Make Horror Evil Again

Wer ist eure liebste Horrorfigur?
Wenn ihr Jason Vorhees, Freddy Krueger oder Michael Myers sagt, ist damit nichts verkehrt, die Herren sind Ikonen. Vielleicht denkt ihr auch Alien oder Predator…fein.
Oder sind es relativ moderne Gestalten wie Jigsaw und Victor Crowley? Auch gut.

Mir ist weder daran gelegen eurer Lieblingsfigur noch eurem Geschmack auf die Füße zu treten, aber als ich anfing Horrorfilme zu sehen, war es mir wichtiger mir wegen des Bösewichts in die Hosen zu machen, statt mit ihm einen trinken zu gehen.
Jede Form der Unterhaltung hat ihre Berechtigung, so wie jedes Getränk seine Berechtigung hat, aber ein Schirmchen gehört auf einen Cocktail, nicht auf ein Bier.
Ebensowenig will ich ein Schirmchen auf Leatherface‘ Maske sehen.

Nach wie vor will ich mich gruseln oder angewidert abwenden, wenn der Fiesling Dinge auf der Leinwand tut, die einen Horrorfilm zum Horrorfilm machen.
Das ist teilweise gar nicht so leicht, weil einerseits die Guten, also jene Helden mit denen man im Optimalfall mitfiebert, gar nicht sympathisch wirken.
Uninteressante Dummköpfe, die sich im Film so unbeliebt machen, dass man ihnen ein „Das geschieht dir recht“ mit auf den Weg geben möchte, bevor das unsympathische Pack im Film in eine Kettensäge rennt oder ein Säurebad genießt.

Schicke Maske, Jason

Das führt dazu, dass man als Zuschauer die Fronten wechselt und sich gedanklich nachts aus der Waldhütte oder dem Folterkeller schleicht. Ohne Wehmut verabschieden wir uns von den Opfern, um uns den Tätern anzuschließen. Die haben zumindest eine klare Agenda: Schlachten! Nicht ohne Grund sind die bösen Figuren in Horrorfilmen meist bekannter als die Namen der Guten.

Aber da haben wir das zweite Problem. Viele der Bösewichter sind in die Jahre gekommen und sprechen lieber über die guten alten Zeiten, statt noch dahin zu gehen wo es wirklich weh tut.
Prominente Beispiele sind die Ausflüge von Mr. Vorhees nach New York und letztlich sogar ins Weltall wo ihm Blödmänner smarte Köpfe eine stylishe Maske verpassten, während Freddy Krüger zwischenzeitlich einen Comic-Freak zu Papierschnitzeln zerschneidet und auf einem Besen reiten musste.
Jigsaw hat hingegen in den späteren SAW-Teilen seine Masterarbeit in Maschinenbau geschrieben und verwendet ausschließlich Fallen die komplexer sind als ein Kernspintomograph.

Der unrühmliche Comic-Kill, nichts woraus Alpträume sind

Mitunter ist dabei durchaus eine (trashige) Kreativität zu finden, mit dem Ton der ersten Teile der Reihen hat es aber nur noch wenig gemein. Vielmehr fühlt man sich permanent an FINAL DESTINATION erinnert, wo alleine die Kreativität des Kills maßgebend ist.
Übrigens ist auch an FINAL DESTINATION nichts auszusetzen. Die Filme bieten gutes, blutiges Entertainment, wie es auch Horrorkomödien tun, aber die rohe Bedrohung, die dafür sorgt, dass der Bösewicht ein gewisses Unwohlsein entfacht, ist nicht zu finden.

Natürlich gibt es andere, seltenere Beispiele, wie z.B. den völlig humorfreien Eindringling aus HIGH TENSION oder den brutalen White Trash Kids aus EDEN LAKE und natürlich dem vieldiskutierten Kinderschänder aus A SERBIAN FILM.
Nicht jeder Film muss jedes Extrem ausloten, aber diese Typen sind deswegen abstoßend, weil sie ohne viel Aufsehens, ohne spaßige Oneliner, ohne Show real wirken.
Da muss man nicht einen Designer anheuern, der fancy Waffen entwickelt, die doch nur albern aussehen, wenn ein simpler Schraubenzieher, eine Stricknadel oder ein Glassplitter genauso üble Wunden verursachen.

Was soll der Scheiß?

Auch wenn zynische Aussagen von Anfang an Teil der NIGHTMARE ON ELM STREET – Reihe waren, wäre es nicht interessant einen noch finsteren Freddy kennenzulernen, ein echtes Arschloch, dessen Taten so furchtbar sind, dass wir unsere Freddy-Poster von den Wänden reißen? Ok, das Remake versuchte das, scheiterte aber an ganz anderer Stelle massiv.
Oder wie wäre es häufiger positive Protagonisten vorzufinden, denen man das Überleben wünscht, mit denen man mitleidet, statt ihren Tod herbeizusehnen (ich rede mit dir, Eli Roth)? Die vielleicht sogar einigermaßen vernünftige Entscheidungen treffen (niemand will sich in Gefahrensituationen trennen, NIEMAND)…

Der sickeste, härteste, brutalste, schockierendste Streifen der Welt wurde sicher schon gedreht, aber es gibt so viele gutgelaunte, spaßige, Tu-mir-nicht-weh-ich-tu-dir-nicht-weh-Filme, dass es schön wäre ab und an einen Horrorfilm zu sehen, den man liebt, weil man ihn hasst.

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