Buch-Review: Der Augensammler (Sebastian Fitzek)

der augensammler
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Redaktion: 7

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6.7/10 (14)

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Es ist ja oft schon schwer einen Film einem Genre zuzuordnen, doch bei Büchern, wo die Worte nur durch unsere eigene Fantasie ein Bild entstehen lassen ist es oft noch komplizierter. Man mag also darüber streiten, ob ein Buch über einen ehemaligen Polizisten, der ein Katz- und Maus – Spiel mit einem Serienmörder spielt „nur“ ein Krimi oder „nur“ ein Thriller ist oder ob das Hinzufügen von übernatürlichen Elementen den Stoff zu Mystery oder Horror werden lassen. Im Grunde sind diese Kategorien natürlich auch nur Worte, derer Leute wie wir uns bedienen, um den vorliegenden Stoff möglichst einfach zu beschreiben.
Die düstere, kalte und harte Ausrichtung von Sebastian Fitzeks  6. Roman lässt jedenfalls keinen Zweifel daran, dass man hier richtig ist.

Der frühere Polizist Alexander Zorbach arbeitet jetzt als Reporter in Berlin, wo ein Serienmörder sein Unwesen treibt. DER AUGENSAMMLER entführt Kinder, tötet ihre Mütter und gibt den Vätern rund 2 Tage Zeit das Kind zu finden, bevor es stirbt.
Da der Mörder gerne spielt, nimmt er über Umwege Kontakt mit Zorbach auf und rückt diesen damit selbst ins Fadenkreuz der Polizei. Als dann noch das blinde Medium Alina Gregoriev beim Reporter meldet und nicht nur behauptet, sie habe den Augensammler getroffen, sondern durch Berührung in dessen Vergangenheit blicken können, verfängt sich Zorbach immer mehr in das Spiel des Mörders.

Fitzek tut hier das, was auch seine anderen Bücher auszeichnet. Sein Stil ist nicht verkopft, sondern vergleichsweise simpel, dabei aber nicht flach. Die Figuren haben genügend Tiefe, aber (unnötige) Details werden ausgespart. Er hält das Tempo hoch und der Stoff lässt vor dem inneren Auge schnell Bilder  entstehen und würde sich wohl auch als Film gut machen.
Hätten wir es tatsächlich mit einem Film zu tun, würde das ein oder andere Loch in der Logik sicher weniger auffallen, doch so bleibt man dann doch auf manchen Seiten hängen und legt verwundert die Stirn in Falten.

Zufall oder nicht, der Charakter der Alina Gregoriev erinnert an Lisbeth Salander aus Stieg Larssons Romanen. Sehr eigenständig ist hingegen die Darstellung ihrer Blindheit, bei der Fitzek – wie er im Nachwort betont – versuchte alle üblichen Klischees zu umwandern.
Der Augensammler hingegen könnte ein Bruder Jigsaws sein, denn beide lieben Spiele, Fallen und gehen mit einer gewissen Moral zu Werke.

Da die Protagonisten auf der Suche nach den gekidnappten Kindern einem Countdown unterliegen, ist im Buch auch die Nummerierung der Kapitel in umgekehrter Reihenfolge gehalten. Eigentlich nur ein kleines Detail, das aber beim Leser den Eindruck verstärkt, dass den Helden die Zeit zwischen den Fingern verrinnt, denn wenn die Kapitelzahl bei null angekommen ist, wird es keine Rettung mehr geben.

Potentielle Käufer sollten aufgrund Verwechslungsgefahr vorsichtig sein, denn neben DER AUGENSAMMLER schrieb der Autor inzwischen auch die Fortsetzung DER AUGENJÄGER. Bekannte Figuren aus früheren Fitzek-Büchern finden sich als Randbemerkung übrigens auch in DER AUGENSAMMLER wieder.

Fazit: DER AUGENSAMMLER ist trotz einiger Schwächen im besten Sinne kurzweilig und hält am Ende eine nette Überraschung bereit. Filmemacher sollten darüber nachdenken sich den Stoff zu sichern, es würde sich anbieten.

Bewertung: 7 von 10

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