Buch-Review: KÜHE

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Redaktion: 4,5

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5/10 (1)

Länge: 256 Seiten
Freigabe: ab 18
Veröffentlichung: 13.04.2017
Verleih/ Vertrieb: Festa-Verlag
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„Ein blutgetränkter Alptraum. Aber auch ein Meisterwerk der Literatur.“ So steht es auf dem Klappentext von KÜHE. Das 1997 veröffentlichte Buch gilt als Kult-Klassiker des Urban Horror, das extremste Buch, das je geschrieben wurde und AMERICAN PSYCHO soll dagegen Kinderkram sein. Das Erstlingswerk von Matthew Stokoe wird mit großen Worten angekündingt. Der FESTA-VERLAG hat das Buch in seine Must Read-Reihe aufgenommen und es ist ab einem Alter von 18 zu haben.

Inhalt von KÜHE

Steven führt ein erbärmliches Leben. Von seiner lieblosen Mutter, liebevoll stets „Muttertier“ genannt, und Angst vor der Welt außerhalb der verdreckten Wohnung geplagt, vegetiert er vor sich hin und träumt von einem besseren Leben. Zu diesem besseren Leben soll der Job in einem Schlachthaus führen. Durch den Vorarbeiter Cripps lernt Steven, dass das Töten von Kühen zur Erfüllung führen soll, bis er von einem Bullen angesprochen und um Hilfe gebeten wird.

Resümee zu KÜHE

KÜHE ist definitiv ein ekliges Buch. Es wird Scheiße gefressen, sinnlos gemetzelt und es gibt einen beträchtlichen Anteil an Sodomie – zum einen missbrauchen die Schlächter die Kühe, zum anderen bieten sie es später freiwillig an. Das Werk von Stokoe ist keinesfalls für Menschen, die einen empfindlichen Magen haben oder durch derartige Themen verstört werden. In der Hinsicht untertreibt der Klappentext auf keinen Fall.

Laut Klappentext soll KÜHE jedoch ebenfalls ein Meisterwerk der Literatur sein. Nach diesem Meisterwerk sucht man leider vergebens. KÜHE ist eine einfache Aneinanderreihung von Widerwärtigkeiten, die irgendwann in eine übernatürliche Richtung abdriftet. Der Schreibstil von Stokoe wirkt manchmal sehr unbeholfen, was aber möglicherweise auch an der Übersetzung liegen mag. Die Sprache ist sehr ordinär, es wird ständig von Fotzen, Schwänzen und Scheiße gesprochen. Unter einem „Meisterwerk der Literatur“ stellt man sich ein wenig ausgefeilte Sprache vor und nicht eine, die einem immer wieder mit einem Baseballschläger auf den Kopf schlägt.

Die Charaktere in KÜHE sind (beinahe) allesamt unsympathisch und handeln nicht nachvollziehbar. Es ist sehr wenig über ihre Hintergründe bekannt, was ein wenig frustrierend ist. Sicherlich wäre es hilfreich gewesen, hätte Stokoe beispielsweise die Geschichte erzählt, weshalb Stevens Mutter eine so bösartige Person ist. Da es diese nicht gibt, wirkt sie wie eine flache Schablone einer bösen Person, die aus unbekannten Gründen handelt wie sie handelt. Die Charaktere sollen wahrscheinlich nicht sympathisch sein, eben weil das Buch die Abgründe der Menschen zeigen will, aber leider führt dies auch dazu, dass einem die Schicksale und Handlungen von ihnen relativ egal sind. Man liest, hofft auf irgendeine Erklärung und schüttelt dann doch nur wieder den Kopf, weil diese Erklärung ausbleibt und es einfach weiter nur sinnlose eklige Szenen sind.

Steven, der Protagonist, bleibt weitgehend ein Rätsel. Er will das Leben, was die Menschen im Fernsehen führen und versucht deswegen aus dem Gefängnis seiner Mutter auszubrechen. Dabei gerät er in einen Strudel von Gewalt, den er zuerst zwar irgendwie widerlich findet, später aber geradezu zelebriert. Als Lesender fragt man sich, warum er das ganze mitmacht und nicht einmal wirklich hinterfragt. Wieso er alles glaubt, was ihm irgendjemand erzählt. Und weshalb er sich nicht einmal wundert, wenn ein Bulle beginnt mit ihm zu sprechen. Steven nimmt alles als gegeben hin und da macht ihn als Protagonisten recht langweilig. Im Grunde ist es einem egal was mit ihm passiert.

In KÜHE gibt es viel sexualisierte Gewalt. Ständig landet irgendein Penis in einem Körper, ohne dass Person (oder Tier) gefragt wurden. Gerade bei den Personen wird das alles mit einer Selbstverständlichkeit geschrieben, als ob das kein Problem sei. Steven wundert sich nicht, dass auf einmal der Penis seines Vorarbeiters in ihm steckt. Er nimmt das hin. Und so nimmt es auch seine „Freundin“ Lucy hin, dass er auf einmal in sie eindringt, während sie mit einer Darmspiegelung bei sich selbst beschäftigt ist.

KÜHE möchte ein cleveres Buch sein, dass das Machtstreben von Menschen kritisiert. Im Grunde ist es leider nur ein Buch, dass viele eklige und brutale Dinge beschreibt und dabei irgendwann mehr oder weniger langweilig wird. KÜHE hat seine Fans und wenn man Spaß an sehr widerlichen und (sinnlos) gewalthaltigen Szenen hat, wird man Spaß an KÜHE haben. Allerdings fehlt dem Buch die bissige Satire, die beispielsweise in AMERICAN PSYCHO zu finden ist.

Eine Leseprobe gibt es hier: Leseprobe KÜHE

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