Review: BIG BAD WOLVES (2013)

big bad wolves (4)
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.0

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6.7/10 (46)

Darsteller: Lior Ashkenazi, Rotem Keinan, Tzahi Grad
Regie: Aharon Keshales, Navot Papushado
Drehbuch: Aharon Keshales, Navot Papushado
Land:
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Wenn Quentin Tarantino auf dem Cover von BIG BAD WOLVES mit den Worten zitiert wird, dass dies der beste Film des Jahres sei, kann man daraus zwei Dinge lesen. Zum einen, dass BIG BAD WOLVES eher kein purer Horrorfilm ist, sondern ein paar groteske Züge aufweist, zum anderen, dass der Film womöglich wirklich gar nicht übel ist.

Die Polizei tut alles, um die Reihe von brutalen Morden an kleinen Mädchen aufzuklären, die die Region verunsichert. Und „alles“ beinhaltet dabei auch einen Verdächtigen von drei Kollegen brutal zusammenschlagen zu lassen. Als dieser Gewaltakt unfreiwillig gefilmt wird und im Internet landet, hat das Konsequenzen für Cop Miki, der suspendiert wird. Nun will er auf eigene Faust gegen den Verdächtigen Dror ermitteln, doch dann funkt ihm ein Kollege, dessen Tochter selbst Opfer des Mörders wurde, dazwischen.

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Ironischerweise passiert Dror ähnliches wie Miki. Der wird nicht nur von seinen Schülern verspottet, sondern ebenfalls vom Dienst freigestellt. Und das ist noch das Harmloseste was ihm im Verlauf von BIG BAD WOLVES widerfährt. Während er zu Beginn des Streifens mit Fäusten malträtiert –und dann mit etwas Geld abgefunden- wird, geht es später, als er gefesselt in einem Keller sitzt, noch weit brutaler zu.

Das wäre selbst dann hart anzuschauen, wenn die Zuschauer wüssten, ob der Mann die Taten, die man ihm zu Last legt, überhaupt begannen hat…tun sie aber nicht, noch nicht einmal, was ihn verdächtig machte. Stattdessen müssen wir mitansehen, wie einem womöglich unschuldigen die Zehennägel gezogen werden.

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Dass sich zu den derben Folterszenen und dem Oberthema Kindesmord Humor gesellen will, ist das was BIG BAD WOLVES von einem Film wie 7 DAYS abhebt…und das will erst mal so gar nicht zueinander passen. Da wird der arme Dror im Folterkeller auf unschöne Weise bearbeitet, als der rachsüchtige Polizist plötzlich unterbricht, weil er einen Kuchen im Ofen hat!!!
Bei Szenen wie diesen, bei denen einem das Lachen im Halse stecken bleibt oder umgekehrt der Schrecken mit einem Kalauer aus den Knochen geschüttelt wird, wird auch verständlich, warum Großmeister Tarantino darauf abfährt.

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Vielleicht liegts auch daran, dass BIG BAD WOLVES ein israelischer Film ist und jüdischer Humor ist nun mal von Jerry Seinfeld bis Woody Allen eine Sache für sich.
Verantwortlich für diesen kruden Crossover sind Aharon Keshales und Navot Papushado, von denen schon RABIES stammte.
Obs aber nötig war, dass Mikis (Lior Ashkenazi) Mimik an Euro-Komödien der 70er erinnert? Stellenweise rechnet man damit, dass Louis de Funes an der Tür klingelt oder Bud Spencer dem Folteropfer eine Ohrfeige verpasst.

Auch kleinere Figuren, wie der Sohn der Polizeichefs, ein vorbeireitender Araber oder der Vater des rachsüchtigen Polizisten, der Suppe vorbeibringt, haben kaum mehr Daseinsberechtigung, als dass unbedingt noch ein paar skurrile Figuren auftauchen mussten.

Und doch, aus unerfindlichen Gründen funktioniert der Film trotz dieser sich abstoßenden Elemente. Feingeister werden das womöglich anders sehen, wer dunkelschwarzen Humor schätzt, liegt hier aber richtig.

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