Review: DIE HORDE (2009)

die horde
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 6.5

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6.4/10 (52)

Darsteller: Claude Perron, Jean-Pierre Martins, Eriq Ebouaney, Aurelien Recoing
Regie: Yannick Dahan, Benjamin Rocher
Drehbuch: Nicolas Peufaillit
Land:
Genre:

Aufgrund meiner Erfahrung mit französischen Horrorfilmen, aber auch wegen des ansprechenden Trailers hatte ich mir recht viel von DIE HORDE (im Original: LA HORDE) erhofft. Zu viel?
Nun, der Streifen verfügt über die übliche Kälte und Härte, die man von Filmen unserer Nachbarn kennt, aber leider auch über Längen.

Zu Beginn folgen wir einer vierköpfigen Gruppe von Polizisten, die den Mord an einem Kollegen rächen wollen und sich zur Selbstjustiz in ein heruntergekommenes Hochhaus begibt, wo man die Täter richten will.

Schnell wird klar, dass die Kollegen sich selbst nicht völlig einig sind und so verwundert es kaum, dass die Gangster schnell wieder Oberhand gewinnen. Doch dann kommen die Zombies und plötzlich heißt es Mensch gegen Untote…

Mehr muss man über die Handlung nicht wissen und im Prinzip hätte mir das übliche Überlebensspiel, gemixt mit der unfreiwilligen Koalition der Gangster mit den Polizisten auch gereicht um einen kurzweiligen Abend zu erleben. Doch leider verliert sich der Film hin und wieder in langen Dialogen, die die Handlung nicht immer vorantreiben sondern manchmal eher von dieser ablenken.

Ein weiterer Kritikpunkt ist das unlogische Verhalten der Figuren:

-Anstatt einem Mitstreiter zu helfen, lässt man diesen minutenlang mit zwei Zombies kämpfen. Das ist im Film durchaus nett anzusehen, aber nicht unbedingt zu erwarten.

-Während mehrere Gangster dutzende Male aus nächster Nähe auf einen Zombie einschießen, schafft es keiner auch nur zufällig den Kopf zu treffen.

-Anstatt zunächst auf dem recht sicheren Dach des Gebäudes zu verharren, beschließt die Gruppe nach unten zu gehen, wo die Horde auf Futter lauert.

Andererseits muss man La Horde lassen, dass man bei genauerem Hinschauen einen doppelten Boden bemerkt. Der Blick vom Dach des Hochhauses erinnert womöglich nicht zufällig an die brennenden französischen Städte nach den Unruhen im Jahr 2005 und womöglich sind die Gangster nicht zufällig afrikanische Immigranten wie die beiden Jugendlichen, die der Auslöser für diese Krawalle waren.

So wundert es auch nicht weiter, dass die Polizei, die offensichtlich zu diesen Ausschreitungen beitrug, auch im Film nicht gut wegkommt. Nicht nur, dass der geplante Rachefeldzug schon vor der Tür der Verbrecher blutig scheitert, auch im späteren Verlauf verschwimmen die Grenzen zwischen Gesetzeshüter und Kriminellen immer mehr und einen Helden kennt der Film ohnehin nicht.

Erwähnenswert sind die bereits angesprochenen Kampfszenen. Da der erfahrene Zombiefilmseher weiß, dass das man unbedingt das Gehirn des Gegners beschädigen sollte, wird man zwar versucht sein, dies den unwissenden (und nicht lernwilligen) Darstellern zuzurufen, dennoch fährt der Streifen vor allem gegen Ende einige coole Action- und Kampfszenen auf, die man in dem zunächst recht ernsten Film nicht unbedingt erwartet.

Übrigens handelt es sich hier um schnelle Zombies.

Wer jetzt sagt: „Europäischer Horrorfilm…Mehrfamilienhaus…Zombies…kommt mir bekannt vor“ und dabei an [REC] denkt, sollte sich nicht täuschen lassen. DIE HORDE ist kein Abklatsch von [REC], kann ihm aber auch nicht das Wasser reichen. Schade eigentlich, denn das Potential wäre vorhanden gewesen.

Ob sozialkritische Metaphern den Film aufwerten, sei dahingestellt. Fest steht jedoch, dass DIE HORDE zwar kein Meisterwerk ist und auf neue Ideen hofft man vergebens, aber insgesamt immer noch besser abschneidet als die neuesten Werke von George A. Romero, der ähnliches versucht.

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