Review: HARD CANDY (2005)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.0

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8.7/10 (24)

Darsteller: Patrick Wilson, Ellen Page, Sandra Oh
Regie: David Slade
Drehbuch: Brian Nelson
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Genre:

Es gibt viele Filme mit Pädophilen und über Selbstjustiz, allerdings erwartet man dies nicht bei dem Titel. Wenn man aber weiß, dass im Internet-Jargon HARD CANDY für ein sexuell aufreizendes minderjähriges Mädchen steht, kann man ahnen was folgt.

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Der 32-jährige Jeff Köhler (Patrick Wilson, CONJURING) erfolgreicher Modefotograf, trifft sich mit einer Minderjährigen die er im Internet kennen gelernt hat. Die 14-jährige Hayley Stark (Ellen Page), wirkt auf der einen Seite sehr taff, bringt sie ihn gleich beim ersten Treffen dazu gemeinsam in seine Luxusvilla zu fahren. Auf der anderen Seite gibt sie sich als unglaublich naives Mädchen aus, das gerade dabei ist in ihr Unglück zu rennen.

 

 

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In der Wohnung angekommen, besteht sie darauf ihnen hochprozentige Drinks zu mixen. Sie wird schnell übermütig und verlangt von ihm sie zu fotografieren, sie fängt an sich auszuziehen. Doch Jeff wird es schwarz vor Augen und er wird ohnmächtig. Als er wieder zu sich kommt, befindet er sich gefesselt auf einem Stuhl.

Spätestens jetzt haben Jeff und Hayley wieder die ganze Aufmerksamkeit des Zuschauers, denn hier scheint es sich nicht um eine gewöhnliche Story zu handeln. Der Alptraum beginnt…

Dass das Ganze in nur 18 Tagen abgedreht wurde, sieht man Dank der beiden grandiosen Hauptdarsteller nicht. Sie spielen ihre Rollen absolut glaubwürdig. Ihre Dialoge, in ständiger Anspannung auf Antworten, wirken fesselnd. Sie begleiten uns bis auf wenige Ausnahmen alleine durch den kompletten Film, der außer der Anfangsszene ausschließlich in Jeffs Wohnung statt findet.

Denkt man zu Beginn es handelt sich um die Geschichte eines Pädophilen, wird man ständig dazu genötigt dies in Frage zu stellen. David Slade schafft es, dass man im stetigen Wechsel Sympathien zu den Figuren entwickelt. Der arme Jeff, dem Unrecht getan wird, oder ist er doch der böse Pädophile und hat einen Denkzettel verdient? Man fragt sich was der kleinen Hayley schreckliches passiert ist oder ist sie einfach nur pervers und verrückt?

Selbst als Hayley angebliches Beweismaterial findet, lässt man uns im Zweifel, da wir es nicht sehen. Wir bekommen nie die Chance selbst ein Urteil zu fällen.

HARD CANDY ist der erste Spielfilm von David Slade. Zuvor inszenierte er überwiegend Werbespots und Musikvideos. Diese Perfektion wendet er auch hier an, alles scheint genau durchdacht zu sein, jede Kameraeinstellung, jedes Detail im Bild. Alles trägt dazu bei ständig die passende Stimmung zu vermitteln und die Spannung aufrecht zu erhalten. Das Ganze schafft er ohne direkte Gewaltdarstellung oder blutigen Szenen. Es wird allein mit der Psyche gespielt.

Da am Ende ein mulmiges Gefühl bleibt und man sich erst selbst fragen muss, ob man nicht vielleicht doch auf der falschen Seite war, ist HARD CANDY für den gemeinschaftlichen Filmabend eher ungeeignet. Aber er lohnt sich für jeden der nicht immer nur auf plumpe Unterhaltung steht und damit klar kommt, dass seine Fragen nicht alle aufgeklärt werden.

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