Review: APOSTLE (2018)

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7/10 (1)

Darsteller: Dan Stevens, Michael Sheen, Mark Lewis Jones, Paul Higgins, Lucy Boynton, Bill Milner, Kristine Froseth, Elen Rhys
Regie: Gareth Evans
Drehbuch: Gareth Evans
Länge: 130 Minuten
Land: ,
Genre: ,
Veröffentlichung: 16.10.2018
Verleih/ Vertrieb: Netflix
FSK: ab 18

APOSTLE ist eine Netflix-Eigenproduktion, für die der Streamingdienst Gareth Evans verpflichten konnte. Der Regisseur hat bereits mit den THE RAID-Teilen und einem Segment in V/H/S 2 auf sich aufmerksam gemacht hat. Der Trailer verspricht viel Blut und eine geheimnisvolle Sekte. Wir wollen einen näheren Blick auf den Film werfen.

Inhalt von APOSTLE

Thomas, eigentlich ein Sohn aus reichem Haus, nun aber ein eher verwahrloster Drogenabhängiger, reist im Jahr 1905 auf eine abgelegene Insel, um seine Schwester, Jennifer, aus den Fängen ihrer Entführer zu retten. Schnell stellt sich heraus, dass die Bewohner*innen der Insel einen ganz eigenen Glauben verfolgen, der dem Opfern von Blut zugeneigt ist. Für Thomas beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, als die Anführer des Kultes bemerken, dass es einen Eindringling in ihrer Gemeinschaft gibt.

Resümee zu APOSTLE

Eins vorweg: APOSTLE ist ein ganz anderer Film, als es der Trailer vermittelt. Während der Trailer den Eindruck hinterlässt, dass es sich um einen Film mit sehr viel Gewalt und Blut handelt, ist die Wirklichkeit deutlich trockener und harmloser. Es gibt einige heftige Szenen im Film, die vermutete Gewaltorgie bleibt jedoch aus. Stattdessen legt APOSTLE viel wert auf Atmosphäre und kann diese auch hervorragend vermitteln.
Wenn Thomas in geheimer Mission nach Eridsen reist wird bereits schnell klar, dass auf der Insel irgendwas nicht stimmt. Die Atmosphäre ist unheimlich, man kann aber nicht genau sagen, was genau nicht stimmt. Dieses Ungewisse kann APOSTLE sehr gut rüberbringen.

Bereits kurz nach der Ankunft wird Thomas in diverse andere Handlungsstränge verstrickt. Da ist das junge Pärchen, dass seine Liebe geheimhält, die Tochter des Predigers, die anscheinend Interesse an Thomas hat, der innere Konflikt in der Inselgemeinschaft, eine mysteriöse Göttin, die angeblich die Insel am Leben hält und nicht zuletzt sucht Thomas seine Schwester. Es gibt viel Handlung. Ein Film mit über zwei Stunden Laufzeit braucht einiges an Handlung, APOSTLE verstrickt sich aber leider in seinem eigenen Netz aus verschiedensten Handlungssträngen. Dadurch dass etliche Geschichten erzählt werden sollen, wird keine komplett beendet. Und so sitzt man während des Abspanns da und fragt sich, was genau APOSTLE eigentlich aussagen soll. Es wäre klüger gewesen sich auf ein paar Stränge in der Handlung zu konzentrieren und diese ausführlich zu erzählen, anstatt sie nur oberflächlich anzukratzen. Wie es nun ist werden an einigen Stellen Fragen aufgeworfen, die aber nie beantwortet werden.

Ein weiteres Problem von APOSTLE sind die Charaktere. Thomas, der aus blutunterlaufenen Augen heraus stiert, so dass man sich beinahe fragt, weshalb ihn niemand direkt als den Eindringling verdächtigt, ist kein Sympathieträger. Jennifer, die gerettet werden soll, wirkt in ihren wenigen Szenen so blass und unscheinbar, dass man sie direkt wieder vergisst. Jeremy, Andrea und Ffion sind nett, wirken aber auch etwas platt. Und die Anführer sind klar als Antagonisten geplant. Es bleibt leider niemand übrig, mit dem man mitfiebern kann. Also schaut man APOSTLE eher aus einer distanzierten Perspektive und leider kommen einer die zwei Stunden dann auch wirklich wie zwei Stunden vor

APOSTLE zugute halten muss man allerdings die Qualität. Der Film ist gut gedreht und zeigt oft wirklich schöne Einstellungen. Der Soundtrack ist sehr passend. Manchmal sehr laut, dann aber auch, weil Thomas selbst gerade kaum mit seinen Gefühlen umzugehen weiß – das wird durch den Ton sehr gut auf die Zuschauer*innen übertragen. Wenn es Spezialeffekte gibt sind die fast immer sehr gut umgesetzt und scheinen größtenteils handgemacht zu sein. Es steht außer Frage, dass Evans sein Handwerk beherrscht, wie sich auch durch die bereits erwähnte, sehr gelungene Atmosphäre zeigt.

Trotz einiger Schwächen ist APOSTLE kein schlechter Film. Er wirft die Frage auf, was Menschen tun, wenn altbewährtes nicht mehr funktioniert und wenn die Religion keinen Sinn mehr macht. Allerdings hätte mindestens ein Handlungsstrang gekappt werden müssen, damit alle einen angemessenen Abschluss finden können.

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