Classic-Review: DER EXORZIST (1973)

Der Exorzist
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Redaktion: 10.0

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9.7/10 (18)

Darsteller: Ellen Burstyn, Max von Sydow, Jason Miller, Linda Blair
Regie: William Friedkin
Drehbuch: William Peter Blatty
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Vor kurzem landete DER EXORZIST in unserer Aufstellung der besten Filme der 70er auf Platz 1. Zweifelsohne mag man darüber diskutieren, ob die Pole Position angemessen ist oder doch „nur“ Platz 2 oder 3, dass der Streifen aber zu den Klassikern schlechthin gehört, ist unumstößlich.

Nun wird der Begriff „Klassiker“ mitunter mit dem leisen Grusel alter Schwarzweißfilme in Verbindung gebracht; eine Assoziation, die bei DER EXORZIST nicht angebracht wäre, denn auch nach 40 Jahren wirken nur Frisuren und Tapeten im Film altmodisch, der Schrecken ist modern wie eh und je.

Der Exorzist

Dabei beginnt die Handlung ohne viel Horror bei archäologischen Ausgrabungen im Irak, doch schon hier wird Atmosphäre aufgebaut. Auch die Vorgeschichte von Vater Damien Karras, dessen Mutter verstirbt, trägt scheinbar wenig zu dem bei was der 12-jährigen Regan widerfährt. Das aufgeweckte Mädchen, ist die Tochter einer bekannten Schauspielerin und verhält sich zunehmend merkwürdig, gebraucht Obszönitäten oder uriniert während einer Dinner-Party auf den Teppich. Ihre Mutter bringt sie zu verschiedenen Ärzten, die ihr aber nicht helfen können. Im Gegenteil, ihr Zustand verschlimmert sich und schließlich scheint es, als könne nur ein Exorzismus sie retten.

Der Exorzist

Wenn William Peter Blatty, von dem Drehbuch und Romanvorlage stammen, und Regisseur William Friedkin das Feuer unter dem Kessel schüren, scheint es lange als könne man die Hitze aushalten…nur um plötzlich zu bemerken, dass man seit Minuten in Flammen steht.
So wirken Regans Probleme anfangs wie die normalen Sorgen eines heranwachsenden Scheidungskindes, zumindest aber wissenschaftlich erklärbar und selbst als sich ihr Bett von alleine bewegt, scheinen die paranormalen Ereignisse für sie (und uns) erträglich. Ganz sicher rechnen wir nicht mit einem Kind, das mit einem Kruzifix masturbiert oder in seinem eigenen Erbrochenen ans Bett gefesselt ist, während es sich innerlich wie äußerlich in einen grotesken Dämon verwandelt.

Im Film kommen einige wahrlich absurde Effekte zum Einsatz, doch neben den sich verdrehenden Gliedmaßen oder dem berühmten „Spiderwalk“ sind es oft Details, die den Zuschauer packen. Die Stimme von Karras verstorbener Mutter etwa oder das Gesicht eines Dämons, das einen Lidschlag lange im Bild zu sehen ist.
Natürlich spielt auch der Schauplatz eine Rolle. Das Böse treibt sich nicht auf den Straßen herum, sondern dorthin, wo wir uns sicher fühlen wollen: in unser Haus, unser Kinderzimmer, ja sogar ins Bett und die Kinder selbst.
Der ein oder andere kann darin gerne eine Metapher auf die rebellische Jugendkultur seiner Zeit sehen.

Der Exorzist

Das Kinopublikum wusste das Gezeigte sicher zu „schätzen“. Von Ohnmächtigen, die sich beim Sturz den Kiefer brechen und Frühgeburten ist die Rede und wenn man sieht wie effektiv der Film heute noch funktioniert, kann man nur erahnen, wie er 1973 von unbedarften Besuchern aufgenommen wurde, die Begriffe wie Torture Porn oder Slasher noch nicht einmal erahnten.
Linda Blair, die Regan spielte, wurde von ein paar Bekloppten sogar mit Morddrohungen überschüttet, weil der Film angeblich den Teufel glorifiziere. Das Gegenteil ist wohl eher der Fall. So mag man Regans Besessenheit auf den Umgang mit einem Ouija-Brett zurückführen und dies als Warnung an die Zuschauer deuten, sich von damals populären okkulten Spielchen fernzuhalten.
Die Helden des Films sind zudem Männer der Kirche, auch wenn Vater Karras gerade durch die Existenz des Bösen seinen Glauben an Gott wiederfindet.

Allerdings waren extreme Zuschauerreaktionen schon immer gute Werbung für Horrorfilme und weltweit spielte der Film über die Jahre weit mehr als 400 Mio $ ein, bei einem Budget von ca. 10 Mio. Für dieses Geld konnte man auch eine professionelle Crew anheuern, die nicht nur die breite Masse überzeugte, sondern auch dafür sorgte, dass DER EXORZIST für 10 Oscars nominiert wurde und immerhin 2 davon gewann.

Inwieweit der Film bzw. Blattys ebenfalls sehr empfehlenswerte gleichnamige Romanvorlage auf Tatsachen beruht ist natürlich schwer zu sagen. Die Basis bildete jedenfalls ein Exorzismus an einem 14-jährigen Jungen in Maryland im Jahre 1949.

Fazit: Auch wenn einige der zahlreichen Exorzistenfilme, die in der Zwischenzeit entstanden, durchaus unterhaltsam sind, braucht man im Grunde nur DER EXORZIST.
Einer der angsteinflößendsten Filme aller Zeiten.

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