Missverständnisse im Horror

Die Geschichte  des Horrorfilms ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Wer wüsste das besser als Drew Barrymore in SCREAM, die der Ansicht war, dass Jason Vorhees all die Teenager in FREITAG, DER 13. umbrachte und für ihr Unwissen mit dem Leben zahlte.

Die Chancen stehen gut, dass es bei euch nicht so weit kommt, wir wollen trotzdem verhindern, dass ihr in der nächsten Diskussion einen Aussetzer habt und mit einigen populären Missverständnissen aufräumen, die sich um Horrorfilme und das Drumherum ranken.

TV-Sender kürzen wahllos alle Horrorfilme
Falsch. TV-Sender sind wie Händler an Gesetze gebunden. Zwar ist im Einzelfall nicht auszuschließen, dass ein Sender eine ohnehin gekürzte Fassung laufen lässt, z.B. weil es ganz gut in den Programmablauf passt, aber schon der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass Pro 7, Tele5 und Konsorten kein persönliches Interesse an Zensurmaßnahmen haben.
Fakt ist, dass vor 20 Uhr keine Filme ab FSK12, vor 22 Uhr keine mit FSK 16 und vor 23 Uhr keine ab 18 Filme laufen dürfen….außer sie werden gekürzt.
Im Umkehrschluss bedeutet es aber auch, dass es keinen Grund gibt, einen „ab 18“-Streifen nach 23 Uhr zu schneiden.

Das ist Cutter, der Typ, der alle eure Lieblingsfilme im TV kürzt…einfach weil er Lust dazu hat

Schauspieler und Regisseure sind steinreich und ihr Leben besteht aus Glamour.
Wenn du George Clooney oder „The Rock“ Johnson bist, stimmt das und sicher kann man auch in der deutschen A-Riege ganz gut verdienen. Aber so wie nicht jeder Fussballspieler das Gehalt eines Ronaldo einstreicht, hat auch nicht jeder Kreisklassen-Schauspieler einen Geldspeicher. Angeblich können nur 2% aller Schauspieler vom Schauspiel leben.
Wer im Indie-Bereich unterwegs ist, hat es da noch deutlich schwerer und gerade Horrorfilme sind ohnehin selten Big Budget – Werke.
Es wird teilweise ohne Gage gearbeitet, und auch wenn manche vermeintlich etablierte „Stars“ so tun als wäre der nächste Stern auf dem Walk auf Fame für sie reserviert, leben sie im fortgeschrittenen Alter noch in Muttis Hinterzimmer, gehen normalen Jobs nach oder sind auf Hartz 4 angewiesen. Das spricht auf der anderen Seite zwar für viel Idealismus, aber eben leider nicht für Glamour.

Quelle: cameronstiehl.com

BLAIR WITCH ist das Remake zu BLAIR WITCH PROJECT
Es gab nie ein Remake von BLAIR WITCH PROJECT und es ist auch keins geplant. Nach BLAIR WITCH PROJECT aus dem Jahr 1999 folgte nur ein Jahr später BLAIR WITCH 2 und 2016 BLAIR WITCH.
Nicht nur die Nummerierung kann verwirren. Da in BLAIR WITCH noch mal die Hintergründe der Hexe für alle die aufgezählt werden,  die das Original nicht kennen und man ansonsten auch nicht gerade mit frischen Ideen glänzt, liegt der Verdacht nahe, dass dies eine reine Neuverfilmung ist.
Andererseits wird im Film klargestellt, dass die Hauptfigur seine Schwester sucht, die vor 20 Jahren verschwand, nämlich in BLAIR WITCH PROJECT.
Der eigentliche zweite Teil, also BLAIR WITCH 2, wird dabei ausgespart.

Es existieren verbotene Filme!
Vereinfacht gesagt: falsch. Zumindest nicht, wenn wir über gewöhnliche Horrorfilme (und nicht etwa Kinderpornos) sprechen. Das schlimmste was einem Film passieren kann, ist in der Regel eine Beschlagnahmung und diese bedeutet, dass der Film nicht mehr verkauft werden darf. Wer ein Exemplar zuhause hat, darf das aber behalten und auch weiterhin im privaten Kreise ansehen.

