Review: CAM (2018)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 4.5

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4/10 (2)

Darsteller: Madeline Brewer, Patch Darragh, Melora Walters, Devin Druid
Regie: Daniel Goldhaber
Drehbuch: Isa Mazzei, Daniel Goldhaber
Länge: 94 Minuten
Land:
Genre:
Veröffentlichung: 18.11.2018
Verleih/ Vertrieb: Netflix
FSK: ab 16

Erneut hat sich Netflix für eine Eigenproduktion mit Blumhouse Productions zusammengetan. Anders als bei der Serie GHOUL handelt es sich diesmal um einen Film und die Thematik könnte nicht unterschiedlicher sein: es geht um Camgirls. Statt grausiger Monster bekommen wir also hübsche junge Frauen zu sehen, die sich vor einer Webcam räkeln. CAM hat bereits einige Auszeichnungen gewonnen, wie zum Beispiel den New Flesh Award for Best Feature Film von Fantasia International Film Festival. Stephen King persönlich twitterte, dass er den Film geliebt hat und lobt die Leistung von Madeline Brewer. Wenn man so etwas liest, hat man gewisse Erwartungen an einen Film. Kann CAM diesen gerecht werden?

Inhalt vom CAM

Camgirl Alice alias Lola lässt sich für ihre Zuschauer außergewöhnliche Dinge einfallen. Zum einen gibt es dann mehr Geld, zum anderen hat sie die Ambition in der Rankingliste auf der Streaming-Plattform aufzusteigen. Alles läuft gut, bis sie sich plötzlich nicht mehr in ihren Account einloggen kann und anscheinend eine Doppelgängerin an ihrer Stelle vor der Webcam unterwegs ist. Alice beginnt zu recherchieren…

Resümee zu CAM

Zugegebenermaßen ist die Idee hinter CAM einfallsreich. Das Spiel mit gestohlenen Identitäten an sich ist nicht neu, das Setting allerdings schon. Bisher war die Welt der Camgirls eher in Dokumentationen zu sehen, nicht in Spielfilmen und wahrscheinlich ist es hauptsächlich diese neue Umgebung, die CAM interessant macht. Das Setting ist wahrscheinlich auch der Ausschlag für eine Freigabe ab 16 gewesen; es gibt einige Brüste zu sehen. An der Gewalt hat es sicher nicht gelegen, davon gibt es so gut wie keine.

Der Film nimmt sich einige Zeit um die Protagonistin Alice, gespielt von Madeline Brewer, die aus ORANGE IS THE NEW BLACK oder THE HANDMAID‘S TALE bekannt ist, vorzustellen. Eine ganze Weile sehen wir nur ihren Alltag und wie sie versucht möglichst viele Plätze in der Rangliste nach oben zu klettern. An sich ist das eine gute Idee den Hauptcharakter ausführlich einzuführen, weil die Zuschauer*innen so eine Verbindung mit diesem eingehen können. Leider schafft CAM es diese lange Vorstellung langatmig werden zu lassen. Man sieht Alice hauptsächlich wie sie mit ihren Kunden kommuniziert, was nicht so spannend ist, sofern man nicht auf Camshows steht. So erfährt man beispielsweise, dass sie unglaublich ehrgeizig ist, aber nicht warum. Sie scheint auch auf Platz 56 sehr viel Geld zu verdienen, warum will sie also unbedingt in die Top 50? Leider wird diese Frage nie beantwortet.

Das Thema der unbeantworteten Fragen zieht sich durch den gesamten Film. Es wird nie erzählt, wie Alice an ihren Job gekommen ist, was durchaus interessant gewesen wäre. Nach einem Konflikt in der Familie wird nie geklärt, ob sie sich wieder mit ihrem Bruder vertragen hat. Und dann ist da natürlich die kleine Frage, was genau denn eigentlich passiert ist. Achtung, kleiner Spoiler: CAM hat leider keine Auflösung. Am Ende ist man genauso unwissend wie am Anfang und fragt sich, was denn nun eigentlich der Sinn des Filmes war. Offene Enden können durchaus positiv sein, sofern sie gut gemacht sind und Raum für Interpretation lassen. In AUSLÖSCHUNG wird beispielsweise am Ende auch nicht ausführlich erklärt, dafür kann sich aber jede ihre eigenen Gedanken machen. CAM ist allerdings eine ganz andere Art von Film; alles läuft darauf hinaus, dass man erfährt, wie die ganze Geschichte passieren konnte und dann kommt rein gar nichts.

Zu Gute halten muss man CAM jedoch, dass der Film gut produziert ist. Madeline Brewer spielt wirklich hervorragend und man nimmt ihr die Rolle komplett ab. Bild und Ton sind stimmig, die wenigen Spezialeffekte sehr gut gemacht. Leider kann der Inhalt da nicht mithalten.
Positiv ist auch, dass die Arbeit von Alice an sich nicht besonders verrucht oder anstößig dargestellt wird. Die Arbeit vor der Webcam wird als eine Arbeit wie jede andere behandelt.

CAM hatte das Potenzial eine spannende Geschichte in einem neuen und aufregenden Setting zu erzählen. Leider verpasst der Film die Chance aber, indem er einfach zu viel offen lässt und keine angemessene Auflösung bietet.

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