Review: HALLOWEEN (2018)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 6.5

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6.8/10 (4)

Darsteller: Jamie Lee Curtis, Judy Greer, Andi Matichak
Regie: David Gordon Green
Drehbuch: David Gordon Green, Danny McBride, Jeff Fradley
Länge: 105 min
Land:
Genre:
Veröffentlichung: 25. Oktober 2018 (Kino)
Verleih/ Vertrieb: Universal
FSK: ab 16

Dass HALLOWEEN, den man je nach Sichtweise auch HALLOWEEN 2018, HALLOWEEN H40, HALLOWEEN Teil 11 oder HALLOWEEN 2 nennen könnte, ein Kassenschlager wird, war eigentlich abzusehen, wie erfolgreich er wird, aber nicht.
Schon am ersten US-Wochenende wurde an der 100 Mio $ – Marke gekratzt.
Wer die letzten Monate auf einem Einbaum im Atlantik trieb, dem sei noch mal verraten, dass der Film sämtliche bisherigen Sequels ignoriert und somit auch alle (ohnehin verwirrenden) Timelines der Loomis-Filme (2, 4, 5, 6) und Laurie Strode – Filme (2, 7, 8). Die Filme aus der Feder Rob Zombies und Teil 3 mit ohne Michael Myers werden natürlich ohnehin außer Acht gelassen.
Bei so viel Unfug im Vorfeld scheint ein Desaster eigentlich vorprogrammiert, aber das bleibt aus.

Es ist 40 Jahre her, dass Psychopath Michael Myers aus der Psychiatrie ausbrach und in seine Heimatstadt Haddonfield zurückkehrte.
Sein überlebendes Opfer Laurie Strode ist von den Vorfällen jener Nacht noch immer gezeichnet und gilt als paranoide Eigenbrödlerin mit schlechtem Verhältnis zu ihrer Familie, die Zielübungen auf Schaufensterpuppen macht und hofft, dass Myers eines Tages erneut ausbricht.
Und genau das passiert….

Die Story bietet zunächst keinerlei Überraschungen, seit jeher zog es Michael zurück in die Heimat oder eben dorthin, wo die Verwandtschaft lebt. Die in früheren Filmen aufgebaute Prämisse, dass Laurie seine Schwester ist, wird hier aber schnell als Fake News begraben.
Diese Szene zeigt jedoch, dass zwar frühere Fortsetzungen ignoriert werden, man sich aber sehr wohl bewusst ist, dass der Zuschauer diese kennt.
Das hätte man womöglich auch bedenken sollen, als man sich dafür entschied Michael erneut die Belegschaft einer Autowerkstatt ermorden zu lassen oder Menschen auf der Toilette zu belästigen.
Während diese Szenen lediglich einfallslos – weil schon da gewesen –  wirken, kann man anderen eine bewusste Hommage unterstellen. Beispielsweise erstrahlt der Moment als Michael am Ende von HALLOWEEN (dem Original) scheinbar tot aus dem Fenster fällt, dann aber plötzlich verschwunden ist, hier in neuem, unerwarteten Glanze.

Was aber wichtiger ist, trotz dieser (lustigen?) Referenzen, erleben wir einen ernsthaften Film. Michael Myers ist keine dumme Comic-Figur, Laurie Strode wird von Jamie Lee Curtis mit der nötigen Würde gespielt und selbst die Teenagerfiguren sind keine albernen Halbaffen, sondern weisen trotz einigen Teenie-Schwächen wie Fremdknutschen und Grasrauchen menschliche Züge auf.
Vielleicht ist die Liebe Michaels zu seiner Maske und großen Küchenmessern zu aufdringlich, aber gerade eine Szene in der er in Haddonfield willkürlich in Häuser eindringt und Menschen ermordet wirken aufrichtig bedrohlich.

Die Kills sind hart und das gerade weil sie nicht bemüht kreativ daherkommen, sondern sich sogar teilweise den Luxus gönnen Offscreen zu geschehen. Das Gejammer der Gorehounds war ob der scheinbar zahmen FSK 16 – Freigabe bereits groß, aber
1. soll dieser HALLOWEEN in der Tradition von 1978 stehen
2. legt die FSK 2018 andere Maßstäbe an, als noch vor 10 Jahren
3. …vor allem bei Kino-Freigaben
4. fehlt dem Film nichts.
Ebenfalls zu loben ist der Verzicht auf (offensichtliche) CGI-Effekte und leere Jumpscares

Allerdings begeht dieses Werk einige unsägliche Fehler im letzten Filmdrittel, was zum einen an der reinen Länge liegt. Nur Rob Zombies Versionen kamen bisher ebenfalls auf über 100 Minuten und der aktuelle Streifen hätte statt der 105 Minuten gut und gerne 10 Minuten weniger auf der Uhr haben dürfen, ohne dass Wesentliches fehlen würde.
Es sind aber vor allem saudumme Twists, welche die bis dahin mühsam aufgebaute Glaubwürdigkeit einreißen.
SPOILER: wer zur Hölle würde denken, dass der schwache Dr. Loomis – Ersatz selbst zum Mörder wird, nur weil er Michael mal „live“ erleben will? Oder dass Laurie Strode offenbar in den letzten 40 Jahren alle SAW-Filme studiert hat und in ihrem Keller dämlich-übertriebene Fallen baut? SPOILERENDE.

HALLOWEEN 2018 gehört natürlich zu den Streifen, die sich nahezu jeder ansehen wird, schon alleine um mitzureden und wenn man bedenkt, wie lange (in Jahren UND Filmen) dieses Franchise schon läuft, ist er in der ersten Stunde eine wirklich angenehme Überraschung, die leider gegen Ende auf den Arsch fällt.

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