Review: DREAM HOME (2010)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.0

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9.7/10 (33)

Darsteller: Josie Ho, Ching Wong, Helen To
Regie: Ho-Cheung Pang
Drehbuch: Ho-Cheung Pang
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Es ist das alte Leid: ein sehenswerter Splatter-/Gore-Film kommt zu uns nach Deutschland und wird soweit zusammengeschnitten wie die Gartenhecke des Nachbarn.
Uns lag zur Begutachtung eine ungeschnittene Version von DREAM HOME vor, die 4 min. kürzere Kaufversion lässt aber erahnen, dass nicht nur auf dem Bildschirm geschnitten wird.

Der Film beginnt dann auch mit einem überaus grafischen Mord an einem Wachmann eines Apartmenthauses. Die Killerin ist Cheng Lai – Sheung, eine junge Frau, die im normalen Leben für eine Bank arbeitet. Während sich Cheng durch das Gebäude mordet, erfährt der Zuschauer in Rückblenden mehr über die Person und ihre Motive, deren größter Wunsch es ist eine Wohnung im überteuerten Hong Kong zu erwerben.

Es sind die überraschend feinfühligen Rückblenden, die DREAM HOME von vielen anderen stumpfen Splatter-Werken abheben. Wir lernen Cheng als Mädchen kennen, das mit ihrer Familie aus ihrer alten Bleibe vertrieben wurde; ihren Großvater, einen Seemann, der sich eine Wohnung mit Meerblick wünscht. Wir erleben wie hart Cheng später für ihren Traum arbeitet, was sie bereit ist zu tun und wie sie kurz vor dem Ziel enttäuscht wird.
Dieser Teil hat zunächst wenig mit den brutalen Morden zu tun, sondern könnte fast als eigenständiges Drama durchgehen, natürlich ist aber hier die Erklärung für das Blutbad zu finden, das die junge Frau anrichtet.dream home splatter

Bleibt die Frage, warum all diese Menschen sterben müssen. Soviel sei verraten, wer sich die Zeit nimmt Cheng kennenzulernen, anstatt die Rückblenden zugunsten der Gore-Szenen zu überspringen, weiß, dass sie überlegt agiert und die Morde kein unüberlegter Amoklauf einer Verwirrten sind.

Die Morde selbst sind einwandfrei und ausgiebig in Szene gesetzt. Zwar gilt auch hier, dass man bemüht kreativ sein will, doch ist die Umsetzung ausgezeichnet. Wachpersonal, Drogendealer, sogar schwangere Frauen zählen zu den Opfern, deren Todeskämpfe teilweise minutenlang andauern und meist ebenso lang gezeigt werden.

Etwas fraglich ist, warum die Tötungen zunächst sehr ernst wirken und eine realistische Brutalität ausstrahlen, dann aber zunehmend in Fun-Splatter abdriften. Man könnte denken, die Macher des Films wollten damit Chengs zunehmend gute Laune ausdrücken.
Die junge Frau ist kein übermenschlicher Maskenmann, sondern gerät selbst einige Male in Bedrängnis, agiert aber stets überaus kaltblütig.
Dennoch kann man als Zuschauer kaum anders, als Verständnis und sogar etwas Sympathie für die Dame aufzubringen.

Angeblich beruht der Film auf wahren Begebenheiten, es ist jedoch davon auszugehen, dass sich der Wahrheitsgehalt auf die schwierige Wohnsituation in Hongkong beschränkt. Darüber etwas zu erfahren, ist als Nebeneffekt aber nicht uninteressant.

Ungeachtet der möglichen geschnittenen Szenen ist DREAM HOME wunderbarer Beitrag des Asien-Horrors und zählte zu den besseren Filmen des Jahres 2011 und ist bis heute unterbewertet.

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