Review: DOG SOLDIERS (2002)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.0

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7/10 (1)

Darsteller: Sean Pertwee, Kevin McKidd, Emma Cleasby
Regie: Neil Marshall
Drehbuch: Neil Marshall
Länge: 101 min
Land: , ,
Genre: ,
Veröffentlichung: 2003; 14. März 2019 (4-Disc-Mediabook)
Verleih/ Vertrieb: Universum
FSK: ab 16

Neil Marshall gehört zu den vielseitigeren Regisseuren der letzten anderthalb Jahrzehnte. THE DESCENT ist ein doppeldeutiger, aber grundsätzlich klassischer Horrorfilm, DOOMSDAY wandte sich der Endzeit zu, CENTURION war ein brutaler Abenteuerfilm zur Römerzeit und nach einer längeren Zeit, in der er vor allem fürs Fernsehen (u.a. GAME OF THRONES) arbeitete, werkelt Marshall aktuell am nächsten HELLBOY-Streifen. Der erste seiner Spielfilme war aber DOG SOLDIERS und wir haben uns den noch mal vorgeknöpft.

Eine kleine Gruppe Soldaten ist auf Manöver im schottischen Hochland. Dort sollen sie gegen eine Spezialeinheit „kämpfen“, müssen jedoch feststellen, dass diese Männer bis auf einen schwer Verwundeten allesamt getötet wurden und sie selbst in Gefahr sind. Mit großer Mühe können sie sich in einem Farmhaus verschanzen, aber die Bestien, die durch die Wälder streifen, können nicht von normalen Kugeln aufgehalten werden.

Man muss die Sache wohl nicht mit künstlicher Spannung aufblasen, DOG SOLDIERS ist ein lupenreiner Werwolffilm, bei dem die pelzigen Monster allerdings keine im Rollstuhl sitzenden Jungen (DER WERWOLF VON TARKER MILLS) oder Blinden (LATE PHASES) als Gegner vorfinden, sondern eine Gruppe Männer, die sich aufs Überleben verstehen.

Das ist mal was anderes, am vorläufigen Ergebnis ändert das aber wenig und damit kommen wir eigentlich auch schon zur Schwäche des Films. Die Werwölfe kümmern sich wenig um gewöhnliche Waffen, was auch den Männern rasch bewusst wird. Umso mehr wundert es, dass die Wölfe nicht einfach nach drinnen marschieren und sich am menschlichen Buffet bedienen.

Der gesamte Überlebenskampf, das Feuern von automatischen Waffen, Feuer, Flammen, Explosionen, ist daher zwar ein hübsches optisches Beiwerk, da in der Werwolf-Logik aber nur Silber den Unterschied macht, ansonsten aber überflüssig.

Dies ist nicht das einzige Problem des Films, dessen Soldaten eben nicht wie Soldaten wirken, sondern wie Schauspieler, die sich nicht lange genug auf ihre Rolle vorbereiten konnten. An anderer Stelle schleichen sich im Schnitt Anschlussfehler ein, Wunden wirken teilweise künstlich und auf eine vollständige Wolf-Verwandlung a la AMERICAN WERWOLF wird (wohl aus Budgetgründen) komplett verzichtet. Logik ist ebenfalls nicht Stärke des Films, (Spoiler) denn warum sollte jemand zunächst mit den Soldaten gegen die Wölfe kämpfen, wenn er selbst einer ist? Spoilerende.

All diese Mängel hätten reichen können, um dem Film das Genick zu brechen und die damals junge Karriere des Regisseurs frühzeitig zu beenden. Allerdings sind auch Qualitäten zu entdecken und dass das Werk oft roh wirkt wie ein englisches Steak, steht ihm gut. Die Wölfe sehen nicht albern aus, was in Werwolf-Filmen keine Selbstverständlichkeit ist und DOG SOLDIERS spart sich Teenie-Themen aus. Dafür gibt’s eine ordentliche Schippe Härte und Action. Der bekannte britische Humor hebt sich hier und dort von der nasskalten Umgebung ab, meist regiert aber Ernsthaftigkeit.

Detail am Rande: Wo Marshall in THE DESCENT fast ausschließlich Frauen auftreten ließ, sind es in DOG SOLDIERS bis auf eine Ausnahme nur Männer. Das ist freilich kein Qualitätssiegel, legt man den Nachfolgefilm THE DESCENT aber daneben, fällt auf, dass er in nahezu allen Belangen runder wirkt. Daher sollte jemand, der DOG SOLDIERS noch nicht kennt, darin einen vernünftigen ersten Versuch sehen, aber nicht als „kompletten“ Film betrachten.

 

 

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