Review: AMERICAN PSYCHO (2000)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 10.0

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9/10 (6)

Darsteller: Christian Bale, Justin Theroux, Josh Lucas, Reese Witherspoon, Jared Leto, Willem Dafoe, Chloë Sevigny
Regie: Mary Harron
Drehbuch: Mary Harron,
Guinevere Turner
Land:
Genre: ,
FSK: ab 16

 

Dass Filme auf dem Index landen, passiert relativ häufig. Büchern widerfährt dieses Schicksal weit seltener und dass Bret Easton Ellis‘ Roman AMERICAN PSYCHO Mitte der 90er für einige Zeit auf der (un-)rühmlichen Liste landete, sagt also einiges über den Inhalt aus.
Der Verfilmung ist zwar in punkto Gewaltdarstellung weniger extrem ausgefallen, vereinbart aber Brutalität, Satire, Message und Schauspielkunst.

Patrick Bateman ist noch keine 30, aber bereits ein erfolgreicher Investment Banker in New York. Er trägt teure Anzüge, isst in exklusiven Restaurants und verkehrt in gehobenen Kreisen. Er gehört dazu und legt Wert auf Image und Aussehen. Doch hinter seiner kühlen, abgeklärten Fassade brennt eine Wut auf alles und jeden. Und so führt Bateman ein finsteres Doppelleben in dem Obdachlose, Kollegen und Prostituierte zu seinen Opfern werden.

Christian Bale, der den Bateman spielt, ist heute ein anerkannter Schauspieler, der gerne für seine teils extremen körperlichen Wandlungen erwähnt wird. Als AMERICAN PSYCHO gedreht wurde, galt die Rolle aus kommerziellen Gesichtspunkten aber durchaus als gewagt.
Nun, man kann darüber streiten, ob dies Bales beste Rolle ist, aber auf jeden Fall liefert er auf den Punkt. Ohne zu übertreiben lässt er uns auf oft amüsante Weise in das Leben Batemans eintauchen, der schon mal ins Schwitzen gerät, wenn die Kollegen (in einer epischen Szene) die besseren Visitenkarten haben, während er in anderen Augenblicken völlig cool über Popmusik referiert, um wenige Sekunden später jemanden in Stücke zu hacken.

Bateman hat (für den Außenstehenden) alles, aber er ist nicht satt. Er ist Teil einer elitären Gruppe von Menschen, die sich über Äußerlichkeiten und Materielles definieren, aber eigentlich vom Geld ihrer Eltern leben und sich untereinander spinnefeind sind.
Diese Menschen sind in ihren uniformierten Anzügen so austauschbar, dass sie sich regelmäßig verwechseln.

Die Handlung spielt in den 80ern, der Film ist von 2000, aber dass der Satz: „Ist das der Wagen von Donald Trump?“ fällt, hätte man sich nicht besser ausdenken können, wenn er von 2018 wäre.
Nennt es Zufall oder Wahnwitz des Autors Bret Easton Ellis, aber wenn man sich Bateman und Trump ansieht, hätte AMERICAN PSYCHO 2 im Weißen Haus spielen sollen.
Den Film gibt es allerdings schon und er fällt unter die Kategorie „Frechheit“. Mehr sollte dazu nicht gesagt werden.american psycho

Nun ist nicht jeder snobische Yuppie ein Psychopath, trotzdem wird nahezu jeder Zuschauer ein Stück weit Bateman wiedererkennen, sei es in anderen oder sich selbst.
Ihr kennt doch auch den Nachbarn/Kumpel, der so lange sein neues Auto erwähnt, bis ihr ihn darauf ansprecht…oder den Typ in eurem Bekanntenkreis, den ihr wirklich nicht ausstehen könnt. Und erzählt ihr euren Chef auf der Arbeit, welche widerlichen Horrorfilme ihr gestern Abend gesehen habt oder würde der euch für seltsam halten? Bateman schaut jedenfalls auch Horrorfilme (in einer Szene läuft TEXAS CHAIN SAW MASSACRE), seinen sterilen Freunden erzählt er davon nicht.
Das Thema Sein und Schein ist überall präsent. Auch im Ende, auf das wir an dieser Stelle aber nicht weiter eingehen wollen um Spoiler zu vermeiden.

Als Beobachter weichen wir dem Psycho nie von der Seite. Er ist in jeder Szene im Bild und  das passt nicht nur in das egozentrische Weltbild, das uns hier serviert wird, es schafft auch eine gewisse Nähe.
Man beginnt – ob man das will oder nicht – den Killer zu verstehen und da skurriler Humor eine nicht unerhebliche Rolle im Film spielt, macht AMERICAN PSYCHO auch einfach Spaß.

Darüber hinaus ist das Werk klasse besetzt. Neben Christian Bale mit Jared Leto, Willem Dafoe, Chloë Sevigny und Reese Witherspoon…und das sind nur die, die mal im Laufe ihrer Karriere für einen Oscar nominiert waren.

Kritik am Film gab es vor allem von Lesern des Buches. Natürlich fehlen im Film Details (ein Problem das aber ziemlich jede Literaturverfilmung teilt) und wie schon angesprochen sind die Gewaltexzesse weniger ausufernd, vieles wird sogar nur angedeutet.
Trotzdem ist das Ergebnis in sich stimmig, vielschichtig und einzigartig.

 

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