Classic-Review: DIE NACHT DES JÄGERS (1955)

Die Nacht des Jägers (1)
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8

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6.4/10 (10)

Darsteller: Robert Mitchum, Shelley Winters, Lillian Gish, Evelyn Varden
Regie: Charles Laughton
Drehbuch: James Agee
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Der zweifache Mörder Ben Harper hat 10.000$ erbeutet und während ihm die Polizei auf den Fersen ist, versteckt er das Geld in der Puppe seiner Tochter und erzählt nur seinen Kindern von dem Versteck.
Vor seiner Hinrichtung teilt sich Harper die Gefängniszelle mit dem religiösen Fanatiker Harry Powell, der wegen Autodiebstahls sitzt. Powell erfährt von dem Geld, nicht aber dem Versteck, was ihm aber ausreicht um sich nach seiner eigenen Entlassung an Harpers Witwe heranzumachen. Die verfällt ihm ihm auch rasch. Doch die gutgläubige Frau schwebt wie auch die Kinder in größter Gefahr.

Die Nacht des Jägers (1)

Alleine die vergleichsweise lächerliche Summe von 10.000$ zeigt, wie viele Jahre DIE NACHT DES JÄGERS bereits auf dem Buckel hat. Natürlich sind es nicht nur Geldbeträge, zu denen man inzwischen ein anderes Verhältnis hat, auch die Filmbranche und Sehgewohnheiten haben sich seither mehr als einmal gewandelt.
Da mag es manch einem Zuschauer schon negativ auffallen, dass der Film noch in schwarz-weiß ist, was aber an vielen Stellen effektiv genutzt wird oder dass man natürlich noch andere Ideen in Bezug auf Sex und Gewalt hatte.
Dabei ist beides reichlich geboten, wird aber entweder nur angedeutet oder metaphorisch dargestellt. Wenn dem unheimlichen Prediger beim Anblick einer Tänzerin das Messer in der Hose aufklappt, braucht es gar nicht so viel Fantasie um verstehen, was uns der Film sagen will.

Die Nacht des Jägers (1)

Seiner Zeit war der Film 1955 offenbar voraus, denn ein kommerzieller Erfolg war er damals nicht und nicht wenige Zuschauer sollen die Kinovorstellungen einfach verlassen haben.
Nun, die im gleichen Jahr erschienenen Filme DIE MÄDCHEN VOM IMMENHOF, SISSI, aber auch DAS GRAUEN AUS DER TIEFE sind natürlich leichter zu verdauen, doch auch heute ist DIE NACHT DES JÄGERS kein Streifen, den man nebenbei sehen sollte.

Die Luftaufnahmen aus einem wackligen Helikopter mögen alles andere als technisch perfekt wirken, wenn der Prediger die beiden Kinder nach dem Geldversteck befragt und dabei die Puppe direkt vor der Nase hat, ist aber Spannung garantiert.

Die Nacht des Jägers (1)

Zur vollen Entfaltung kommt der Film aber vor allem dann, wenn er ins Surreale abdriftet und zum alptraumhaften Märchen / märchenhaften Apltraum wird. Wenn Powell in einer Dachkammer zum Mörder wird, erinnern die kontrastreichen Bilder nicht nur an deutsche Stummfilmklassiker der 20er und 30er sondern lassen zweifelsohne auch modernen Ästheten wie Tim Burton das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Für Charles Laughton, selbst Schauspieler, war der Film die einzige Regiearbeit, was sicher auch mit den harten Urteilen der Kritiker zu tun hatte, die erst viel später Zugang zu seinem Werk fanden. Auch Größen wie David Lynch, die Coen-Brüder und Rob Zombie sollen von dem Film, der auf dem gleichnamigen Buch von David Grubb beruht, beeinflusst worden sein.

Hauptdarsteller Robert Mitchum ist ein weiterer Grund DIE NACHT DES JÄGERS zu sehen. Auch wenn seine Figur Harry Powell entfernt an den Max Cady aus EIN KÖDER FÜR DIE BESTIE (CAPE FEAR) erinnert, weiß Mitchum zu beeindrucken. Angeblich soll er sich so sehr mit seiner Figur identifiziert haben, dass es lange dauerte, bis er selbst bereit war, über den Film zu reden.

Nein, die NACHT DES JÄGERS war, ist und bleibt nicht everybody’s darling, dafür aber ein ungewöhnliches Kinoereignis.

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