Interview mit Timo Tjahjanto (KILLERS, V/H/S 2)

TimoTjahjanto

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Mit KILLERS haben die Mo Brothers, bestehend aus Kimo Stamboel und Timo Tjahjanto einen knallharten Thriller abgeliefert, dem man höchstens vorwerfen kann, dass er massiv gekürzt wurde.
Wir haben uns die Hälfte des Regie-Duos geschnappt und mit Timo über seine Arbeit, Zensur und seine Zeit in Deutschland gesprochen.

Thrill&Kill: Du hast es vor kurzem auf unsere Liste der vielversprechendsten Horror-Regisseure geschafft. Das ist zwar kaum ein wichtiger Award, aber bedeutet es dir etwas, wenn die Leute nicht nur deine Filme individuell sehen und mögen, sondern dein ganzes Schaffen wahrnehmen?

Timo Tjahjanto: Vielen Dank! Das bedeutet mir viel. Allerdings ist es mir lieber nicht als Horror-Regisseur, sondern als Filmemacher mit Liebe zum Horrorfilm definiert zu warden. Ich strebe immer danach auch andere Genres aufzugreifen. Ich finde in Filmen wie KEVIN ALLEIN ZU HAUS ebenso Inspiration wie in Ryu Murakamis TOKIO DEKADENZ.

Thrill & Kill: Du hast deine Spielfilmkarriere mit MACABRE gestartet, der eine Art Remake deines Kurzfilms DARA war. MACABRE hat mich wiederum etwas an den französischen INSIDE erinnert. Ist das reiner Zufall oder war es ein Look/Stil, der dir gefallen hat?

Timo Tjahjanto: Ich wurde das schon einige Male gefragt. Sobald wir mit DARA fertig waren, machten wir mit MACABRE weiter. Es war auf dem Screamfest 2007, als wir INSIDE zum ersten Mal sahen und wegen der Teile, die uns an unser eigenes Drehbuch erinnerten, über uns lachten. Aber um ehrlich zu sein: es ist, als würde man Brokkoli mit einem T-Bone-Steak vergleichen. INSIDE ist ein psychologischer Terror-Trip, wohingegen MACABRE eine Ode an den feuchten und schmierigen amerikanischen Slasher ist.

Ich persönlich halte INSIDE für den klar besseren Film…um Lichtjahre. [Julien] Maury und [Alexndre] Bustillo bleiben meine Helden. Ich war so happy, als ich hörte, dass sie HELLRAISER [das Remake] drehen sollen. Natürlich wurde dieser Traum sofort wieder zerstört.

Thrill & Kill: Als ich das erste Mal dein Segment von THE ABCS OF DEATH sah, wußte ich nicht, wer der Regisseur ist und dachte es ist der Beitrag von Srdjan Spasojevic (A SERBIAN FILM), wegen dem offensichtlich sexuellen Inhalt. Es stellte sich heraus, dass du auch ein ganz schön kranker Typ bist. Gibt es etwas (außer realer Gewalt), die du im Film nicht zeigen würdest?

Timo Tjahjanto: Es mag überraschen, aber bis zum heutigen Tage habe ich A SERBIAN FILM nicht gesehen und will keinen Scheiss erzählen, es ist weil mir erzählt wurde, dass darin ein Baby vergewaltigt wird. Ich habe kein Problem damit, aber ich habe einen Schwachpunkt wegen zweier Dinge in Filmen: Vergewaltigung und wenn Babys verletzt werden. Aus psychologischer Sicht, haut mich das um. Ich weiß noch, wie aufgebracht ich tagelang war, nachdem ich die Vergewaltigungsszene in IRREVERSIBLE gesehen habe.

irreversible

IRREVERSIBLE

Thrill&Kill: L IS FOR LIBIDO, ist in der deutschen FSK18-Version von THE ABCS OF DEATH verschwunden. Wegen der Zensur hat das Alphabet in Deutschland nur 22 Buchstaben übrig. MACABRE und SAFE HAVEN (Segment aus V/H/S 2), wurden auch stark geschnitten (und vermutlich auch anderenorts). Wie geht es dir damit?

Timo Tjahjanto: Ich denke, dass die deutsche Zensur eine lustige Sache ist. Ich weiß noch, als ich ein junger Bursche war (ich bin in Wilhelmshafen geboren) und durch die Bahnhofsgegend lief. Ich könnte mich täuschen, aber ich war ein 11 oder 12 Jahre altes Kind, das sich BDSM und Tierpornos ansehen konnte, die dort offen verkauft wurden (vielleicht war es ein Sexshop im Bahnhof). Auf jeden Fall wurde mir Sex in meiner Zeit in Deutschland geradezu hingeknallt.

