Review: ART/CRIME (Doku) (2011)

art crime remy couture (1)
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7

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7.3/10 (16)

Darsteller: Rémy Couture, Patrick Senécal, Nacho Cerdà
Regie: Frédérick Maheux
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Der Name Rémy Couture dürfte in Deutschland selbst den meisten Horrorfans kein Begriff sein. Dabei hatte der Kanadier vor einigen Jahren einen Kampf gegen die Behörden zu führen, in denen der Maskenbildner nicht nur beweisen musste, dass seine -zweifelsohne grenzwertige- Kunst nicht echt ist, sondern sogar die ganzen Moralvorstellungen Kanadas zur Debatte standen.

Über diesen unglaublichen Fall berichtet die Dokumentation ART/CRIME. Darin kommen ehemalige, aber kerngesunde Models ebenso zur Sprache wie Couture selbst und diverse Horrorschaffende wie AFTERMATH-Regisseur Nacho Cerdà und der bekannte Autor Patrick Senécal (7 DAYS).

art crime remy couture (1)

Im Mittelpunkt steht das Schaffen und der Justizfall von Rémy, der 2009 begann, als er wegen Verletzung der Moral verhaftet wurde.
Natürlich ist Couture nicht der erste, der sich vor Gericht verantworten musste, weil seine Darstellungen zu echt aussahen. Ruggero Deodato war das schon in den 80ern passiert und auch er konnte klarstellen, dass keine Menschen zu Schaden kamen, im Falle Coutures hätte eine Verurteilung aber zweifelsohne weitreichende Folgen für die komplette kanadische Horrorwelt nach sich gezogen.
Während die Behörden offenbar nur anfangs davon ausgingen echte Gewalttaten auf seiner Homepage zu sehen, legte man sich später darauf fest, dass das Gezeigte zu blutig sei, auch wenn es nachgestellt war.

Dazu gesellten sich Missverständnisse und gefährliches Halbwissen und alleine Horror, sexuelle Gewalt und ein Kind auf der gleichen Website zu finden, dürfte manche Alarmglocke zum Läuten gebracht haben.
Bis zu einem gewissen Grad kann man für beide Seiten Verständnis empfinden. Wenn jemand über eine Website stolpert, auf der sogar ein Kind gequält und getötet wird und die Darstellung echt genug wirkt, kann man ihm kaum einen Vorwurf machen, wenn er der Sache nachgeht..ganz im Gegenteil. Auf der anderen Seite steht genau dieses Kind, das während des (kunst-)blutigen Fotoshoots einen riesigen Spaß hatte und nach Aussage der Mutter dadurch den Unterschied zwischen Realität und Show verstand.
Irgendwo dazwischen findet die Frage wo Kunst und Geschmacklosigkeit, Freiheit und die Notwendigkeit von Zensur ineinander übergehen.

art crime remy couture (1)

Wer sich einfach nur für den von Couture erschaffenen Gore interessiert, bekommt in ART/CRIME ebenfalls ein paar Häppchen serviert, wird aber wohl kaum satt.
Als Gegenpol zu den Gewaltdarstellungen sehen wir immer wieder Behind-the-Scenes-Material lachender Opfer, die wohl auch den größten Ignoranten aufzeigen, dass niemand etwas angetan wurde.

Mit etwa 80 Minuten Laufzeit ist ART/CRIME etwas zu lange geraten. Auch wenn einige diskussionswürdige Ansätze zu finden sind, wurde nach einer Stunde jeder Standpunkt hinreichend dargelegt und wiederholt sich dann nur noch. Etwas mehr Struktur hätte ebenfalls nicht geschadet, denn einige Interviewpartner gehen gegen Ende des Films auf Punkte ein, die man schon lange abgehandelt wähnte.

Dennoch ist ART/CRIME eine insgesamt interessante Aufarbeitung eines ganz und gar nicht unwichtigen Falls, der zeigt, wie schnell man als eigentlich harmloser Mitwirkender in der Horrorbranche in die Mühlen der Justiz geraten kann.

Mehr Infos unter : www.art-crime.eu/

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