Review: AFTERLIFE (2009)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.0

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6/10 (4)

Darsteller: Christina Ricci, Liam Neeson, Justin Long
Regie: Agnieszka Wojtowicz-Vosloo
Drehbuch: Agnieszka Wojtowicz-Vosloo, Paul Vosloo
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„Ich sehe tote Menschen“
Das Zitat aus THE SIXTH SENSE gehört wohl zu den bekanntesten der letzten Jahre und bringt zudem gut auf den Punkt worum es in M. Night Shyamalans Überraschungserfolg geht.
AFTER.LIFE geht in eine ähnliche Richtung, ist dabei aber weit mehr als eine simple Kopie.

Nach einem Streit mit ihrem Freund Paul fährt die junge Lehrerin Anna wutentbrannt davon und hat einen Autounfall. Als sie wieder erwacht findet sie sich in einer Leichenhalle wieder. Vor ihr steht der Bestatter Eliot Deacon, der behauptet, dass Anna tot ist, sich in einer Zwischenwelt aufhält und bald bestattet wird. Nur aufgrund einer speziellen Gabe sei es ihm möglich sich mit ihr zu unterhalten.
Doch stimmt das? Während Anna sich allmählich in ihr Schicksal fügt, glaubt Paul zunehmend, dass sie noch am Leben ist.

Die eigenartige Schreibweise des Filmtitels ist doppeldeutig zu lesen. Einerseits heißt „after life“ so viel wie „nach dem Leben“ und liefert uns im Film einen Einblick in das Leben der Hinterbliebenen. „Afterlife“ zusammengeschrieben steht hingegen für das Leben nach dem Tode oder die Welt in der sich Anna aufhält.
after.life ricci

In THE SIXTH SENSE schlug der finale Twist ein wie eine Bombe und nur die größten Klugscheisser konnten behaupten damit gerechnet zu haben. Seither wurde diese Art der Wendung oft genutzt und variiert. Nicht so in AFTER.LIFE. Der Film versucht nicht irgendetwas vor uns geheim zu halten und uns in letzter Sekunde zu überraschen, sondern lässt uns jederzeit wissen, dass er mit dem Betrachter spielt.
Ist sie tot oder nicht? Ist Eliot Deacon das, was er vorgibt zu sein? Was sind das für Spritzen, die er der Leiche verabreicht? Welche Rolle spielt Annas Schüler, der sie gesehen haben will? Warum darf Paul Anna nicht sehen?
Es gibt zahlreiche Stellen im Film an denen man glaubt nun endlich die Wahrheit gefunden zu haben, nur um 2 Minuten später das Gegenteil zu behaupten.

Dass AFTER.LIFE nicht zum Plagiat von THE SIXTH SENSE verkommt ist auch den ausgezeichneten Schauspielern zu verdanken. Anna wird gespielt von Christina Ricci (THE GATHERING, SLEEPY HOLLOW), ihr Freund Paul von Justin Long (DRAG ME TO HELL, JEEPERS CREEPERS). Über Liam Neeson muss man wohl ohnehin kaum noch ein Wort verlieren, der Mann spielt den abgebrühten Geheimagenten (96 HOURS) ebenso gut wie den Lebensretter in SCHINDLERS LISTE und einen Jedi in STAR WARS oder eben hier einen lakonischen Leichenbestatter, der seine Gabe als Fluch betrachtet.

Horror der harten Gangart ist AFTER.LIFE nicht. Blutige Momente oder Schocks sind rar. Über allem thront aber das Thema „Tod“, das nicht nur von der gewohnten physischen Seite beleuchtet wird und Einblick in Deacons Arbeit gibt, sondern auch Platz zum philosophieren bietet. Sei es z.B. durch triviale Poesie („Warum sterben wir?“ „Um das Leben wertvoll zu machen.“) oder der Idee Menschen, die ihr Leben mit Sinnlosem verbringen, mit Toten gleichzusetzen.

Als Kritik mag man anführen, dass nicht jeder Schritt logisch erscheint und man auch am Ende mit Fragen entlassen wird, trotzdem ist AFTER.LIFE eine erfreuliche Ausnahme zum Einheitsbrei.

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