Review: BLACK SUMMER (2019)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.0

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Darsteller: Jaime King, Justin Chu Cary, Christine Lee , Sal Velez, Jr., Kelsey Flower
Regie: John Hyams, Karl Schaefer
Drehbuch: John Hyams, Karl Schaefer
Länge: 8 Folgen á 25-40 min
Land:
Genre:
FSK: ab 16

Zombies! Ja, schon wieder Zombies. Tatsächlich bekommt man den Eindruck, das Genre ist genauso wenig tot zu kriegen, wie seine untoten Repräsentanten. Ebenso wenig überraschend ist das Setting. Amerikanische Vorstadt, eher im Norden der USA. Der amerikanische Traum des bürgerlichen Eigenheims mit Garten, versetzt ins Szenario einer Zombieapokalypse. Soweit, so gut, so bekannt. Auf den ersten Blick bietet die Netflix-Produktion BLACK SUMMER nicht viel Neues, was in diesem Subgenre auch wenig überraschend ist.

Der Plot entspricht ebenfalls nicht der Krönung der Originalität. Alles spielt in den ersten Wochen des Ausbruchs eines Virus, welches Menschen zu blutgierigen Amokläufern mit kannibalischen Gelüsten werden lässt. Eine bunt und vor allem zufällig zusammengewürfelte Gruppe Überlebender macht sich auf den Weg zu einem Stadion, welches als Flüchtlingslager genutzt wird, von wo aus Menschen in sichere Gebiete gebracht werden sollen. Sie selbst hatten es nicht geschafft, den Transport in besagtes Stadion mitmachen zu können, aus teils sehr unterschiedlichen Gründen. Aber da sie ein gemeinsames Ziel haben, schließen sie sich zusammen. Ebenfalls wenig neu ist die bald einsetzende Erkenntnis, dass die Zombies nicht die einzige Bedrohung sind, sondern erneut die früheren Mitmenschen zu lebensbedrohlichen Feinden werden.

Das klingt jetzt erst einmal alles sehr negativ. Doch tatsächlich ist BLACK SUMMER eine gelungene Zombieserie mit überzeugenden Drama-Elementen. Gelungen ist auf der Horror/Zombie-Seite, das bedrohliche Gefühl der Hilflosigkeit der Überlebenden. Da die Zombies im Stil von 28 DAYS LATER zu Fuß sehr schnell unterwegs sind und noch dazu zumindest über rudimentäre motorische Fähigkeiten und Lernkompetenzen verfügen – so bieten Türgriffe, schlechte Verstecke und selbst Busdächer keinen Schutz mehr. Zum anderen sind sie dieses Mal nicht so leicht tot zu kriegen. Zwar hilft auch hier ein gezielter Schuss in den Kopf, aber ihre Agilität, zusammen mit der Unerfahrenheit der Protagonisten, lässt selbst ein Einzelnes dieser Wesen zur existenziellen Bedrohung werden. Eine willkommene Abwechslung, vor allem, wenn man Rick Grimes zum hundertsten Mal im Alleingang eine halbe Division an Zombies im Alleingang töten sieht.

Und dann ist da noch das Drama-Element. Natürlich ist es nicht neu, einen gewissen Fokus auf das Innenleben der Betroffenen einer Zombieapokalpyse zu werfen. Und so sehr man THE WALKING DEAD mittlerweile kritisieren darf, waren die ersten Staffeln dennoch ein Musterbeispiel für die individuelle Entwicklung von Charakteren in Anbetracht einer solchen Bedrohung. Das eigentlich interessante bei BLACK SUMMER ist dabei ein gewisser Kunstgriff. Zum einen wird viel Zeit in die stille Beobachtung der Protagonisten investiert, währenddessen sich ihre inneren Konflikte in ihren Gesichtern widerspiegeln. Zum anderen bleiben sie für den Zuschauer eine Black Box: wir erfahren keinen Hintergrund über ihr bisheriges Leben, allenfalls einige Indizien. Diese fehlende Vertrautheit mit allen Personen ist ein elementarer Bestandteil des Gefühls der Unsicherheit und Bedrohung der Serie. Zusätzlich zur Zombiebedrohung sorgt diese Unkenntnis über die Vertrauenswürdigkeit und Motive anderer Personen zu einem erstaunlich realistischen Untergangsszenario.

Neben dem Fehlen erhellender Rückblenden ist ein weiteres Stilelement die Struktur der Geschichte selbst. Jede Folge ist unterteilt in eine Gruppe von Episoden mit eigenen Titeln und eigenen Schwerpunkten und Hauptpersonen. Manche dauern nur einige Sekunden, manche bis zu einer Viertelstunde. Auf diese Weise werden die Teilhandlungen in einer Weise aufbereitet, dass es dem Zuschauer bewusst schwer gemacht wird, den chronologischen Ablauf der Geschichte wahrzunehmen. In Verbindung mit dem teilweise eingeschränkten Blickwinkel der jeweiligen Hauptpersonen einer Episode, setzt sich gelegentlich erst Schritt für Schritt das Gesamtbild der Geschehnisse zusammen, was immer wieder für gelungene Überraschungen führt.

Das Positive an BLACK SUMMER sind dabei vor allem diese Stilelemente, die zunächst wenig mit dem Genre Horror per se zu tun haben. Sie geben der mittlerweile deutlich abgenutzten Thematik einen Tiefgang, der sich selten in Horrorserien finden lässt, ohne gleichzeitig bewusst diesen Tiefgang durch ausgiebige Rückblenden oder Erzählungen über Vergangenes in den Vordergrund zu stellen. Das Negative ist jedoch erneut das Problem der meisten Zombieserien und -filme. Das Genre wirkt ausgereizt, es fällt schwer, Neues zu erschaffen und auch bei BLACK SUMMER stellt sich immer wieder das Gefühl ein, das alles schon einmal in der einen oder anderen Version gesehen zu haben. Jedoch hat man es nicht immer in dieser Qualität gesehen, denn diese ist unbestreitbar vorhanden: die Schauspieler sind durchweg überzeugend; das Szenario ist den Umständen entsprechend ebenso realistisch, wie die moralischen Dilemmata im Überlebenskampf; Schockeffekte und das Gefühl steter Bedrohung packen gelegentlich selbst den einen oder anderen Zombieexperten. Dennoch, gesehen hat man das alles irgendwie schon einmal.

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