Review: BORDER (2018)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 9.0

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9.5/10 (2)

Darsteller: Eva Melander, Eero Milonoff, Jörgen Thorsson
Regie: Ali Abbasi
Drehbuch: Ali Abbasi, Isabella Eklöf, John Ajvide Lindqvist
Länge: 110 min
Land: ,
Genre: ,
Veröffentlichung: 16. August 2019 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Capelight
FSK: ab 16

Rein formell ist BORDER zwar nur (ähm) borderline-passend bei uns, aber was für das Fantasy Filmfest gut ist, soll uns allemal recht sein. Zudem basiert der Film auf der Kurzgeschichte von John Ajvide Lindqvist, dem Autor von SO FINSTER DIE NACHT.

Story:
Zollbeamtin Tina hat einen besonderen Geruchssinn. Sie kann Gefühle riechen. Zeit ihres Lebens ist die unattraktive Frau eine körperliche und soziale Außenseiterin und erst als sie auf der Arbeit einen auffälligen Mann kennenlernt, beginnt sie zu verstehen, wer sie ist.

BORDER ist ein Drama und eines, das in mehreren Belangen Mut beweist.
Hauptdarstellerin Eva Melander wurde für ihre Rolle derart (glaubwürdig) verwandelt, dass es dem Film eine Oscarnominierung für das beste Makeup einbrachte. Damit fehlt aber auch die hübsche, selbstsichere Heldin und Tina ist nicht die klassische Bezugsperson.
Gleichzeitig lässt sich die Story schwer greifen und ist nicht für drei Minuten vorhersehbar.

All das kann man gegen BORDER auslegen oder zu seinen Gunsten.
Trotz seiner stets ruhigen Erzählweise kommt keine Langeweile auf, die Figur der Tina überzeugt nicht nur wegen ihrer optischen Verwandlung, sondern wird auch hervorragend gespielt und der Film beweist, dass Auszüge aus der nordischen Mythologie und ernste, moderne Themen wie Kinderpornos in der gleichen Geschichte stehen und funktionieren können.

Lindqvists Handschrift ist deutlich zu erkennen. Zwar gibt es statt trister, verschneiter Wohnblocks kühle schwedische Natur; statt eines gemobbten Schuljungen eine unattraktive erwachsene Frau; statt Vampiren andere „Wesen“ (wir verzichten auf Spoiler), aber eben auch Einblick in das Leben dieser Sonderlinge, die inmitten einer Gesellschaft leben, die sie eigentlich nicht gebrauchen kann.

Wo SO FINSTER DIE NACHT noch diverse Horrorelemente enthielt, muss man bei BORDER aber schon genauer hinsehen. Kindesmissbrauch wird angeschnitten, etwas Gewalt ist auch zu sehen, aber mehr als das wird man sich an ein bis zwei Stellen verblüfft die Augen reiben. Vor allem eine Sexszene gehört zu dem ungewöhnlichsten, was in dieser Richtung normalerweise gezeigt wird.

Meist ist BORDER jedoch erstaunlich sensibel und bringt uns diese äußerlich rohe Gestalt der Tina nahe, die in der Geschichte den kompletten Gefühlskreislauf durchlebt. Das überträgt sich wiederum auf den Zuschauer, der sich immer wieder fragt, ob er eine hoffnungsvolle oder -lose Story erfährt. Aber BORDER ist wie das Leben. Er bzw. Tina hat Höhen und Tiefen, aber was das wichtigste ist, er atmet.

Trotz eines anders-, ja sogar neuartigen Themas, wirkt nichts an BORDER künstlich oder gezwungen, sondern stets organisch wachsend.
Natürlich muss niemand einen solchen Streifen ansehen, wenn man nur auf Maskenkiller oder Spukgeschichten steht (die es garantiert nicht zu sehen gibt), wer fantastische, abgründige und ruhige Erzählungen abseits klarer Genrezuordnungen aber zu schätzen weiß, sollte sich dem Sog, den BORDER entfacht, nicht lange verwehren können.

Border gibt es ab dem 16. August zu kaufen.

 

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