Review: DER MANN AUS DEM EIS (2017)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.5

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7.5/10 (2)

Darsteller: Jürgen Vogel, André Hennicke, Sabin Tambrea, Franco Nero
Regie: Felix Randau
Drehbuch: Felix Randau
Länge: 95 min
Veröffentlichung: 18. Mai 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Ascot Elite
Genre: Action Drama Experimental Survival Thriller
Land: Deutschland,Italien,Österreich,
FSK: ab 12

Der Fall der 1991 gefundenen „Ötzi“-Leiche ging um die Welt, füllte die Nachrichten und zog etliche Dokumentationen nach sich. Inzwischen weiß man, dass es sich bei dem Toten um einen etwa 5000 Jahre alten Mann handelt, der durch einen Pfeil getötet wurde.
Weniger klar ist, welche Ereignisse seinem Tod vorausgingen und genau das versucht der Spielfilm DER MANN AUS DEM EIS nachzuvollziehen.

Im Ötztal der Jungsteinzeit ist Kelab Familienvater und Anführer einer kleinen Gemeinde. Während er auf der Jagd ist, dringen drei Fremde in das Dorf ein, vergewaltigen, töten die Bewohner, brennen alles nieder und stehlen ein heiliges Relikt. Als Kelab zurückkehrt findet er nur einen Säugling lebend vor und nimmt die Fährte der Männer auf.

Gespielt wird Kaleb, also der Ötzi, von Jürgen Vogel (STEREO), der mal wieder beweist, warum er zu den bekanntesten Schauspielern Deutschlands zählt. Seine Rolle, wie aber auch die aller anderen Darsteller, zu denen auch Franco Nero (DJANGO) zählt, ist schon alleine deswegen ungewöhnlich, weil der Film in der Sprache der Menschen von damals gedreht wurde und man auf Untertitel verzichtete. Allerdings ist die Story simpel genug, um sie auch ohne ein verständliches Wort nachzuvollziehen. An dieser Stelle braucht es aber wieder die nötige Schauspielkunst, um die zu vermittelnden Emotionen glaubwürdig rüberzubringen.

Ich vermag nicht zu beurteilen, wie authentisch die Gebäude, die Lebensweise (wo man schon mal Sex vor den Kindern hat) oder die Sprache ist, aber der Film wirkt meist glaubwürdig. Keine adretten Langhaarfrisuren oder muskelbepackte Helden, die nach Fitnessstudio schreien, sondern schmutzige, verfilzte Menschen, die in einfachsten Hütten leben und keine designten Waffen, sondern simple Äxte und Pfeil&Bogen nutzen, um ihre Gegner zu töten.
Weniger ausgeprägt ist die genaue Darstellung des „Ötzi“, der zum Beispiel in der Realität viele Tätowierungen hatte, von denen man im Film nichts sieht.

Ja, DER MANN AUS DEM EIS ist „ab 12“ freigegeben, was zum einen am historischen Hintergrund, zum anderen daran liegen dürfte, dass der Film mehr bietet als eine Sammlung von Gewaltakten und man als Zuschauer nicht sofort eine Identifikation mit Steinzeitmenschen vollzieht. Die Brutalitäten haben es allerdings in sich. Vor allem der Überfall zu Beginn geizt nicht mit Härte, aber auch der Rest bietet immer wieder harte Kämpfe.

Je nach Auslegung kann man den Film daher als (Rape &) Revenge – Thriller, vorzeitliches Survival-Drama oder Historienfilm klassifizieren.
Eine Sache ist aber nicht zu übersehen: die Handlung knüpft erst in den letzten Minuten an die geschichtlichen Fakten an. Niemand weiß, was der Ötzi in den Tagen vor seinem Tod trieb, ob er auf der faulen Haut lag oder wie im Film blutige Rache übte.
Erschwerend kommt hinzu, dass (ACHTUNG SPOILER) der Haupthandlungsstrang nur bedingt mit den Ereignissen zusammenzuführen ist und der Held von einer Figur getötet wird, die man zuvor eine Stunde lang nicht zu sehen war.

Sieht man DER MANN AUS DEM EIS aber ohne die Verbindung zum Ötzi, bleibt immer noch ein eindringlicher Film, der in seiner Machart eine Mischung aus APOCALYPTO und THE REVENANT ist und zwar wenig Bombast, aber neben einem Einblick in das harte Leben seiner Zeit auch eindrucksvolle landschaftliche Kulissen zu bieten hat.

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