Review: EVIDENCE (2011)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 4

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4.2/10 (88)

Darsteller: Ryan McCoy, Brett Rosenberg, Abigail Richie
Regie: Howie Askins
Drehbuch: Ryan McCoy
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Genre: ,

Found Footage…(noch) angesagt? Oder Schnee von gestern?
Dass der vielleicht beste Found Footage Filme des letzten Jahres END OF WATCH war, der zwar hart, aber weder als Horrorfilm noch als Thriller, sondern als Cop-/Ghetto-Milieustudie daherkam, spricht Bände. Zumindest im Düstergenre mangelt es an Ideen und daran ändert auch EVIDENCE nichts.

Vier Freunde wollen campen gehen. Dass einer von ihnen zum ersten Mal den Schritt in die Wildnis wagt, ist Anlass genug, jeden Schritt für eine Doku mit der eigenen Kamera festzuhalten. Das was der Gruppe im Wald begegnet, ist aber tatsächlich eine Aufnahme wert und es braucht nicht lange, bis aus einem schlechten Gefühl pure Panik wird.

Wer junge Menschen mit Wackelkamera in die Natur schickt, sollte Vergleiche mit BLAIR WITCH PROJECT nicht scheuen, zumal auch EVIDENCE mit winzigen fianziellen Mitteln entstand, doch wo der Genreklassiker auf dichte Atmosphäre und sorgfältig verdichtendes Grauen setzte, schickt EVIDENCE erst mal Brüste und Ärsche ins Rennen, jagt ein paar dumme Sprüche hinterher, wirft einen seltsamen Fremden dazu, der plötzlich bewaffnet am Lagerfeuer auftaucht und lässt eigenartige Gestalten durchs Bild huschen.

Während klar denkende Menschen spätestens jetzt das Weite suche würden (eine Option, die es in BLAIR WITCH PROJECT nicht gab), treffen unsere Helden stets die falsche Entscheidung. Statt mit dem Wohnmobil die Heimreise anzutreten oder wenigstens Hilfe zu holen, harrt man unnötig lange aus. Statt in einem sicheren Unterschlupf zu bleiben, wirkt ein Sprint durch den dunklen, unbekannten Wald einladend. Statt sich zu verstecken, leuchtet man mit dem Kameralicht den Weg…sich selbst und den Verfolgern.
Wenn diese Protagonisten vor zwei Türen mit der Aufschrift „Sicherheit“ und „Sicherer Tod“ stehen, finden sie sicher ein gutes Argument die falsche zu nehmen.

Nun ist aber nicht alles schlecht an EVIDENCE. Zum einen (SPOILER) verlässt man zunehmend den Pfad der Blair Hexe und hetzt die überlebenden Camper mit 8000 Umdrehungen durch die Nacht, was zum anderen eine fast Ego-Shooter-mäßige Optik annimmt und trotz des kleines Budgets gut aussieht.
Außerdem ist die Ich-Perspektive immer noch beklemmend und für ein paar Schocks gut, auch wenn man nur erahnen kann, wovor wir uns eigentlich erschrecken. Eine echte Erklärung liefert der Film jedenfalls nicht.

Fazit: Vor 15 Jahren wäre EVIDENCE eine große Sache gewesen, heute aber nur Leuten zu empfehlen, die ganz und gar auf Originalität pfeifen.

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