Review: BRAWL IN CELL BLOCK 99 (2017)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.0

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7/10 (1)

Darsteller: Vince Vaughn, Jennifer Carpenter, Don Johnson, Udo Kier
Regie: S. Craig Zahler
Drehbuch: S. Craig Zahler
Länge: 133min
Land:
Genre:
Veröffentlichung: 26. Oktober 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Universum
Sonstiges: in der "ab 18" Version ca. 80 Sekunden geschnitten
FSK: ab 18

Auch wenn Vince Vaughn im PSYCHO-Remake und der zweiten Staffel von TRUE DETECTIVE mitspielte, werden ihn die meisten mit harmlosen Komödien der Marke DIE HOCHZEITSCRASHER oder VOLL AUF DIE NÜSSE assoziieren.
Dementsprechend unerwartet taucht er in BRAWL IN CELL BLOCK 99 auf, einem Film, dessen Titel schon eine klare Sprache spricht und der nicht unbeschadet durch den deutschen Jugendschutz kam.

Bradley Thomas ist kein böser Mensch, aber als er arbeitslos wird und seine Beziehung retten will, beginnt er als Drogenkurier zu arbeiten. Das geht einige Zeit gut, doch nach einer wilden Schießerei wird Bradley zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, während seine Freundin Lauren schwanger zurück bleibt.
Schon nach kurzer Zeit wird der ehemalige Boxer erpresst. Bringt er nicht einen bestimmten Insassen um, werden Lauren und das Kind sterben. Nun muss Bradley in den Hochsicherheitstrakt vordringen und das gelingt nur mit viel Gewalt…

Wer glaubt, dass BRAWL IN CELL BLOCK 99 von Anfang an aufs Gaspedal drückt, wird bitter enttäuscht. Der Film dauert weit über zwei Stunden und nutzt die Zeit, um uns zunächst die Figuren samt ihres Vorlebens ausführlich vorzustellen.
Allerdings ahnt der aufmerksame Zuschauer schon früh, dass wir es weniger mit einem tiefgründigen Drama als einem launigen Grindhouse-Schinken zu tun haben, als Bradley in einem Wutanfall Laurens Auto mit bloßen Händen zerlegt.

Wie eingangs erwähnt, hat die FSK in diesem Fall vergessen, dass sie in den letzten Jahren oft milde urteilte und schmetterte den Film zwei Mal ab. Letztlich fehlen nun rund 80 Sekunden in der „ab 18“ Fassung, wobei vor allem das Finale erheblich unter der Schere zu leiden hatte.

Bis dahin gibt es zwar reichlich Prügel – immerhin muss sich Bradley vom Gefängnis mittlerer Sicherheit in den sagenumwobenen Zellenblock „hocharbeiten“ – aber nichts davon sollte die FSK beeindruckt haben.
Die zermalmten Körper im Finale sind ein anderes Thema, aber diese Details fehlen eben und leider sind die Schnitte teilweise auch noch als solche zu erkennen.

Bradley, gespielt von Vaughn, muss zwar einiges einstecken, kloppt sich aber wacker durch die Zellen, Höfe und Flure verschiedener Haftanstalten und macht dabei nicht nur physisch einen nahezu unzerstörbaren Eindruck. Er scheint von alledem auch recht unberührt und an der schauspielerischen Performance von Vince Vaughn werden sich daher vermutlich die Geister scheiden.
Seine Darstellung und Verhalten seines Charakters wirkt nicht immer glaubwürdig, aber in sich schlüssig.

Das gleiche gilt aber für den kompletten Film. Man tut sich schwer zu glauben, dass der ominöse Cell Block 99 nichts mehr ist als ein feuchter, sehr dunkler Keller wo einige mächtige Häftlinge quasi in ihrer eigenen Welt leben und dennoch scheint das Paket stimmig.

Erdacht und umgesetzt wurde BRAWL IN CELL BLOCK 99 von S. Craig Zahler, der mit BONE TOMAHAWK einen inhaltlich völlig anderen, aber doch vergleichbaren Film lieferte. In beiden Werken legt er eine fast schon gemütliche Ruhe an den Tag, obwohl die jeweils unwirtliche Situation auf anderes schließen lässt. In beiden Fällen will die Hauptfigur seine Frau retten und beide Filme sparen sich die Gewaltspitzen (größtenteils) bis zum Ende auf.
Weniger greifbar ist der eigenartige, schwer greifbare Rhythmus beider Filme, aber Fans von BONE TOMAHAWK werden sicher auch mit BRAWL IN CELL BLOCK 99 ihren Spaß haben.

Fazit:
Unaufgeregter Modern-Exploitation mit einem „schlagfertigen“ Vince Vaughn.

 

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