Review: BOMB CITY (2017)

bomb city
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.5

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9/10 (1)

Darsteller: Dave Davis, Glenn Morshower, Luke Shelton
Regie: Jameson Brooks
Drehbuch: Jameson Brooks
Länge: 95 min
Land:
Genre:
Veröffentlichung: 26. April 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Indeed
FSK: ab 16

Punks sind für manche Menschen gröhlende, bunte Typen, die laute Musik hören, anders aussehen als der Bankkaufmann von nebenan und schon mal mit der Polizei aneinandergeraten.
Wer es gerne so einfach hat, sollte sich BOMB CITY nicht ansehen, der Film könnte euer Denken aufweichen.

Story:
In den 90er Jahren ist Brian ein junger Punk im konservativen Texas.
Mit der „anständigen“ weißen Mittelschicht haben er und seine Kumpels wenig am Hut und es kommt immer wieder zu Reibereien zwischen den beiden Lagern.
Doch schließlich eskaliert die Situation…

BOMB CITY beruht auf wahren Begebenheiten und behandelt einen brutalen Kriminalfall, rollt die Ereignisse aber sowohl von ganz weit vorne, als auch weit hinten auf.
Soll heißen, wir lernen sowohl Brian und seine Freunde kennen, als auch die Clique um ein Highschool-Footballteam. Gleichzeitig werden immer wieder kürzere Szenen aus einem Gerichtssaal eingespielt, die Böses ahnen lassen.

Regisseur/Autor Jameson Brooks stammt aus Amarillo, wo die Handlung spielt und scheint sorgfältig recherchiert zu haben. Mindestens aber kann man seinem Langfilmdebüt attestieren, kein plumper erster Gehversuch zu sein, denn auch wenn Brian die Hauptfigur ist, zeichnet Brooks eine Gewaltspirale nach, die jederzeit nachvollziehbar ist.
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Der Film ist klar als Drama zu kategorisieren, trotzdem erinnert diese Durchleuchtung beider Seiten an den Stil von Horror-Autor Jack Ketchum. So wird die Gruppe Punks nicht als Engel dargestellt und ein paar der bekannten Stereotype werden auch nicht ausgespart, dafür aber relativiert.
Stellvertretend sei dabei eine Szene genannt, in denen man abwechselnd die Punks beim Pogo tanzen und die Footballer in einem martialischen Playoff-Spiel sieht.
Brooks stellt damit klar, dass jeder Jugendliche sein Ventil hat und fällt keine voreiligen Urteile, die „normale“ Bevölkerung ist da schneller bei der Sache.
Das wird dann deutlich, wenn sich der Film im letzten Viertel vermehrt bei der Gerichtsverhandlung aufhält, wo sich ein eifriger Anwalt alleine an Brians Shirt mit dem Aufdruck „Destroy everything“ aufzieht.
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Das Schöne an BOMB CITY ist, dass er auf mehreren Ebenen funktioniert.
Zunächst mal kann er (sofern man sich vorab nicht tiefer ins Thema einliest) überraschend sein. Er funktioniert aber auch als strikte Aufarbeitung der damaligen Ereignisse, die übrigens weit über die Grenzen Amarillos hinaus für Aufsehen sorgten.
Und zuletzt ist der Streifen ein unaufdringlicher Appell für Toleranz, was besonders gut funktioniert, weil der mahnende Zeigefinger weitestgehend in der Tasche gelassen wird.

Fans klassischer Spannungsbögen wird BOMB CITY nicht abholen (und anders als der Name vermuten lässt, gibt es auch keine Bomben), dafür sicher Freunde von „Based On A True Story“, was endlich mal wieder wörtlich zu nehmen ist.

Naturgemäß reden wir auch nicht über Popcorn-Kino sondern einen manchmal lauten, manchmal nachdenklich stimmenden Film, der einen mit einem Kloß im Hals entlässt.

Das Mediabook gibt es übrigens samt Soundtrack CD

 

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