Review: GREEN INFERNO (2013)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 3.5

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6.6/10 (106)

Darsteller: Lorenza Izzo, Ariel Levy, Aaron Burns
Regie: Eli Roth
Drehbuch: Guillermo Amoedo, Eli Roth
Land:
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Da ist er also endlich, einer der am sehnlichsten, mindestens aber am längsten erwarteten Horrorfilme des Jahres…und schon der Vorjahre. Nachdem nun alle vertrieblichen Probleme geklärt sind, lässt Eli Roth die Kannibalen los und stellt sich damit in die kurze aber intensive Tradition von Filmen wie CANNIBAL HOLOCAUST.

War die Vorfreude auch groß, die Erwartungshaltung war es nach dem erst kürzlich veröffentlichten Roth-Film KNOCK KNOCK nur bedingt. Dort ging eine der Hauptrollen an Elis Gattin Lorenza Izzo, die in GREEN INFERNO ebenfalls die wichtigste Rolle übernimmt.
Parallelen zwischen Izzos Schauspiel und Roth‘ Filmen liegen auf der Hand: beide sind mehr fürs Auge als fürs Hirn.

Eli Roth‘ Hingabe ans Horrorgenre ist unumstritten und selbst CANNIBAL HOLOCAUST-Regisseur Ruggero Deodato gab Roth den Segen für einen Film, der kaum verstecken kann, wodurch er inspiriert wurde. Und warum auch? Menschenfressende Urwaldbewohner waren eine kurze cineastische Erscheinung der späten 70er / frühen 80er und es war verdammt noch mal an der Zeit, dass sich mal wieder jemand des Themas annimmt.
green-inferno

Doch leider ist Hingabe nicht das gleiche wie Talent und während sich Roth und Co-Autor Guillermo Amoedo (auch KNOCK KNOCK) in der ersten Filmhälfte um eine Story bemühen, die von einer Gruppe Studenten berichtet, die die Abholzung des Regenwaldes verhindern wollen (was auf erstaunlich einfache Weise gelingt), wird dem Film später jegliche Logik von den Knochen genagt.

Dabei etablieren die Autoren zunächst gleich zwei global bedeutsame Themen: die Vernichtung der Urwälder und die Beschneidung von Frauen. Letzteres ist sicher eine grausige Tradition, die aber in Südamerika eine sehr untergeordnete Rolle spielt, man kann aber früh erahnen, dass das zunächst nur in einer Uni-Vorlesung erwähnte Thema später noch praktische Relevanz erfährt.

thrillandkill green inferno

Wer nur Gore braucht, um von „gut“ zu sprechen, wird die zweite Hälfte von GREEN INFERNO sehr gut finden. So gut sogar, dass man sich wundert, warum die Jugendschützer keine Schnitte verlangten.
Ansonsten werden hier so sehr Klischees bedient, dass ich tatsächlich mit einem übermenschengroßen Kochtopf rechnete. Den gibt es nicht, aber dafür schier beliebig aneinandergekleisterte Handlungsstücke, lieblose Ausbruchversuche und den obligatorischen und völlig unmotivierten Bösewicht innerhalb der Opfergruppe.

Dass Roth Stereotypen nutzt, ist nichts neues, dass der Film trotz stattlichem Budget handwerkliche Probleme aufweist, verwundert aber. Dass der sogenannte Director’s Cut ausgerechnet schnitttechnische Defizite aufweist, ist als Vorlage für jede Kritik ja schon zu einfach.

Aber GREEN INFERNO ist auch verwirrend. Eben noch werden Umweltaktivisten von dutzenden authentisch aussehenden Indios ins Dorf geführt und ihre Angst ist so greifbar, wie man sich das in einem Horrorfilm nun mal wünscht. Keine 5 Minuten später hat eine von ihnen Magenprobleme, keine Klotür zum Abschließen und den angewiderten Gesichtern der anderen ist zu entnehmen, dass Dünnpfiff offenbar mindestens so schlimm ist wie Kannibalismus.

jack sparrow the green inferno

Original & Fälschung

Spätestens hier begann ich den bis dahin doch passablen Film nicht mehr ernst zu nehmen. Auch der Kannibalenstamm wirkt nur selten stimmig. Hier geschickte Jäger, dort Holzköpfe. Kaum etwas was sie tun ist plausibel, außer man ist Filmemacher und will möglichst viel Gewalt zeigen.
Dass die Anführer des Stamms schon von Körperbau und Gesichtszügen ganz und gar nicht zum Erscheinungsbild ihrer Untertanen passen und die Oberhexe aussieht wie die Mutti von Jack Sparrow, ist fast zu vernachlässigen, wenn ein Film dir erzählen will, dass man mit einem Beutelchen Gras, der zuvor im Bauch des nächsten Festmahls platziert wird, hunderte der Ureinwohner außer Gefecht setzen kann.
Wenn GREEN INFERNO eine Komödie wäre, wäre alles super, aber der meint das todernst.

Wäre der Film nicht gar so dumm, könnte man die die fragwürdige Botschaft unterstellen, dass es sich nicht lohnt den Urwald und seine Einwohner zu erhalten, weil ohnehin nur Böses darin wächst…aber so weit hat sicher keiner gedacht.

Fazit: Unfreiwillig lustiger Terror für Trottel…dann lieber ins RTL-Dschungelcamp.

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