Tanz der Teufel thrillandkill.com (3)

Nie „verboten“, aber lange „beschlagnahmt“, inzwischen „ab 16“: TANZ DER TEUFEL


Es gibt ein Remake zu CARRIE
Stimmt, aber es gibt mehr als ein Remake. Nach Sissy Spacek (1976) spielte nicht nur Chloe Grace Moretz 2013 die ungewöhnliche Außenseiterin, oft vergessen wird hingegen, dass bereits 2002 auch Angela Bettis in diese Rolle schlüpfte.

Kinder in Horrorfilmen müssen  sich am Set zu Tode ängstigen
Im Einzelfall ist das natürlich nicht auszuschließen und im Making of von BRAM STOKER’S DRACULA ist ein kleines Mädchen zu sehen, das große Angst vor den Vampirzähnen hatte. Man sollte aber nicht vergessen, dass das was wir zu Hause oder im Kino sehen nicht mit einem Filmset zu vergleichen ist. Dort gibt es meine Spannungsmusik, man sieht wie dem Monster die Maske angelegt wird (sofern es dank Computertechnik überhaupt ein Monster gibt) oder die Szenen von Kind und Killer werden separat gedreht und erst beim Schneiden zusammengefügt.
Wahr ist hingegen, dass auch Kinderdarsteller erst erwachsen werden müssen, um ihre fertigen Filme legal sehen zu dürfen.

THE THING – Remakes, Sequels und Prequels
Mehr als ein paar Mal wurde der Film THE THING von 2011 als Fortsetzung oder Remake des Kultklassikers DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (der zu allem Überfluß im Original ebenfalls THE THING heißt) von 1982 bezeichnet. Der ist allerdings selbst das Remake eines Films von 1951, der wiederum in Deutschland als DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT und im Original als THE THING FROM ANOTHER WORLD lief. Wo ist hierbei also der Film von 2011 einzuordnen? Letztlich ganz einfach, er erzählt  die Vorgeschichte zu John Carpenters Film von 82.

51 = Original, 82 = Remake, 11 = Prequel zum Remake

THE CLOWN ist von Eli Roth
Ebenfalls oft behauptet, ebenfalls falsch: Ja, Roth war Produzent, aber eben nicht Regisseur. Dass das Filmcover etwas anderes suggeriert ist ein gängiger Schwindel, der z.B. auch für MICHAEL BAY‘S TEXAS CHAINSAW MASSACRE (Regisseur Marcus Nispel) und ALEXANDRE AJAS MANIAC (Regisseur Franck Khalfoun) angewandt wurde.

CLOWN – Regie: Jon Watts

Dass Stars auf Conventions Geld für Autogramme und Fotos nehmen ist Abzocke
Man kann sicher darüber streiten, ob man als Fan Geld für ein Autogramm ausgeben will, denn mal ehrlich, es ist nichts anderes als käufliche Liebe. Allerdings sollte man nicht glauben, dass Robert Englund, Danielle Harris oder Tony Todd aus purem Spaß nach Europa reisen, um euch die Hand zu schütteln. Sie tun es für Geld und egal welcher Veranstalter ihnen Gage, Flug und Luxushotel zahlt, will auch nichts drauflegen.
Da mag es überzogen wirken, dass man neben dem Eintritt noch 20-50€ für ein Autogramm hinlegt und für ein gemeinsames Foto gerne noch mal das Gleiche, man sollte aber auch berücksichtigen, dass ein Erste-Klasse-Flug (oft mit Begleitung), ein gutes Hotelzimmer und eine mindestens vierstellige Garantie auch erst mal bezahlt werden wollen.

Die Veranstalter von Cons können nichts dafür, wenn Stars absagen
Bleiben wir noch einen Moment bei den Conventions: Während einige Fans überkritisch sind, flehen andere förmlich danach, dass ihnen windige Geschäftemacher das Geld aus der Tasche ziehen. Da wird der Veranstalter auch dann noch in Schutz genommen, wenn die Hälfte der versprochenen Stars absagt und durch billigere Gäste ersetzt wird.
Ja, Absagen können im Einzelfall vorkommen, seriöse Veranstalter schaffen es aber die allermeisten ihrer Stargäste vor Ort zu bringen.

…und wie war das nun mit Jason Vorhees?
Nur für den Fall, dass ihr SCREAM verpasst habt und bei der Vielzahl der FREITAG, DER 13. – Filme durcheinanderkommt: In Teil 1 der Reihe, hat Jason nur einen Miniauftritt. Die Mehrzahl der Morde gehen aufs Konto seiner Mutter Pamela.

friday the 13th horrorfilme

Pamela Vorhees


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