Review: DIE BEHANDLUNG (2014)

die behandlung mo hayder
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.5

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7.8/10 (48)

Darsteller: Geert Van Rampelberg, Ina Geerts, Johan van Assche
Regie: Hans Herbots
Drehbuch: Carl Joos
Land:
Genre: , ,
FSK: ab 16

Dreck, Pisse, Kinderpornos.
Es sind diese Schlagworte, die über zwei Stunden DIE BEHANDLUNG zusammenfassen und eine vage Idee geben, wohin die schmutzige Reise geht.
Dies ist die Verfilmung des gleichnamigen Mo Hayder – Romans und die zweite Story um Jack Caffery. Wer nun verzweifelt den ersten Film der Reihe sehen will, den gibt es nicht und wenn man den Gerüchten glauben darf, liegt das schlichtweg daran, dass der Stoff den Verantwortlichen zu hart erschien. Das will was bedeuten, denn wer DIE BEHANDLUNG sieht, wird weniger Samthandschuhe, als vielmehr Gummistiefel brauchen.

die behandlung

Eine Familie wird drei Tage lang von einem Unbekannten gefangen gehalten und als schließlich Hilfe kommt, sind Vater und Mutter dem Tode nahe. Der Eindringling ist mit dem Sohn der beiden verschwunden. Nach einer groß angelegten Suchaktion kann das Kind nur noch tot gefunden werden, verdurstet, sexuell missbraucht, mit einem menschlichen Biss am Oberkörper.
Der Polizist Nick, dessen jüngerer Bruder im Alter von neun Jahren selbst von einem Sexualstraftäter entführt wurde, nimmt sich der Sache an, doch der Fall bringt ihn an seine Grenze und in Bereiche größter Perversion.

Dass dieser Thriller trotz seiner britischen Romanvorlage ausgerechnet aus Belgien stammt, dem Land, das vor Jahren nach den realen Schandtaten eines Marc Dutroux quasi unter Generalverdacht in Sachen Pädophilie stand, mag Zufall sein, der dunklen Ernsthaftigkeit des Films könnte es dennoch geholfen haben.
Nick ermittelt in düster-blassen Bildern am gegenwärtigen Fall, hat aber gleichzeitig mit der Vergangenheit zu kämpfen. Was hat der mutmaßliche Triebtäter, der mit dem Verschwinden seines Bruders in Verbindung gebracht wurde, aber mangels Beweise noch immer frei ist und Nick seit Jahren verhöhnt, mit der Sache zu tun?

die-behandlung

Ähnlich wie SIEBEN zeigt DIE BEHANDLUNG zunächst nur Tatorte und Opfer aber keine Gewalttaten und lässt der Fantasie des Zuschauers viel Platz. Erst als der Täter erneut zuschlägt wird das Gezeigte deutlicher.
Deutlicher, aber nicht plakativ. So erleben wir das tagelange Martyrium einer Frau, die in Handschellen in einen Raum eingesperrt ist, unwissend, was der Täter in den anderen Räumen mit ihrer Familie anstellt und ihre Notdurft direkt unter sich verrichten muss. Trotzdem ist es das Nichtwissen, was nebenan vor sich geht, das uns mitnimmt.
Nicht weniger einschneidend ist eine Szene in der Nick eine Reihe Kinderpornos durchforstet. Auch wenn natürlich nur in Ansätzen gezeigt wird, was auf diesen Tapes geschieht, ist dies Stoff für allzu reale Alpträume.

Wie nah an der Realität DIE BEHANDLUNG insgesamt ist, kann nur gemutmaßt werden, aber zumindest wirkt der Film über weite Strecken authentisch. Die titelgebende Behandlung (die erst spät ins Spiel gebracht wird) scheint dann aber doch zu sehr der Fantasie Mo Hayders entsprungen. Gleiches gilt für eine Art des Missbrauchs des Täters, die zwar besonders grausig erscheint, aber ins Reich der Legenden verwiesen werden darf.

die behandlung

Man mag auch der Meinung sein, dass die Darstellung von Pädophilen manchmal zu klischeehaft ist, die Zeichnung des Ermittlers ist es hingegen nicht. Nick nimmt sich den Fall zu Herzen, teilt aus, aber muss auch gewaltig einstecken, geht an persönliche und juristische Grenzen, aber ist weder Übercop noch Draufgänger.

100% rund ist der Film nicht, aber das ändert auch nichts daran, dass man sich nach einem süß-sauren Ende erst mal duschen möchte.

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