Review: DEATH WISH (2017)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 6.0

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5.5/10 (2)

Darsteller: Bruce Willis, Vincent D'Onofrio, Elisabeth Shue
Regie: Eli Roth
Drehbuch: Joe Carnahan
Länge: 108 min
Land:
Genre: ,
Veröffentlichung: 10. August 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Universum
FSK: ab 18

An Eli Roth scheiden sich bekanntlich die Geister. Dass er das Genre liebt ist unbestrittten und mit HOSTEL trug er maßgeblich zur Torture Porn – Welle bei, andererseits sind seine Werke oft so plump, als würde RTL Horrorfilme produzieren.
Mit DEATH WISH nahm sich der Regisseur das Remake eines Charles Bronson – Klassikers vor, das aber mit namhafter Besetzung.

Story:
Dr. Kersey ist Arzt in der Notaufnahme eines Chicagoer Krankenhauses. Jeden Tag versucht er Opfer von Gewalt (und manchmal auch die Täter) zu retten. Als bei einem Überfall seine Frau getötet und seine Tochter schwer verletzt wird und sich die Polizei als wenig hilfreich erweist, besorgt sich Kersey selbst eine Waffe und wird durch eine Reihe Zufälle bald zum „Grim Reaper“, der die Straßen der Stadt sicherer macht.

Ein wenig klingt das nach Superheldenmovie und tatsächlich möchte doch jeder gerne einen Schutzengel in seiner Nähe wissen, wenn er in einer dunklen Ecke von zwielichtigen Typen bedrängt wird, so wie auch jeder ein paar offene Rechnungen zu begleichen hätte, wenn es die PURGE-Nächte gäbe.
In der Praxis sind selbstjustizliebende Fachärzte, die nur die Richtigen richten, natürlich schwer zu finden, aber hier kommt wieder Eli Roth ins Spiel, der mit einem solchen Film die Chance gehabt hätte, sich auf die ein oder andere Weise zum Thema Selbstjustiz und Waffengesetze zu positionieren, aber Dr. Kersey keine Zweifel in den Mund legt, sondern den Hoodie-tragenden Familienvater recht schnell zum kaltblütigen Killer macht.

Der wird übrigens von Bruce Willis gespielt, dem man seine Rolle als Arzt nicht abkauft. Willis bewies in seiner langen Karriere, dass er mehr kann als STIRB LANGSAM und Co (z.B. durch THE SIXTH SENSE), in DEATH WISH rechnet man aber ab einem gewissen Punkt mit dem obligatorischen „Yippie-ya-yeah, Schweinebacke“.
Glaubwürdiger spielt Vincent D’Onofrio (CHAINED) als Kerseys abgehalfterter Bruder, dessen Part als schlechtes Gewissen aber größtenteils untergeht.

Das ist symptomatisch für den kompletten Film, der selten komplett daneben liegt, aber häufig mal einen Halbton höher oder tiefer als nötig gespielt wird und dadurch nicht wie aus einem Guss wirkt. So hat man den Eindruck, dass das Werk zwar ernst erscheinen soll, der Tod von Mrs. Kersey aber kaum betrauert wird und spätestens wenn einem Gegner in einem Kampf durch Zufall eine Bowlingkugel auf den Kopf fällt, ist man wieder in bewährtem Roth-Revier.

Übrigens ist DEATH WISH zwar brutal, gefoltert wird auch, aber kein Horror, sondern natürlich lupenreiner Rache-Thriller, was den Weg, den Eli Roth‘ mit KNOCK KNOCK einschlug, fortspinnt und mit dem anstehenden DAS HAUS DER GEHEIMNISVOLLEN UHREN dürfte sich Roth wohl noch weiter vom Horrorgenre entfernen. Andererseits drehte Kollege James Wan vor 10 Jahren mit DEATH SENTENCE einen sehr ähnlich gelagerten Film, kam aber rasch wieder zum Horror zurück.

Wer Roth‘ Stil mag, macht aber mit DEATH WISH nichts verkehrt. Der Film bietet simples, actionreiches Haudrauf-Entertainment ohne Anspruch und mit wenig Logik. Allerdings finden sich zwischen den Zeilen doch tatsächlich ein paar Ansätze zum Nachdenken, gerade wenn man den im Film stattfindenden Umgang der Medien mit dem „Grim Reaper“ betrachtet.

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