Review: A GHOST STORY (2017)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.0

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8/10 (1)

Darsteller: Casey Affleck, Rooney Mara, McColm Cephas Jr.
Regie: David Lowery
Drehbuch: David Lowery
Länge: 89 min
Freigabe: ab 12
Veröffentlichung: 12. April 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Universal
Genre: Geister/Haunted House/Paranormales
Land: USA,
FSK: ab 12

Bei all den aktuellen „Ghost“-Filmen kann man leicht durcheinanderkommen. A GHOST STORY, GHOSTLAND, GHOST STORIES.
A GHOST STORY, über den wir heute reden, ist von den dreien am wenigsten Horrorfilm. Offen gestanden, gar kein Horrorfilm und für wen das abschreckend ist, ist jetzt ein guter Zeitpunkt zum nächsten Artikel zu springen.
Allerdings bedeutet das womöglich ein bewegendes Fantasy-Drama zu verpassen.
C und M sind ein glückliches Paar, das gemeinsam in einem älteren Haus lebt. Doch dann stirbt C bei einem Autounfall.
Als Gespenst, das stets unter dem Leichentuch verborgen bleibt, mit dem der junge Mann im Krankenhaus bedeckt wurde, kehrt er in das Haus zurück, das er mit M bewohnte.
Aber seine Freundin kann ihn nicht wahrnehmen…und die Zeit vergeht.

Der Geist unter dem Bettlaken ist ein uraltes Klischee, das im Film bisher aber selten genutzt wurde, was sicher auch daran liegt, dass es für einen waschechten Gruselfilm auf Dauer wenig bedrohlich wirkt. Zu A GHOST STORY passt es hingegen perfekt. Schauspieler Casey Affleck, der unter dem Tuch steckt, wird dadurch auf ein Minimum reduziert. Wir können seiner Miene nicht entnehmen, was er fühlt. Aber eigentlich ist das klar. Er ist tot, getrennt von seiner Liebsten, obwohl er ihr nahe ist und scheinbar auf alle Zeit an das Haus gebunden.

A GHOST STORY ist ein langsamer Film, der schon mal in Echtzeit und ohne Schnitt verfolgt wie M mühsam eine Kiste die lange Einfahrt entlang schleppt. Das ist nicht gerade spannend, aber einen klassischen Spannungsaufbau findet man hier ohnehin nicht, dennoch entspricht diese behäbige Hilflosigkeit dem was die Geschichte ausmacht.

Stellenweise erinnert der Film an GHOST – NACHRICHT VON SAM und wie Patrick Swayze lernt auch Casey Affleck mit seiner Umwelt zu interagieren und kann zum Beispiel Glühbirnen heller leuchten lassen. Wo GHOST aber eine Mischung aus Tragödie und Komödie war, ist A GHOST STORY durch und durch herzzerreißend, ohne aber je am Kitsch zu kratzen.

Ich schrieb eingangs, dass es hier keinen Horror zu sehen gibt, was man aber ein Stück weit relativieren muss. Da wir als Zuschauer immer an der Seite des Geistes bleiben, haben wir keine Angst vor ihm, erleben aber mit, wie er einige Kinder das Fürchten lehrt und die Familie zum Auszug bewegt.

All das sind aber Momentaufnahmen, denn Zeit hat das Gespenst mehr als genug. Wie viele Jahre wir ihn begleiten, bleibt dabei ein Geheimnis des Films, der manchmal in einer einzigen Szene geschickt Wochen oder Jahre vergehen lässt. Klar ist nur, dass viel Zeit verstreicht und dies gewissermaßen die Biografie eines Geistes ist, wie sie so noch nie erzählt wurde.

Zwischenzeitlich mag man sich fragen, worauf die Geschichte hinausläuft, an dieser Stelle sei aber nur verraten, dass sich bei aller Ruhe eine Wendung einfügt, die letztlich für einen gelungenen Abschluss sorgt.

A GHOST STORY ist ein Experiment. Er ist traurig und verträumt. Philosophisch, behäbig, zeitlos und wie seine Hauptfigur ein Wandler zwischen den Welten.

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