Review: GHOUL (Serie) (2018)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.0

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4/10 (1)

Darsteller: Radhika Apte, Manav Kaul, S. M. Zaheer, Ratnabali Bhattacharjee, Mahesh Balraj, Mallhar Goenka, Rohit Pathak, Rohit Pathak
Regie: Patrick Graham
Drehbuch: Patrick Graham
Länge: ca 45 Minuten
Land:
Genre:
Veröffentlichung: 24.08.2018
Verleih/ Vertrieb: Netflix
FSK: ab 16

Ghule kennen wir zumeist als ekelhafte Wesen, die in der Nacht auf dem Friedhof Leichen ausbuddeln, um diese dann genüsslich zu verspeisen. In arabischen Geschichten ähnelt der Ghul eher einem Dschinn, also einem Dämon der durch ein Ritual herbeigerufen wird. Während Dschinns den Menschen aber auch freundlich gesonnen sein kann, ist der Ghul immer gefährlich. Und genau um diese gefährlichen und brutalen Dämonen geht es in der Mini-Serie GHOUL, die seit dem 24. August 2018 auf Netflix zu sehen ist.

Inhalt von GHOUL

In einem totalitären Indien, das mit eiserner Härte vom Militär regiert wird, macht die junge Nida eine Weiterbildung zur Expertin in Verhörtechniken. Sie ist sehr regimetreu und so scheut sie sich auch nicht ihren Vater zu melden, der verbotene Bücher besitzt und als Lehrer seine Schüler*innen zu eigenständigem und kritischem Denken anregt. Nach der Festnahme ihres Vaters wird Nida in ein wichtiges Verhörzentrum beordert, wo sie fortan arbeiten soll. Kurz darauf wird ein angeblicher Terrorist in das Zentrum gebracht, der dort unter Folter befragt wird. Nida merkt schnell, dass mit dem neuen Gefangenen etwas nicht stimmt.

Resümee zu GHOUL

Die Mini-Serie hat drei Folgen, wobei jede in etwa 45 Minuten Laufzeit hat. Regisseur und Drehbuchautor Patrick Graham plante zunächst die Geschichte als Spielfilm zu zeigen, änderte während der Produktion jedoch seine Meinung und konnte mit Netflix eine Mini-Serie produzieren. Mit an GHOUL ist auch die Firma Blumhouse Productions beteiligt, die für Filme wie diePARANORMAL ACTIVITY-Reihe oder GET OUT mit verantwortlich ist.

Die Handlung von GHOUL kommt langsam in Fahrt. Beinahe die gesamte erste Folge wird darauf verwendet die Protagonistin Nida und das Regime vorzustellen. Das langsame Erzähltempo macht Sinn, wenn man alle drei Folgen gemeinsam betrachtet, kann aber als langatmig empfunden werden. Vor allem in der ersten Folge kommt manchmal die Frage auf, wann denn nun eigentlich was passiert und wo die angekündigten Ghuls bleiben. Hier merkt man, dass GHOULS zunächst als Film geplant wurde – in einem Film kann eine längere Einführung durchaus Sinn machen. In einer Serie führt es zu Verwirrung, wenn beinahe die ganze erste Folge nur Einführung ist. Es sei aber gesagt: Es lohnt sich nach der etwas langwierigen ersten Folge die Serie weiter zu verfolgen.

Wenn die Spannung in GHOUL angezogen wird, bleibt sie das auch. Nach der eher ruhigen ersten Folge steigt die Spannung stetig und lässt einen gebannt auf das Geschehen schauen. Neben ein paar Folterszenen gibt es vor allem unheimliche Momente, wenn der Ghul sein Wesen offenbart und grausame Morde verübt oder die Charaktere durch die dunklen Flure des Gebäudes verfolgt. Dadurch, dass der Ghul das Aussehen deren annehmen kann, die er gebissen hat, ist nicht immer klar, wer nun der Ghul ist und von wem die Gefahr ausgeht. Das ist sehr gut gemacht und lädt zum mitfiebern ein.

Neben der Haupthandlung mit dem Dämon gibt es noch die Entwicklung der Protagonistin Nida. Während sie zunächst als extrem regimetreu und ergeben gezeigt wird, ist deutlich zu sehen, dass sie ihre Sichtweise im Verlauf ändert. Während sie in der ersten Folge noch eher unsympathisch ist – immerhin hat sie ihren Vater verraten, der eindeutig sympathischer dargestellt wird – ist man nur etwas später auf ihrer Seite und hofft, dass sie dem Ghul entkommen kann.

GHOUL sieht hochwertig aus und entspricht nicht der klischeebehafteten Vorstellung, die man von indischen Filmen oder Serien oft hat. Statt farbenfrohen Tanzszenen mit Gesang gibt es Folterszenen in düsteren Kellerräumen und arabische Mythen. Die Schauspieler*innen sind allesamt gut und überzeugen in ihren Rollen. Die blutigen Spezialeffekte sind eher sparsam, dann aber überzeugend eingesetzt.

GHOUL ist die zweite indische Produktion auf Netflix und hat durchaus ihre Daseinsberechtigung. Statt Vampiren, Werwölfen oder Zombies hat man es mit Ghuls zu tun, die in westlichen Filmen und Serien eher spärlich vorkommen. GHOUL ist aber nicht nicht nur eine Mini-Serie mit Dämonen, sondern liefert auch einen politischen Kommentar in Bezug auf totalitäre und faschistische Staatsformen ab.

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