenen drehten, fragte mich mein Freund Randy Kent (Co-Regisseur und Produzent): „Morgen wird hart. Kommst du damit klar?“ Ich sagte: „Junge, ich bin dass alles im Kopf durchgegangen.“ Anfangs war ich mir nicht sicher, wie ich während der Folterszenen spielen würde. Ich war mir nicht sicher, ob ich auf Kommando weinen könnte. Als wir den Moment erreichten, stellte ich mir vor, es würde mir wirklich passieren und das war überwältigend. Tränen liefen mein Gesicht herunter, ich zitterte, schrie. Als wir den Take im Kasten hatten, wollte ich, dass wir weitermachen, während ich „es“ noch in mir habe, also drehten wir noch einen Take.
Manchmal wurde ich verletzt, ich wurde getreten, geschleppt, in einen Käfig geworfen, an den Haaren gezogen und zusammengeschlagen.
Ich konnte nur aus zwei winzigen Löchern durch die Spezialprothese um meine Augen herum sehen. (Hans werden im Film die Augenlider abgeschnitten – Anm. d. Verf.) Ich musste zwei Stunden früher aufstehen um mir diese  Prothesen auf jedes Auge aufsetzen zu lassen und um blutig und fertig auszusehen. Ich brauchte jemanden, der mich herumführte, damit ich nicht irgendwo dagegen lief. Es war echt schwer etwas zu sehen. Ehrlich, die ersten paar Male, als ich den Film und diese Folterszenen sah, saugte es mich zu dem Moment zurück, als wir filmten…mich fröstelt noch immer, wenn ich das sehe.

Mick: Du hast in vielen verschiedenen Rollen gespielt. Von Fernsehserien wie FRASIER bis ZOMBIE FARM. Ist THE PERFECT HOUSE nur ein weiteres Projekt oder bist du ein Horror-Fan?
Hans: Nun, ich habe einige Horrorfilme gedreht, wobei THE PERFECT HOUSE der größte davon ist. Ich bin ein Horrorfan, aber es muss gut sein um mich zu begeistern. Horror muss richtig gemacht sein, um mich mitzureissen. Es machte mir Spaß an anderen Horror – Projekten wie ZOMBIE FARM oder dem bald erscheinenden AARON’S HOUSE mit meinem Freund Brian Barsuglia, der in beiden dieser Filme Regie geführt hat, mitzuwirken. Ich denke ich will nicht der typische Horror-Darsteller bis ans Ende meines Lebens sein, aber wenn sich die Gelegenheit auf Arbeit bietet, warum nicht?
Ich mag auch Komödien, Dramen und manche Actionfilme und einige meiner Freunde betteln darum, dass der nächste Film ein „Chick-Flick“ wird, damit sie den statt eines blutigen Horrorfilms sehen können LOL.

Mick: Was sind deine Lieblingshorrorfilme?
Hans: SAW (nur der erste), HOSTEL und BRAINDEAD sind einige davon.

Mick: Letzte Frage: Dein Name klingt deutsch. Hast du deutsche Vorfahren?
Hans: Ja natürlich. Mein Großvater ist deutscher Abstammung. Ich war noch nie in Deutschland, würde das aber gerne eines Tages nachholen. Der Deutsche in mir mag eine Bratwurst und ein eiskaltes Bier!

Mick: Danke für das Interview!

If you prefer reading this interview in English, just follow this link!

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