Review: HEILSTÄTTEN (2018)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 2.5

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3/10 (2)

Darsteller: Nilam Farooq, Farina Flebbe, Sonja Gerhardt
Regie: Michael David Pate
Drehbuch: Michael David Pate, Ecki Ziedrich
Länge: 85 min
Land:
Genre: ,
Veröffentlichung: 13. September 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Fox
FSK: ab 16

Youtube ist eine tolle Sache. Jeder glaubt ein Star zu sein, egal ob er Justin Bieber ist, Schminktipps gibt oder nur aus der Badewanne sendet.
Regisseur Michael Pate ist eindeutig Freund dieser Generation und ließ schon in seinem letzten Film, dem unsäglichen KARTOFFELSALAT, einige erfolgreiche Youtuber teilhaben.
Auch in HEILSTÄTTEN spielen (teilweise) echte Youtuber Film-Youtuber.

Und diese Vlogger verschlägt es in die legendären Beelitz-Heilstätten, eine leerstehende Lungenheilanstalt, in der es spuken soll. Die Gruppe ist natürlich mit Kameras ausgestattet und liefert sich einen Battle, wer die unheimliche Herausforderung länger aushält.

„Wegen Typen wie euch und dem was ihr da die ganze Zeit macht, verdummt die Jugend.“
Dieser Satz fällt in HEILSTÄTTEN und fasst damit alles zusammen, was es über den Film zu sagen gibt.
Tatsächlich ist der nervige Junge aus BABADOOK neben den Damen und Herren, die man uns hier zumutet, ein echter Sonnenschein. Nur, dass dessen Rolle Sinn machte. Das Personal in HEILSTÄTTEN wirkt auf unmotivierte Weise unsympathisch. Wie soll man mit diesen Menschen mitfiebern? Man wünscht diesen unangenehmen Gestalten nur den Tod. Die einzige Frage: einen langsamen Tod, weil sie es verdient hätten oder einen schnellen, damit dieses Theater rasch vorbei ist?

Dass das Gelände und die heruntergekommenen Gebäude im realen Leben einen grusligen Reiz ausstrahlen ist auch dann unbestritten, wenn man weiß, dass nicht in Beelitz gedreht wurde.
Dort will man nicht unbedingt eine Nacht verbringen.
Sitzt man aber daheim auf der Couch, fällt vor allem eines auf: All das gab es schon etliche Male, wobei prominentestes Beispiel die GRAVE ENCOUNTERS – Filme sein dürften. Die sind auch schon 6 bzw. 7 Jahre alt und selbst damals war Found Footage schon im Rentenalter.
In diesem Stil und mit dieser Ideenlosigkeit 2018 noch einmal anzufangen, zeigt warum man sich um den deutschen Horrorfilm sorgen muss.

Davon abgesehen krankt das Werk an den üblichen Found Footage – Problemen. Man will zwar authentisch sein, was durch eine nicht benötigte Synchronisation begünstigt wird, zerstört den Eindruck aber wieder durch Sounduntermalung oder Kameraeinstellungen, die es nicht geben könnte, wenn denn wirklich alles so real wäre.
Zudem scheint jeder mehrere Cams gleichzeitig zu schwingen, das ganze Haus steht voll mit stationären Überwachungskameras und zwischen allen wird mindestens 30 Mal pro Sekunde hin und her geschnitten.

Aber reden wir das Werk nicht mieser als es ist. Die eine oder andere gruslige Szene findet sich und kennt man den schon erwähnten GRAVE ENCOUNTERS nicht, fällt vielleicht nicht mal auf, dass z.B. die Badewannenszene recycelt wurde.
Wirklich überraschend kommt sogar ein Twist vor, der zwar 0 (in Worten Null) Sinn ergibt, aber immerhin ein Bemühen zeigt und etwas Selbstironie offenbart.

Fazit:
Wenn du zwölf bist, noch nie einen anderen Horrorfilm gesehen hast, denkst, dass Schminktipps wichtiger sind als Weltfrieden, deine Freunde ausschließlich mit „Bro“ oder „Digga“ ansprichst, Ritalin in großen Mengen zu dir nimmst und Kollegah für einen Dichter hältst, ist das dein Ding.
Wenn du aber einen spannenden oder smarten oder wenigstens erträglichen Film sehen willst, dann mach bitte einen Bogen um HEILSTÄTTEN.

 

 

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