Review: EVIL DEAD (2013)

Evil Dead
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 10.0

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7.4/10 (129)

Darsteller: Jane Levy, Shiloh Fernandez, Lou Taylor Pucci
Regie: Fede Alvarez
Drehbuch: Rodo Sayagues, Fede Alvarez
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FSK:

32 Jahre nach Sam Raimis THE EVIL DEAD / TANZ DER TEUFEL, macht sich der junge Fede Alvarez auf, die gewaltigen Fußstapfen zu füllen, die das Werk seinerzeit hinterlassen hat.
Ein Remake des Films soll es werden und nicht nur schaut ihm die ganze Horrorwelt von Anfang an auf die Finger, sondern sein Auftraggeber ist ausgerechnet Raimi selbst, der dem Mann aus Uruguay, der bisher nur ein paar Kurzfilme vorzuweisen hat, offenbar zutraut die Aufgabe zu meistern.
Die Neugier in der Fangemeinde ist groß, die Skepsis aber auch, doch als der erste EVIL DEAD – Trailer mit überraschender Härte die Runde macht, ist es vor allem Vorfreude, die sich ausbreitet, damit aber auch eine gefährlich hohe Erwartungshaltung.

evil dead

Aber zunächst zum Inhalt:
Um ihre Freundin Mia bei dem Versuch zu unterstützen von ihrer Drogensucht loszukommen, treffen sich vier Freunde in einer alten Waldhütte. Die anderen wissen, dass nur ein kalter Entzug in der Einsamkeit sie davor bewahren wird, sofort rückfällig zu werden.
Als die Gruppe im Keller der alten Hütte Tierkadaver und ein eigenartiges Buch finden, das voller seltsam klingender Verse ist, entfesseln sie damit in den Wäldern etwas schreckliches und allzu schnell wird ihnen klar, dass sie mit allen Mitteln um ihr Leben kämpfen müssen, wenn sie den nächsten Morgen erleben wollen.Evil Dead

Neu ist an dieser Stelle zunächst das Drogenproblem und damit einhergehend einige familiäre Spannungen zwischen Mia und ihrem ebenfalls anwesenden Bruder David. Keine dumme Idee, denn die Thematik steht der weiteren Handlung nie im Wege, erschafft aber eine Metapher in der das Bekämpfen von Dämonen eine zweite Bedeutung erhält.

Nicht nur an dieser Stelle werden Fans des „alten“ Films einerseits stets wissen, worauf sich EVIL DEAD bezieht, mitunter aber auch feststellen, dass Elemente neu angeordnet oder hinzugefügt wurden. Wir bekommen die Kettensäge zu Gesicht, die bekannten Kamerafahrten, die Falltür, das Medaillon und einige andere Dinge, die uns bekannt vorkommen. Dabei bedient sich der Film nicht nur bei TANZ DER TEUFEL, sondern auch dessen Fortsetzung. Da TANZ DER TEUFEL 2 ohnehin selbst ein Stück weit als Remake zu sehen ist, ist auch dieses Vorgehen schlüssig.

Evil Dead

Auf der anderen Seite hat man nie den Eindruck, dass der Schatten der Originale den Film belastet, sondern höchstens eine willkommene Inspiration darstellt. Ja, wir haben es hier eindeutig mit einem Remake zu tun, aber einem, das sich die Freiheit nimmt, Änderungen vorzunehmen, wenn es einen Sinn ergibt und dass Publikumsliebling Ash völlig fehlt, fällt nicht mal auf.

Eine größere Frage im Vorfeld war aber: Wird das Remake die Kompromisslosigkeit des Originals halten oder als weichgespülte FSK 16 Fassung an den Start gehen?
Produzent Raimi machte schon früh klar, dass es nur einen Weg geben kann, um dem Mythos EVIL DEAD Tribut zu zollen und der ist hier klar nach vorne. Der Film hat eine FSK 18 – Freigabe erhalten und man kann jedem nur raten ins Kino zu gehen, denn zum einen werden euch eure Enkelkinder eines Tages darum beneiden, zum anderen hatte die FSK wohl einen guten Tag und es steht außer Frage, dass dem Remake fürs Heimkino ein ähnliches Schicksal droht wie dem Original (Schneiden oder Index).
Wo Raimi seinerzeit noch Funken von Humor einbaute, bleibt Alvarez‘ Verfilmung fast immer ernst. Erst im Finale schleicht sich etwas Over-The-Top-Action ein, was nach Gallonen von Blut, Urin und Erbrochenem aber kaum noch auffällt.

Evil Dead

[quote]I can smell your filthy soul[/quote]

Sucht man mit Gewalt das Haar in der Suppe, mag man kritisieren, dass der Film etwas mehr vom Leben seiner Protagonisten preisgibt und eine Vorgeschichte anreißt, auf die Raimi damals verzichtete.
Der Wald wirkt teilweise beinahe märchenhaft unrealistisch, was entfernt an die Welten eines Tim Burton erinnert (aber auch am Drehort Neuseeland liegen könnte) und die Hütte sieht so schmutzig aus, als würde ein Franzose darin wohnen.

Zu diesen Details mag man stehen wie man möchte, sie sollten aber keinen Horrorfan abhalten, sich EVIL DEAD anzusehen, zumal hervorzuheben ist, dass der größte Teil der Effekte augenscheinlich wie angekündigt handgemacht ist und selbst dort wo sich der Verdacht aufdrängt, dass ein Rechner im Spiel sein muss, sehr sauber gearbeitet wurde.

Dieses Meisterwerk bietet Hochspannung UND härtesten Splatter, erfüllt damit jede Erwartung und wird wie das Original auch in 30 Jahren noch von Relevanz sein.

PS: Dass selbst abgebrühte Pressevertreter nach der Vorführung auf ihre nächste Mahlzeit verzichten wollten und davon berichteten das ein oder andere Mal weggesehen zu haben, spricht auch für sich.

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