Aber ich muss sagen, während man Schwänze und Vaginas in TV-Sendern wie dem ZDF sehen kann, wird nicht gezeigt, wie jemand der Kopf abgeschnitten wird und das ist eigentlich keine üble Sache.

Killers 2014 timo tjahjanto

KILLLERS

Thrill&Kill: Lass uns über deinen neuen Film KILLERS sprechen, der in Deutschland am 6. November erscheint. Anscheinend ist dies nicht der typische Horrorfilm, sondern eine ehe komplexe Geschichte über zwei Mörder in zwei unterschiedlichen Ländern. IMDB listet den Film unter den Genres Action, Drama und Krimi, aber ich schätze er wird ziemlich blutig. Ist das in Hinblick auf das Geschichtenerzählen der nächste Schritt in deiner Karriere.

Timo Tjahjanto: Wie gesagt, ich liebe alle möglichen Genres. Ich denke, dass KILLERS noch immer eine Menge Horror enthält, aber mit einer Mischung aus psychologischer Erkundungstour. Wenn Leute allerdings Action erwarten, könnten sie bitter enttäuscht werden.

Thrill&Kill: Wie bei anderen Projekten hast du das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Welcher Teil ist mehr Spaß für dich? Es in deiner Fantasie zu erschaffen oder es „physisch“ zu kreieren?

Timo Tjahjanto: Ich denke bis hierhin war meine Erfahrung befreiender, wenn es darum geht Material aufs Papier zu bringen, aber um ehrlich zu sein, das Schreiben ist ein sehr einsamer Prozess. Das Drehen ist lustig, aber die Realität ist, dass das was du schreibst, sich nicht immer sauber umsetzen lässt. Es ist alles eine Erfahrungsfrage und wenn sich beide Prozesse gut anfühlen und ineinandergreifen, ist dein Job beendet.

Thrill&Kill: Du hast dich mit Gareth Evans für SAFE HAVEN zusammengetan und du bist Teil der Mo Brothers, wobei Kimo Stamboel der andere Mo ist, mit dem du MACABRE und jetzt KILLERS gedreht hast. Was ist der Unterschied zwischen der Arbeit alleine und der Arbeit mit Gareth oder Kimo?

Timo Tjahjanto: Ich würde sagen, dass ich das Gaspedal bin, wohingegen Kimo die Bremse ist, die die Geschwindigkeit im Rahmen hält. Gareth ist der Turbo Boost.

s-vhs

SAFE HAVEN aus V/H/S 2

Thrill&Kill: Du bist ein ziemlich internationaler Typ. Gareth ist aus Wales, du lebst in den USA, aber bist aus Indonesien, KILLERS ist zur Hälfte japanisch. Wie beeinflusst das deine Filme? Und wann wirst du in Deutschland arbeiten?

Timo Tjahjanto: Inzwischen lebe ich in Jakarta , mit meiner Familie. Ich denke immer, dass meine Filme für jedermann gemacht werden sollen. Nicht durch Grenzen oder Sprachen beschränkt. Und ich würde vermutlich meine Seele an den Teufel verkaufen, um in Deutschland zu drehen.

Thrill&Kill: Ich hörte, dass du auch ein talentierter Maler bist. Ist das etwas, was du nur aus Spaß machst oder könnten wir eine Art Ausstellung oder ein Buch mit deinen Bildern erwarten?

Timo Tjahjanto: Vielleicht eines Tages, ich bin generell zu faul und undiszipliniert, um mich der Leinwand und dem Papier hinzugeben, aber ich spiele mit dieser Idee. Bis hierhin bewegt sich aber alles im Amateurbereich.

Thrill&Kill: Indonesien ist nicht gerade für seine Horrorfilme bekannt (zumindest nicht hier). Wie bist du ins Filmbusiness gerutscht und wie hast du deine Liebe für Horrorfilme und Thriller entdeckt?

Timo Tjahjanto: Ich bin nicht wirklich am indonesischen Markt oder daran was die Öffentlichkeit hier mag interessiert. Das führt zu meinem Standpunkt zurück, dass ich ein Filmemacher sein will, der Grenzen überschreitet. Ich wuchs auf mit Akira Kurosawa, Scorsese , Hitchcock, Leone und ähnlichen und keener von ihnen wurde durch sein Ursprungsland eingeschränkt.

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