Review: EISKALTER ENGEL (2015)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 4.5

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3.5/10 (16)

Darsteller: Katelyn Tarver, Tamara Duarte, Nicki Aycox
Regie: Curtis Crawford
Drehbuch: John Serge
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Genre: ,

Das Label Tiberius Film hat in den letzten Jahren eine positive Entwicklung vollzogen. Während dort früher fast ausschließlich B- Ware zu finden war, veröffentlichten die Münchner in letzter Zeit zum Beispiel WYRMWOOD, AMONG THE LIVING, KILLERS oder WARTE, BIS ES DUNKEL WIRD. Was man sich aber mit EISKALTER ENGEL erlaubt, ist schlichtweg unprofessionell und sicher nicht im Sinne des Käufers.

Man kann darüber hinwegsehen, dass der Titel natürlich nur ein Abklatsch des Sarah Michelle Gellar – Films EISKALTE ENGEL ist und Assoziationen wecken soll (selbst die Schriftart ist die selbe), aber schon damit stellt man klar, dass man sich lieber ins (späte) Fahrwasser eines bekannten Streifens gibt, statt etwas eigenes zu vermarkten.
Außerdem wäre man gerne erotisch und gefährlich. Das suggeriert zumindest das Cover, das eine messerschwingende Blondine mit Doppel-D-Oberweite zeigt. Problem: Weder Dame noch Messer kommen in EISKALTER ENGEL vor…ebensowenig die Sexszene, die auf der Rückseite des Covers zu sehen ist.
Damit nicht genug, die Inhaltsangabe auf dem Backcover spricht von einem Sextape und einem Einschleusen in eine Studentenverbindung…NICHTS DAVON STIMMT!!
Zu guter Letzt wäre da noch der blaue FSK 16 – Aufkleber auf dem Cover. Hier haben wir es mit einem beliebten Trick zu tun, der immer dann zum Einsatz kommt, wenn der Film härter erscheinen soll, als ihn die Jugendschützer eingestuft haben. EISKALTER ENGEL hat eine „ab 12“-Freigabe, lediglich ein Trailer im Bonusmaterial hat die höhere Einstufung, weswegen die ganze Disc „ab 16“ ist.

eiskalter engel tod college

All das täuscht uns vor einen erotischen Thriller mittelharter Gangart vor, tatsächlich ist EISKALTER ENGEL ein TV-Film um Neu-Studentin Natalie, die in eine exklusive Verbindung aufgenommen werden möchte, dafür aber einen jungen Herren verführen soll. Bevor es dazu kommt, wird der Mann unter Drogen gesetzt, gefilmt und verhöhnt und stirbt bei einem Autounfall.
Nun muss sich die aufrechte Natalie selbst gegen die Intrigen innerhalb der Verbindung zur Wehr setzen.

„Verführen“, das heißt hier Küssen und was die Inhaltsangabe des Covers als „erotisches Video“ bezeichnet, zeigt nur einen jungen Typen, der offenbar zu viele Hasch-Brownies gefuttert hat und von ein paar College-Chicks ausgelacht wird.
Man mag EISKALTER ENGEL in Ermangelung von Alternativen als Thriller bezeichnen, immerhin gibt es ein paar Intrigen und einen Toten, aber nicht einmal der Tötungsvorsatz ist gegeben.

eiskalter engel dead on campus

Für sich genommen ist der Film aber nicht einmal übel. Auch wenn klar ist, dass Natalie in einem Slasher das jungfräuliche Final Girl wäre, sind die Figuren weniger banal als in manch anderen Collegefilmen, wir erfahren ein paar Hintergründe und einen ordentlichen Soundtrack gibt es auch. An anderen Stellen, vor allem dem Alles-wird-gut-Ende, ist dann aber doch seichte Fernsehunterhaltung gegeben.
So schippert das Werk irgendwo zwischen Thrillerchen und Familienfilm dahin und jeder, der sich von der Verpackung hat in die Irre führen lassen, wird mindestens verwirrt, eher aber enttäuscht sein.

Eigentlich bräuchte dieses Review zwei Bewertungen, eins für den Film, eins für die Vermarktung, da die Macher auf letzteres keinen Einfluss hatten, ignorieren wir es in der Punktevergabe. Für Freunde harter und spannungsgeladener Filmkost ist EISKALTER ENGEL aber so oder so uninteressant.

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