Review: DIE HÖHLE (2014)

die höhle - la cueva
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 4.5

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3.9/10 (36)

Darsteller: Marta Castellote, Xoel Fernández, Eva García-Vacas
Regie: Alfredo Montero
Drehbuch: Javier Gullón, Alfredo Montero
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Dem einen oder anderen wird es bereits passiert sein, dass er auf den Balearen verloren ging. 99% der Vermissten werden am nächsten Morgen in der Nähe des Ballermanns gefunden, die restlichen werden in einer Höhle auf dem beschaulichen Formentera vermutet.

Dorthin zieht es fünf Freunde, die das Festland hinter sich lassen und in der Wildnis der kleinen Insel Urlaub machen wollen. Zelten, Wandern und Lagerfeuer steht für die Backpacker auf dem Plan, außerdem ein paar Drogen, dumme Sprüche und Nacktbaden. Als sie in der Nähe des Meeres eine Höhle entdecken, können sie nicht wiederstehen und gehen hinein, doch unter der Oberfläche existiert ein riesiges Labyrinth, das die Gruppe in den Wahnsinn treibt. Wenn sie überleben wollen, müssen sie zu drastischen Mitteln greifen.

die höhle - la cueva

Da die DVD-Hülle kein Geheimnis daraus macht, wollen wir das auch nicht: hier geht es um Kannibalismus. Das weckt in Verbindung mit dem unterirdischen Gefängnis Erinnerungen an HUNGER. Ein anderer Vergleich, der sich aufdrängt ist natürlich Neil Marshalls Meisterwerk THE DESCENT. Auch dort wurde schon mit Kameras experimentiert, die die Höhlenforscherinnen dabei hatten, die HÖHLE ist (bis auf eine Szene) sogar komplett im Found Footage Stil.
Bis sich die Freunde in die Grotte begeben, quälen wir uns allerdings durch ein belangloses Viertel des Films, das theoretisch dafür genutzt werden sollte, die einzelnen Charaktere etwas vorzustellen, vielleicht sogar Sympathien aufzubauen, aber statt ein paar selbstgedrehten Zigaretten, Kleine-Buben-Streiche (unter der Klotür durchfilmen, hihi) und haarigen Ärschen (wo ist der Jugendschutz, wenn man ihn mal braucht) nichts vernünftiges auf die Reihe bringt. Man kann also direkt zur Höhle skippen und wird selbst dann noch mit banalem Gerede belästigt.

die höhle - la cueva

Das legt sich, als den Abenteurern klar wird, dass sie sich verirrt haben und die Urlaubsstimmung in mehr oder minder intensive Panik umschlägt.
Sicher, die Enge einer Höhle kann beklemmend und die Dunkelheit beängstigend sein, das alleine reißt aber nur in wenigen Szenen mit. Die vereinzelt eingestreuten Schockmomente (ein weiterer Streich; eine Ratte) wirken bemüht und die Chance mit den Protagonisten mitzufiebern hat sich die HÖHLE verbaut, indem uns eine Bande von Langweilern oder Unsympathen vorgestellt wurde.

Ja, es muss schrecklich sein, dort unten eingesperrt zu sein, ohne Essen und nur mit versalzenem Meerwasser, vielleicht ist es sogar nachvollziehbar, dass Menschen früher oder später zum Kannibalen werden, dass man damit aber nicht einmal wartet bis der einzige Akku der Kamera leer ist, spricht entweder für den enormen spanischen Hunger oder die enorme Lebensdauer spanischer Batterien.

die höhle - la cueva

All diesen Unkenrufen zum Trotz, legt der Film zum letzten Akt hin noch eine Schippe zu und kann sich so in die Mittelmäßigkeit retten. Hier wird dann die Kamera bzw. deren Nachtsichtfunktion endlich auch mal sinnvoll eingesetzt.

Auch wenn DIE HÖHLE sicher seine Fans finden wird, bleibt er doch hinter dem in Spanien üblichen Anspruch von spannenden Geschichten und/oder interessanten Charakteren zurück.
Dem Verfasser dieser Zeilen sind durch den Film 2 Dinge klar geworden:
1) ich sollte mir mal Formentera ansehen
2) ich sollte mal wieder THE DESCENT sehen

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