Review: DAS MÄRCHEN DER MÄRCHEN (2015)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.5

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8.3/10 (48)

Darsteller: Salma Hayek, Vincent Cassel, Toby Jones, John C. Reilly
Regie: Matteo Garrone
Drehbuch: Edoardo Albinati
Land:
Genre:

„Spinnen die bei thrillandkill jetzt total? Nun schreiben die schon über Märchen.“
Stimmt. Zum einen, weil wir es können; zum anderen, weil es Sinn macht, denn das MÄRCHEN DER MÄRCHEN ist nicht die Art von Film, die an Heilig Abend im öffentlich-rechtlichen Nachmittagprogramm läuft, während wir aufs Christkind warten. Jedenfalls wäre mir in 3 HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL die Szene entgangen, in der Salma Hayek (FROM DUSK TILL DAWN) ein rohes Monsterherz frisst oder Vincent Cassel (IRREVERSIBEL) einen Dreier in einer Kutsche hat.
das märchen der märchen

Und das ist dann auch schon das wichtigste Alleinstellungsmerkmal des Films. Dass Märchen, gerade die hierzulande geliebten Geschichten der Gebrüder Grimm, bluttriefend sind, ist ja bekannt, die cineastischen Adaptionen sind hingegen in der Regel für Kinderaugen ausgelegt. Im Falle von DAS MÄRCHEN DER MÄRCHEN werden hingegen Erwachsene angesprochen, die Märchen samt ihrer dunklen Seiten mögen, ohne dass man darauf einfach einen Horrorfilm gestrickt hat.

Erzählt werden im Film gleich drei Märchen, also drei Episoden, wobei man immer wieder zwischen den Storys hin und herspringt, obwohl diese nahezu keine Berührungspunkte haben.
Da wäre einmal eine Königin, die sich ein Kind wünscht, was aber nur über eine Art „künstlicher Befruchtung“ möglich ist. Dafür muss ihr Mann ein Monster töten.
Ein zweiter König, der dem anderen Geschlecht zugetan ist, landet versehentlich vor der Tür einer alten Jungfer, die es schafft sich in sein Bett zu zaubern.
In einem dritten Königreich muss der Herrscher seine Tochter einem brutalen Höhlenbewohner zur Frau geben, der es schafft ein schier unlösbares Rätsel zu lösen.das märchen der märchen 2

Soviel in aller Kürze, doch tatsächlich fällt auf, dass jede Geschichte einen „Knick“ hat und den anfangs eingeschlagenen Weg verlässt. So beginnt die Story der unglücklich verheirateten Königstochter etwa mit einem Floh, der zur Übergröße mutiert. Umso erstaunlicher, dass man es schafft von A über B nach C zu gelangen, aber hier kommen die Vorzüge eines Märchens zum Tragen, wo der Fantasie einfach keine Grenzen gesetzt sind.
Ursprünglich schrieb die Geschichten übrigens der italienische Autor Giambattista Basile und das im 17. Jahrhundert, also eine ganze Zeit bevor die Brüder Grimm ans Werk gingen. das märchen der märchen tale of tales

Dass der Film super besetzt ist, schadet selten. Die schon erwähnten Selma Hayek, Vincent Cassel sind die bekanntesten Namen, beim genaueren Hinsehen entdeckt man aber auch sträflich unterbewertete Mimen wie Toby Jones (BERBERIAN SOUND STUDIO) und John C. Reilly (WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN).

Optisch ist DAS MÄRCHEN DER MÄRCHEN ohnehin ein Genuss und liefert fantastische Aufnahmen (in jedem Sinn des Wortes).
Fasst man alle positiven Bestandteile zusammen, kann man im Ausgleich verkraften, dass manche Minute in dem über zwei Stunden langen Film zu lange ist und es zu Beginn dauert, bis man die drei Handlungsstränge für sich getrennt hat.

Fazit: Ob der reine Horrorfan mit DAS MÄRCHEN DER MÄRCHEN warm wird, darf bezweifelt werden, will man hingegen mal über den Tellerrand schauen ohne gleich die Küche zu verlassen, ist der Film ein guter Anfang.

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