Review: FREDDY/EDDY (2016)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 6.0

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7/10 (1)

Darsteller: Felix Schäfer, Jessica Schwarz, Greta Bohacek
Regie: Tini Tüllmann
Länge: 90 min
Land:
Genre: ,
Veröffentlichung: 06. September 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: EuroVideo
FSK: ab 16

Der deutsche Film, die Geschichte einer Hassliebe.
Während die einen dem deutschen Kino einen mitleidigen Behindertenausweis ausstellen und bei einem Vergleich attestieren, dass  „er für einen deutschen Film“ (und offenbar nur das) ganz gut sei, wollen andere wissen, dass Deutschland überhaupt keine guten Filme machen kann. Wieder andere feiern offenbar alles, aber auch echt alles, wenn es nur irgendwie deutsch ist.
Die Wahrheit liegt wie so oft dazwischen und auch wenn FREDDY / EDDY etwas ganz anderes ist, als der zuletzt kontrovers aufgenommene HEILSTÄTTEN, wird auch er auf Sympathie und Ablehnung stoßen.

Inhalt:
Freddy steckt in einer Krise. Es wird beschuldigt seine Frau und deren Lover verprügelt zu haben, nachdem er diese in flagranti beim Schäferstündchen erwischte. Um seinen Sohn weiterhin sehen zu dürfen, gesteht er die Schuld ein.
Freunde macht man sich damit nicht und nur sein Halbbruder David steht ihm bei. Zu dieser Zeit taucht aber auch Eddy in seinem Leben auf, sein imaginärer Freund aus Kindertagen.
Anfangs ist der aufgeweckte Eddy, der wie Freddy aussieht, eine willkommene Abwechslung, doch er wird rasch zum Problem.

Die Fragen, die der Film aufwirft: ist Eddy wirklich Einbildung? Ist er Teil Freddys Persönlichkeit? Ist er Freddy selbst? Ist es ein realer Mensch?
Fakt ist, dass nicht nur Freddys Frau verprügelt wird, sondern sich in seiner Umgebung Gewalttaten häufen und er selbst bald Einbildung und Realität zu hinterfragen beginnt.

Fragen über Fragen und diese halten sich über weite Teile des Films. Immer wieder werden neue Denkansätze eingestreut, so zum Beispiel von Freddys dementer Mutter, die einen weiteren Bruder erwähnt. Aus diesem Rätselraten zieht das Werk dann auch seine Spannung und obwohl es hier und da mal brutaler zugeht, reden wir hier sicher nicht über einen Horrorfilm sondern einen Mystery-Thriller.

FREDDY/EDDY wirkt kühl, was zwar zur kalten Winterwitterung passt, allerdings weniger stimmungsvoll als vielmehr unnahbar und dadurch immer etwas ungemütlich. Allerdings scheinen die Schauplätze im ländlichen Bayern authentisch und das ohne permanent die Bayern-Klischees zu bemühen.

Felix Schäfer ist der Hauptdarsteller des Streifens und das in der Doppelrolle der beiden Titelfiguren. Die ganz großen Namen des deutschen Films findet man hier nicht, aber zum Glück kann Til Schweiger nicht überall sein und Nebendarsteller wie Jessica Schwarz (DIE TÜR) oder Robert Stadlober (DIE FRAU HINTER DER WAND) kann man trotzdem kennen.

Was aber fehlt, ist das gewisse Etwas, das der ähnlich gelagerte und ebenfalls deutsche STEREO auffuhr. FREDDY/EDDY ist sichtbar bemüht die große Identitätsfrage aufrecht zu erhalten, was ihm auch gut gelingt, er scheint dabei aber manche Details zu vergessen und alles Bemühen kann auch nicht verhindern, dass zum Zeitpunkt der Auflösung rückblickende Fragen auftreten.
Übrigens: neben STEREO erinnert das Werk auch an Stephen Kings STARK.

Übel wird’s, wenn der Film eine Verfolgungsjagd auf einem Holzschlitten angeht. Das soll wohl Action simulieren, ist aber nur Wasser auf die Mühlen derer, die deutsche Filme nicht mögen.

Fazit: Unterm Strich ist FREDDY/EDDY aber ein ansehnliches Rätselraten geworden. Ein deutscher Film, der selten versucht nach großer weiter Welt zu riechen, aber daher manchmal einen biederen Eindruck macht.

 

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