Review: SCHNEEFLÖCKCHEN (2017)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 9.5

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9/10 (2)

Darsteller: Reza Brojerdi, Erkan Acar, Alexander Wolf
Regie: Adolfo J. Kolmerer, William James
Drehbuch: Arend Remmers
Länge: 116 min
Land:
Genre: , , ,
Veröffentlichung: 23. November 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Capelight Pictures
FSK: ab 16

Manche Filme beschreibt man mit zwei Sätzen, für SCHNEEFLÖCKCHEN reicht dieses komplette Review aber nicht aus. Das sollte euch nicht davon abhalten, weiterzulesen und einen groben Eindruck zu gewinnen, am Ende wird aber die komplette Sichtung nötig werden, um dieses ungewöhnliche Werk in Gänze zu erfassen.

In einem Berlin der nicht allzu entfernten Zukunft finden die gewaltbereiten Tan und Javid ein Drehbuch, in dem sie sich selbst wiederentdecken. Jedes Wort und alles was sie tun, steht dort beschrieben. Andererseits lässt sich auf den folgenden Seiten ein Blick auf kommende Ereignisse werfen.
Nach einer anfänglichen Ungläubigkeit machen sich die beiden auf die Suche nach dem Autor. Allerdings ahnen sie dabei noch nicht, dass sie selbst gesucht werden. Zwar ist die Polizei in der Zukunft nicht mehr relevant, aber verschiedene Auftrags-Killer sollen dafür sorgen, dass eine junge Frau Rache nehmen kann….und dann ist da noch Gott.


Schon verwirrt? Das ist nicht nötig. Zwar ist SCHNEEFLÖCKCHEN ein Wanderer zwischen verschiedenen Genres und es dauert auch eine Weile, bis sich abschätzen lässt, worauf der Spaß hinausläuft, allerdings bleibt die Geschichte stets nachvollziehbar und das obwohl die Story nicht immer linear erzählt wird und der zusätzliche Wahnsinn, der mit dem Drehbuch einhergeht, das stellenweise einer selbsterfüllenden Prophezeiung gleichkommt, für einen Mindfuck sorgt.

Anders ausgedrückt, SCHNEEFLÖCKCHEN enthält Anleihen von PULP FICTION und DIE UNENDLICHE GESCHICHTE und diese Mischung muss man erst mal innerlich verarbeiten.
Da sind einerseits die bewaffneten Typen, die ein Blutbad in einer Dönerbude veranstalten und die erwähnten Zeitsprünge, andererseits das fantastische, fast märchenhafte Element des (Dreh-)Buchs, das sich von alleine zu schreiben scheint, aber eben doch von einem Autor aus dem Off gesteuert wird.

Damit nicht genug, lernen wir einen älteren britischen Herren kennen, der sich für Gott hält (oder ist er es?), polnische Serienmörder, einen elektrisierenden Superhelden, eine Naziorganisation, blinde Auftragskiller und einen Engel namens Schneeflöckchen.
Ja, das ist so abgefahren wie es klingt, aber auch hier gilt festzuhalten, dass sich das Werk nicht in surrealen Momenten verliert, sondern immer nach vorne geht, Figuren enthält, die selten reinen Gewissens, aber doch oft sympathisch sind; coole Action und skurrilen Humor nutzt und ohne Kitsch hier und da auch mal einen ruhigen Moment einbaut…aber auch blutbesudelte Engel.

Vor allem (und das ist bei all den abgedrehten Bestandteilen vielleicht nicht mehr verwunderlich) glänzt der Streifen wieder und wieder mit Überraschungen.
Natürlich ist es legitim, dieses Tanzen auf mehreren Hochzeiten nicht zu mögen, es ist hier aber so mitreißend inszeniert, dass es schwer fällt sich dem zu entziehen.

Dabei ist SCHNEEFLÖCKCHEN kein Big Budget – Schinken mit großen Stars. Die Locations in Berlin sind nicht ungewöhnlich, im Gegenteil. Leere Fabrikhallen sind per se gerne genommene Drehorte wenn das Geld fehlt und kommen auch hier ein paar Mal zum Einsatz, werden aber dabei immer liebevoll in Szene gesetzt und fügen sich in das stimmige Gesamtbild ein. Andererseits wirkt das Ergebnis garantiert nie billig und schon gar nicht laienhaft.

Natürlich muss man darüber sprechen, dass SCHNEEFLÖCKCHEN eine deutsche Produktion ist und während es Menschen gibt, die das grundsätzlich schlecht finden, gibt es auch jene, die aus dem gleichen Grund Höchstnoten vergeben, obwohl überhaupt nichts zusammenpassen will.
Beides ist Quatsch, es bleibt aber festzuhalten, dass der Film – obwohl er diverse Szenen mit Untertiteln enthält – typisch deutsch ist. Soll heißen, man tut nicht so als sei Berlin New York, man gibt den Figuren keine amerikanischen Namen, man isst nicht im Burger-, sondern im Dönerladen und steht zu den eigenen Trademarks.

Das Motiv der Rache und Vergeltung, das sich wie ein roter Faden durch die Story zieht, ist hingegen nicht nur weltweit zu finden, sondern auch fest in den Fundamenten der Menschheit verankert, weswegen es passen will, dass alttestamentarische Töne durchklingen. Statt die andere Wange hinzuhalten, ist Auge um Auge Devise und jeder scheint eine Rechnung offen zu haben.

Fazit:
SCHNEEFLÖCKCHEN ist einer der besten Genrefilme 2018…national und international.

 

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