Review: DOGMAN (2018)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.0

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Darsteller: Marcello Fonte, Edoardo Pesce, Nunzia Schiano
Regie: Matteo Garrone
Drehbuch: Ugo Chiti, Matteo Garrone, Massimo Gaudioso
Länge: 98 min
Land:
Genre:
Veröffentlichung: 01. März 2019 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Alamode
FSK: ab 16

 

Wenn wir an dieser Stelle in der Vergangenheit über italienische Filme sprachen, waren es natürlich meist Horrorfilme und die jüngere Generation dieser Streifen kam selten gut weg.
DOGMAN ist kein Horrorfilm….und siehe da, es geht doch.

Irgendwo in Italien lebt Marcello in einer heruntergekommenen Küstenstadt und arbeitet als Hundefriseur. Er liebt seine Arbeit und seine Tochter und ist Teil der Gemeinschaft. Trotzdem ist der schmächtige Mann krummen Geschäften nicht abgeneigt. Er nimmt Drogen und hilft Kumpel Simoncino bei Einbrüchen. Doch der erweist sich als undankbarer Geselle, der nicht nur die Stadt terrorisiert, sondern für Marcello zur existenzgefährdenden Bedrohung wird.

Jeder kennt Simoncino.
Er ist der Rowdy auf dem Schulhof.
Er ist das Gegenstück in deiner Beziehung, in der nur einer gibt und der andere ausschließlich nimmt.
Er ist dein Kollege, der dich immer um Hilfe bittet und dann vor dem Chef so tut, als wäre es sein Verdienst.
Natürlich könnte er gerade in einem italienischen Film als Synonym für die Mafia stehen, aber lobenswerterweise ist DOGMAN kein Gangsterfilm, wie man ihn oft gesehen hat, sondern vor allem eine Geschichte über eine vergiftete Freundschaft.

DOGMAN ist ein Drama, das zwar Brutalität enthält, diese aber primär im letzten Filmdrittel unterbringt. Bis dahin lernen wir natürlich den gutmütigen Marcello kennen, der nicht in allen Belangen ein Lamm ist, aber eher wie ein Mitläufer wirkt, der gelernt hat, sich dem Recht des Stärkeren zu unterwerfen. Sein Verhältnis zum ehemaligen Boxer und Rüpel Simoncino ist zwiegespalten. Er hat ihm nichts entgegenzusetzen, schon gar nicht physisch und scheint eine Mischung aus Angst und Respekt vor ihm zu haben.
Er rettet ihn, als er angeschossen wird und trotz furchtbarer Konsequenten lügt er für ihn, als ein Einbruch schief geht. Doch irgendwann hat jeder genug…..

Liest man den Pressetext zum Film, kann man leicht den Eindruck gewinnen, dass Marcello einen fein inszenierten Racheplan schmiedet, womöglich sogar selbstgefällige, überzogene Revenge-Szenen beinhaltet, aber sorry, dies ist keine Feelgood-Story.
Der komplette Film wirkt organisch und das gilt selbst für die vermeintlichen Widersprüche in Marcellos Verhalten.
Dass an der Geschichte und dem Drehbuch ganze 10 (!!) Autoren feilten, sorgt normalerweise für heilloses Durcheinander, DOGMAN merkt man dies aber nicht an.

Es hätte dem Film (womöglich) gut getan, wenn man Simoncinos Verhalten mehr durchleuchtet hätte. So glaubwürdig seine Rolle als gewalttätiger Kleinstadt-Bully angelegt ist, so einseitig ist sie auch. Allerdings soll Marcello eindeutig im Vordergrund stehen, der von Marcello Fonte wunderbar gespielt wird (Fonte wurde in Cannes und diversen anderen Festivals für seinen Part geehrt). Spätestens wenn er nach einem Einbruch bei dem seine Komplizen einen Hund ins Tiefkühlfach legen, noch mal zum Tatort zurückkehrt, um das Tier zu retten, muss man seinen Charakter lieben…und umso tragischer ist es, ihm zuzusehen, wie er sich in übertriebener Loyalität übt und ihm sein Leben entgleitet.

Fazit: Drogen, brutale Schläge und Mord…am Ende zählt in DOGMAN aber der Mensch.

 

 

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