Review: HÄNSEL UND GRETEL: HEXENJÄGER (2012)

Hänsel und gretel
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8

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6.9/10 (28)

Darsteller: Jeremy Renner, Gemma Arterton, Famke Janssen
Regie: Tommy Wirkola
Drehbuch: Tommy Wirkola
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Regisseur Tommy Wirkola kennt man vor allem für DEAD SNOW, der bekanntermaßen besten Fun-Splatter bot. Mit HÄNSEL UND GRETEL: HEXENJÄGER geht der Norweger den Weg von Sam Raimi und Peter Jackson weg vom harten Indie-Horror, hin zum großen Budget.
Dass Hollywood dazu neigt um jeden Preis ein möglichst großes Publikum anzuziehen ist kein Geheimnis, auch wenn das oft bedeutet, dass das Ergebnis oft synthetisch schmeckt.
Man durfte also gespannt sein, was Wirkola an neuer Wirkungsstätte zustande bringt.

Die ursprüngliche Geschichte von Hänsel und Gretel kennt natürlich jeder, ist diesmal aber nur der Einstieg, bevor wir die inzwischen erwachsenen Geschwister kennenlernen, die sich als Hexenjäger einen Namen machen.

Hänsel und Gretel Hexenjäger (1)

Als in Augsburg immer wieder Kinder verschwinden und Oberhexe Muriel im Schatten des Blutmondes Böses im Schilde führt, werden Hänsel und Gretel auf den Plan gerufen und erfahren dabei mehr über sich selbst und ihre Vergangenheit.

Dieser Film ist ein gutes Beispiel dafür, dass es auf die richtige Mischung ankommt.
Bekannte Darsteller wie Famke Janssen und Gemma Arterton spielen neben hierzulande unbekannten norwegischen Schauspielern, die der Regisseur offenbar gleich mit importiert hat oder dem aus vielen Horrorsteifen bekannten Derek Mears (FREITAG DER 13., AGGRESSION SCALE, HATCHET III), der einen Troll gibt.
Nun mag man behaupten, dass großes Können für einen solchen Film nicht von Nöten ist, doch es fällt auf, dass die Akteure mit dem nötigen Eifer und Spaß bei der Sache sind.

Hänsel und Gretel Hexenjäger (1)

Ein gesundes Verhältnis besteht auch in anderen Teilen des Films. So reiht sich furiose Popcorn-Action an überraschend deutliche Splatterszenen, die man bei aller Brutalität, die die Gebrüder Grimm niederschrieben, weder in einer FSK16-Freigabe, noch einem Mainstream-Film erwartet hätte.

Dabei mischt Wirkola, der auch das Buch schrieb, dem Film Zutaten bei, an die die Grimms Anfang des 19. Jahrhunderts sicher nicht dachten. Historiker dürften beim Gebrauch von vollautomatischen Waffen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber es ist ja nicht so, dass die Originalfassung des Märchens durch Realitätsnähe glänzte.

Hänsel und Gretel Hexenjäger (1)

Auch die Coolness mit denen Hänsel und Gretel zur Sache gehen, hätte man den beiden nicht zugetraut und dabei reden wir nicht mal von aufgesetzten Onelinern, sondern authentischer Lässigkeit, die immer wieder für einen Lacher gut ist.

Natürlich sollte der eingefleischte Horror-Liebhaber von einem Film wie diesem keine schlaflosen Nächte erwarten, wohl aber kurzweilige Unterhaltung, die Märchenfans ebenso anspricht wie Splatter-Nerds und das Grimmsche Universum um viele liebevolle Details erweitert. HÄNSEL UND GRETEL: HEXENJÄGER erweckt nie den Anschein, als handele es sich um die Auftragsarbeit eines großen Studios, sondern eine echte Herzensangelegenheit seiner Schöpfer.
Tommy Wirkola kann man jedenfalls attestieren, dass sein US-Debüt absolut gelungen ist, ohne dass er seine Wurzeln verleugnet.

Fazit: Fantastisches Kino für (fast) die ganze Familie.

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