Review: BESESSEN (2012)

Besessen
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 6

Please rate this

7/10 (8)

Darsteller: Michelle Argyris, Shantelle Canzanese, Vanessa Broze
Regie: Greg A. Sager
Drehbuch: Greg A. Sager, Geoff Hart
Land:
Genre:

Manche Subgenres des Horrors entwickeln sich von Film zu Film weiter, es gibt aber auch Filme, deren Einfluss so stark ist, dass alles was danach kommt (und sei es 40 Jahre danach), immer wieder diesen einen Film als Vergleich auf den Plan ruft.
Im Falle von BESESSEN ist dieser Film William Friedkins DER EXORZIST, seit dessen Erscheinen 1973 Filmemacher, die einen Geist oder Dämon in einen menschlichen Körper fahren lassen, zwar die Wahl haben, ob sie sich ganz bewusst in den Spuren Friedkins bewegen oder versuchen dennoch möglichst eigene Wege zu gehen, aber in jedem Fall mit DER EXORZIST verglichen werden.

Besessen

Greg A. Seger, der hier sein Debut als Co-Autor und Regisseur gibt, tut beides. Einerseits steht BESESSEN zu seinem größten Einfluss und zitiert diesen ganz bewusst, u.a. durch den bekannten Spiderwalk, andererseits werden diese Zitate doch nur kurz aufgerufen, bevor BESESSEN auch eigene Ansätze an den Tag legt.

Als Studentin Alex nach den Ferien zu ihrer Wohngemeinschaft zurückkehrt, die inzwischen in ein neues Haus umgesiedelt ist, erscheint alles bestens, doch als die Freundinnen nach einer durchzechten Nacht bei einer Wahrsagerin Halt machen, beginnt sich Alex kurze Zeit später seltsam zu benehmen. Nicht nur für ihre Mitbewohnerinnen ist das verstörend und Alex beginnt sich zu fragen, ob sie den Verstand verliert oder noch Schlimmeres mit ihr geschieht.

Besessen

Von den 10 Millionen $, die DER EXORZIST schon 1973 zum Dreh zur Verfügung hatte, kann BESESSEN nur träumen. Wir haben es hier mit einem Low Budget – Film zu tun, der mit seinen Mitteln sorgsam haushalten muss. Natürlich ist das dem Werk stellenweise anzusehen, aber man muss Seger zugutehalten, dass er offenbar mit den Problemzonen vertraut ist und diese zu verdecken weiß.
So erleben wir einige durchaus gelungene Effekte, die dank schneller Schnitte selten billiger wirken als in manchem Film mit großem Geldbeutel.

Nicht fehlen darf in einem Exorzistenfilm das Sprechen in einer monströs verzerrten Stimme. Hier trägt zwar die deutsche Synchronisation eine erhebliche Mitschuld, die auch anderenorts nicht immer auf den Punkt ist, der große Grusel wird damit aber so oder so nicht mehr geweckt.
Ja, manche Klischees müssen wohl einfach bedient werden, dazu gehört auch Mitbewohnerin Bree, Vollzeitschlampe, die Alex‘ Freund Brian das gibt, was die Jungfrau ihm verweigert.

Besessen

Umso erstaunlicher ist es, dass die ersten 15 Filmminuten, die nichts anderes als austauschbaren Teenie-Horror versprechen, Stück für Stück von einer dunkleren Atmosphäre abgelöst werden und BESESSEN am Ende als in sich stimmiges Produkt zurück lässt.
Dass neben DER EXORZIST im Verlauf auch an ROSEMARY’S BABY erinnert wird, ändert nichts daran dass der Film unterhaltsam bleibt.

Nein, der ganz große Wurf ist BESESSEN freilich nicht, aber Greg A. Seger setzt mit seinem Erstling eine Duftmarke, die darauf hoffen lässt, in Zukunft mehr von ihm zu sehen.

Fazit: Fieser kleiner Exorzistenschocker, der das Beste aus seinen Möglichkeiten macht.

Facebook Comments