Review: DAS FINSTERE TAL (2014)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 10.0

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8.8/10 (34)

Darsteller: Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer
Regie: Andreas Prochaska
Drehbuch: Martin Ambrosch, Andreas Prochaska
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Filme, die „ab 12“ freigegeben werden, tauchen nur selten bei uns auf.
Dass die FSK Werke, die sich dem Thema Rache annehmen, mit dieser Freigabe durchwinkt, ist aber ebenso selten, vor allem wenn sich doch manche Brutalität darin zeigt.
Jedenfalls mag es sein, dass der eine oder andere DAS FINSTERE TAL bisher übersehen hat, womöglich auch, weil man ihn mit viel Wohlwollen als Heimatfilm abstempeln könnte…ebensogut aber als brutalen Revenge-Thriller.

Story:
Ein auf den ersten Blick verträumtes Dorf in den Alpen im 19. Jahrhundert. Kurz vor Einbruch des Winters kommt in Fremder in das Städtchen. Er nennt sich Greider, ist Fotograf, und will einige Monate bleiben. Zunächst wird er von den Söhnen des Brenner-Bauern, die über das abgelegene Tal herrschen, unfreundlich empfangen, aber Greider zahlt gut für seinen Aufenthalt.
Doch dann beginnt das Sterben.

DAS FINSTERE TAL wurde von Regisseur Andreas Prochaska inszeniert, den Horrorfans mit dem lupenreinen Slasher IN 3 TAGEN BIST DU TOT assoziieren werden. Schon dort hatte der Österreicher seine Protagonisten mit Dialekt reden lassen, was dazu beitrug, dass der Film nicht bemüht amerikanisch wirkte.
In DAS FINSTERE TAL pflegt Prochaska stilistisch zwar einerseits klassische Western-Elemente (inkl. eines blutigen Shootouts), tut aber nie so als würde er in den Rocky Mountains spielen, sondern eben im deutschsprachigen Raum. Die Mundart ist dabei teilweise so ausgeprägt, dass man in Norddeutschland womöglich Untertitel bemühen muss.

Die Geschichte ist simpel und trotzdem enthüllt sich im Laufe der Handlung auf glaubwürdige Weise, was Greider in diesen gottverlassenen Ort treibt. Auch wenn es hier keinen ominösen Maskenmann gibt und keine notgeilen Teenies gemeuchelt werden, ist man gar nicht allzu weit von einem Slasher entfernt.

DAS FINSTERE TAL ist aber noch mehr als das. Auch wenn der Film erst mal relativ klar in Gut und Böse unterteilt, sind es glaubwürdige Figuren, die Prochaska von Thomas Willmanns Romanvorlage mit auf den Weg gegeben wurden. Die Angst der normalen Dorfbewohner ist greifbar und nachvollziehbar, der Machtwahn der Mächtigen aber ebenfalls und so scheint sich jeder in sein angestammtes Schicksal ergeben zu haben, das nur Greider hinterfragt.

Der ist im Film Amerikaner und wird vom Engländer Sam Reilly gespielt. Greider ist (typisch für einen Western) wortkarg und zielgerichtet, aber weder perfekt noch strahlender Held.
Einer seiner Gegenspieler ist Tobias Moretti, nur einer der vielen Charakterköpfe im Film, denen man 30 Jahre harte Arbeit am Berg abnimmt. Dies sind keine schönen Menschen, sie sind ungewaschen, faltig und einfach gekleidet.
Den Filmtitel muss man übrigens ebenfalls nicht hinterfragen. Dieses Werk ist nicht nur finster, sondern auch so kalt, dass man noch auf der sicheren Seite des Bildschirms die Heizung hochdrehen möchte.

Was man hingegen hinterfragen darf ist der Soundtrack, der zwar immer noch klingt, als wenn er aus einer früheren Epoche käme, aber wenigstens hundert Jahre moderner scheint als die Handlung des Films. Wer etwa Alphörner oder andere traditionelle Instrumente vermutet, wird jedenfalls verwundert sein.
Da die Musik aber durchaus zur ohnehin starken Atmosphäre beiträgt, bleibt dieses Thema einfach eine Frage des Geschmacks, der Rezensent war zumindest angetan.

Fazit: Ignoriert die milde Altersfreigabe, ignoriert (ohnehin dämliches) Genredenken und schaut euch DAS FINSTERE TAL an!

 

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