Review: AGONY (Spiel)

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Redaktion: 5.5

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Veröffentlichung: 29. Mai 2018
FSK: ab 18

 

Die Idee ist klasse und dürfte eine ganze Reihe von Horrorfans ansprechen: ein Trip durch die Hölle, wie es ihn seit Dante Alighieris INFERNO nicht mehr gab und wonach sich selbst Pinhead die Finger schlecken dürfte.
Das verspricht AGONY, ein über Kickstarter finanziertes PC-/Konsolen-Spiel.

So weit, so gut und wir ersparen euch sogar „höllische“ Wortspiele, trotzdem dauert es nicht lange, bis erste Fragezeichen einsetzen, die sich schnell in Enttäuschung manifestieren.
Dass im Untergrund keine Sonne scheint, ist logisch, trotzdem ist das Bild verflucht dunkel und selbst auf hellster (auch das ist kein Wortspiel) Stufe wünscht man sich eine ordentliche MagLite, denn die Fackeln die man unterwegs findet, beheben das Problem nicht genügend.

Allerdings ist Dunkelheit seit jeher dafür gut, gewisse Dinge zu verdecken und in diesem Fall hilft mancher Schatten eine Grafik zu verschleiern, die (zumindest auf der PS4) an selig-pixlige PS2-Zeiten erinnert.
Dass das Spiel in Englisch läuft und nur deutsch untertitelt ist, kann man -ebenso wie die altbacken erscheinende Schriftart- verzeihen, man merkt aber schon, dass sich die Kritikpunkte anhäufen, wie die Leichenberge, durch die wir als Spieler waten müssen.

Und damit kommen wir zum Positiven.
AGONY bieten einen dreckigen, hässlichen und brutalen Einblick in eine Welt voller gequälter Seelen und Dämonen. Die Landschaft scheint vorrangig aus menschlichen Überresten zu bestehen und überall finden sich eingekerkerte Menschen, aufgespießte oder zerrissene Leichen, Haufen von Knochen und auch viel nackte Haut. Egal, ob ich mir die Brüste grotesker Gestalten oder den Penis eines Gekreuzigten genauer ansehen will, in der Hölle ist das kein Thema.
Da wundert es fast, dass man so weit geht, aber trotzdem eine Reihe von Szenen der Zensur zum Opfer fiel. Andererseits weiß man seit der 10.000sten A SERBIAN FILM – Diskussion, dass Gewalt an Babys nicht überall gut ankommt und auch expliziter Sex unter Dämonen geht manchen zu weit.

Was auch nicht gut ankommt, zumindest beim Autor dieser Zeilen, ist die anfällige Steuerung. Andauernd scheint man an einer Kante hängen zu bleiben, was sich zusammen mit dem schon erwähnten lichtschwachen Bild anfühlt, als wolle man sich nachts zum Klo tasten, während der große Zeh gegen den Bettpfosten kracht.
Wenn dann noch dazu kommt, dass sich viele Landschaften ähneln und keine Karte vorliegt, ist Orientierungslosigkeit vorprogrammiert, die man schon gar nicht gebrauchen kann, wenn auch noch ein Höllenwesen hinter einem her ist.

Dass man diesen Dämonen kaum mehr entgegenzusetzen hat als Flucht, Verstecken und Ablenkungsmanöver ist sicher Geschmackssache, erinnert aber an ALIEN: ISOLATION und ähnliche Spiele. Erwischt einen eines dieser Dinge, startet man entweder am letzten Speicherpunkt, wie man das gewohnt ist oder aber hat die Chance mit seiner Seele in einen der anderen Menschen zu fahren, die es in die Unterwelt verschlagen hat. Da dieser Vorgang schnell vonstattengehen muss, weil sonst Alternative 1 eintritt, sorgt zwar erneut für Stress, ist aber grundsätzlich ein guter Einfall.

Ebenfalls Geschmackssache: man wird eingangs in diese fremde, ja abartige Welt entlassen, ohne so recht zu wissen, was man da eigentlich soll, warum man nun dies oder jenes (z.B. Schädel oder Herzen) sammeln soll und woher die die Features kommen, mit denen man ausgestattet ist.
Natürlich lernen Spieler und Figur im Laufe der Handlung hinzu, eine ausführlichere Einführung hätte aber nicht geschadet.

Fazit: AGONY verfügt über drei Stärken. Eine starke und ungewöhnliche Ausgangsidee, eine kranke Atmosphäre und infernale Akte voll Sex und Gewalt (trotz Zensur).
Storytelling und Technik ziehen diese Vorzüge aber so weit in den Keller, dass es dort schon nach Schwefel riecht und AGONY nur eine halbgare Sache ist.

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