Review: CREEP (2014)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.0

Please rate this

8/10 (12)

Darsteller: Patrick Brice, Mark Duplass
Regie: Patrick Brice
Drehbuch: Patrick Brice, Mark Duplass
Land:
Genre: ,

Found Footage ist tot, lang lebe Found Footage.
Nach wie vor werden Filme im Ego-Cam-Stil gedreht, die Zeit der großen kommerziellen Erfolge scheint aber vorbei und das zeigt sich daran, dass ein Film wie CREEP (nicht zu verwechseln mit dem U-Bahn-Film mit Franka Potente) bisher nur im Originalton auf Netflix zu sehen ist.

Erschwerend kommt hinzu, dass wir es hier mit einem Zwei-Mann-Projekt zu tun haben. Soll heißen: nur zwei Schauspieler, die gleichzeitig auch für Regie und Buch verantwortlich waren.
Klingt unspektakulär, ist es auch und trotzdem haben wir hier einen kleinen Film, der ganz wie der Titel es verspricht, CREEPy ist.

Kameramann Aaron kann sich seine Jobs nicht aussuchen und als er von dem todsterbenskranken Josef angeheuert wird, ihn einen Tag lang zu begleiten, um Josefs ungeborenen Sohn ein Video zu hinterlassen, lässt er sich nicht lange bitten.
Josef entpuppt sich schnell als eigenartiger Geselle, der sich schon mal in der Badewanne filmen lässt, einen Hang zu skurrilen Scherzen hat und der eine Umarmung und ein High Five zu schätzen weiß. Aber Josef ist mehr als ein Auftraggeber, er sucht die Freundschaft zu Aaron und schafft nicht nur bei ihm ein ungutes Gefühl.

CREEP tut das, was ein Found Footage Film tun sollte. Er agiert mit einer einzelnen Kamera und bringt uns dem Träger dieser Kamera nahe. Wir sehen nicht nur, was er sieht, sondern schnappen auch die beklemmende Ahnung auf, dass hier etwas nicht stimmt.

Effektejäger, Goresammler und Schnittmassakerliebhaber werden mit CREEP nicht warm werden, denn auch wenn die Thematik eine andere ist, erinnert der Film durch das langsame Anziehen der Spannungsschraube an BLAIR WITCH PROJECT. CREEP weist für einen Found Footage Film sogar wenig sinnlose Bildwackler auf und stellt stattdessen die ungewöhnliche Beziehung der beiden Figuren in den Vordergrund.

Das bedeutet aber nicht, dass wir es hier mit einem Drama zu tun haben, verschiedene Schocks ergeben sich schon aus Josefs Vorliebe andere zu erschrecken. Auch wenn es sich hier zunächst um an sich harmlose Gags handelt, sorgt es dafür, dass man als Beobachter bei Laune bleibt.
Leider gilt aber auch hier mal wieder, was für unzählige andere moderne Filme gilt: wir erleben viele falsche Scarejumps und mehr als einmal fragt man sich, wie sich Josef so schnell aus dem Nichts anschleichen konnte.

Achtung, ab hier folgen leichte Spoiler:
Die ersten zwei Drittel des Films verbringen Aaron und Josef zusammen, bevor sie nach einem Zwischenfall getrennte Wege gehen und CREEP zu einer Stalker-Story wird. War man bis zu diesem Zeitpunkt unsicher wie Josef tickt, wissen wir nun, dass er einen an der Klatsche hat und nicht immer die Wahrheit sagt. Viele Hintergründe gibt der Film aber nicht preis.

Psychologische Akkuratesse sieht sicher anders aus, vielleicht bringt aber CREEP 2, der derzeit in der Mache ist , Licht ins Dunkel.

Fazit: Wer das Gefühl latenten Unheils zu schätzen weiß, sollte sich CREEP ansehen.

Facebook Comments